Rentner wegen Anstiftung zum Marihuana-Schmuggel vor Gericht

mlzAmtsgericht

Vor dem Ahauser Amtsgericht musste sich ein krebskranker Rentner verantworten, der den niederländischen Freund seiner Tochter zum Schmuggel von Marihuana angestiftet haben soll.

Ahaus

, 19.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einem krebskranken Rentner aus Schwelm wurde vor dem Ahauser Amtsgericht vorgeworfen, den Freund der Tochter zur unerlaubten Einführung einer größeren Menge Marihuana angestiftet zu haben. Der Schmuggel lief jedoch nicht wie geplant. Der aus den Niederlanden stammende Freund wurde nach einer Verfolgungsfahrt von der Polizei gestellt. Das Marihuana warf er in einem Rucksack aus dem Fenster.

„Der Typ ist verrückt.“

In der polizeilichen Vernehmung sagte der Niederländer – der nicht zum Prozess erschien –, er sei von seiner Freundin und deren Vater zum Marihuana-Schmuggel angestiftet worden. Dies wies der 67-jährige Rentner vehement zurück: „Der Typ ist verrückt. Ich glaube, dass er ein Dealer ist.“

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Der Angeklagte könne nicht verstehen, weshalb der junge Niederländer ihn beschuldige. Auch weshalb die Tochter eine Beziehung mit dem Niederländer einging, sei für ihn nicht nachvollziehbar gewesen. Im Vorfeld des aufgeflogenen Schmuggels habe der Freund geliehenes Geld nicht zurückgezahlt und die Autoscheibe des Angeklagten kaputt geschlagen.

In einer vorangegangen Verhandlung sagte der Niederländer laut Protokoll aus, dass er unter einer posttraumatischen Störung leide und aus Panik vor der Polizei geflohen sei. Ein Drogenhändler sei er aber nicht.

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Die 94 Gramm Marihuana seien für den Eigengebrauch gewesen. Die anderen zwei Drittel der Betäubungsmittel seien jeweils für seine Freundin und krebskranken Rentner bestimmt gewesen. Das Geld hätten sie zuvor zu gleichen Teilen zusammengelegt – insgesamt 400 Euro.

Richter äußert Zweifel

Diesen Punkt nahm der Richter zum Anlass, seine Zweifel an der verlesenen Aussage des Niederländers zum Ausdruck zu bringen. „Wie man 400 Euro gleichermaßen von drei Personen bekommt, ist mir nicht klar“, so der Richter. Darüber hinaus wurde das Marihuana in vier Packungen unterschiedlicher Menge mitgeführt worden.

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„Es macht den Eindruck, dass er im besseren Licht dastehen wollte, wenn er das Marihuana für einen alten, kranken Mann einführe“, befand der Anwalt über den Niederländer. Er beantragte den krebskranken Rentner aus Schwelm freizusprechen und ergänzte: „Der Vorwurf ist objektiv nicht nachzuweisen.“

Die Verteidigung schloss sich an; das Schöffengericht erteilte den Freispruch. Die Tochter des 67-Jährigen wurde bereits in einem früheren Verfahren freigesprochen.

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