Kritik an Stationierung des Notarztfahrzeugs

Umweg im Alarmfall?

Stau auf der Wüllener Straße. Mindestens zu den Stoßzeiten ist das täglich ein gewohntes Bild. Daran hat sich Wilhelm Krieger längst gewöhnt. Der Busfahrer steht dort regelmäßig. Häufig beobachtet er dabei, wie der Wagen für den Notarzt von der Ahauser Wache ausrückt. Für ihn meist zunächst in die falsche Richtung. Doch die Stationierung des Wagens ist durchaus durchdacht.

AHAUS

, 05.04.2016, 19:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Regelmäßig ärgert es ihn, dass das Auto für denn Notarzt von der Wache am Adenauerring erst zum Krankenhaus fährt, um dort den Notarzt einzusammeln, bevor er zum Unfall- oder Einsatzort ausrücken kann.

„Da wird doch unendlich viel Zeit verschenkt“, sagt Krieger. Sowieso schon wegen des Umwegs und erst recht, wenn sich der Verkehr zwischen Adenauerring und dem Krankenhaus an der Wüllener Straße mal wieder staut. „Das ist doch sinnlos“, so Krieger weiter.

Stationierung am Krankenhaus?

Seiner Meinung nach müsste das Notarztfahrzeug direkt am Krankenhaus stationiert werden. „Dann könnte der Arzt direkt ausrücken“, sagt der Busfahrer. Der Fahrer könne auch im Krankenhaus sicherlich gut eingesetzt werden, erklärt Krieger weiter. Das habe er auch schon beim Kreis Borken vorgetragen. Dort liegt die Organisation des Rettungsdienstes.

Auf die Kritik angesprochen, kann Ellen Schlütter, Sprecherin des Kreises Borken, schnell erklären, warum das Fahrzeug an der Rettungswache steht: „Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, die dafür sprechen, das Notarztfahrzeug an der Wache zu stationieren“, sagt sie.

Klare Gründe für Wache

  • Der diensthabende Notarzt arbeitet im Ahauser Krankenhaus auf einer der Stationen. „Bis der von seiner Arbeitsstelle zum Treffpunkt mit dem Fahrzeug kommt, ist das in der Regel auch vor Ort“, erklärt Schlütter.
  • Durch die getrennte Anfahrt von Rettungswagen und Notarzt entstehe kein Verlust der medizinischen Versorgung. „Die Besatzungen der Rettungswagen haben ja alle Geräte, Medikamente und auch die Ausbildung, um im Notfall zu helfen“, erklärt Schlütter.
  • An der Wache ist die nötige Infrastruktur vorhanden, um das Fahrzeug zu warten. So wird das Fahrzeug zum Beispiel im Stand mit Strom versorgt, um es ständig einsatzbereit zu halten. „Das ist so am Krankenhaus gar nicht möglich“, erklärt Schlütter.
  • Der Fahrer des Fahrzeugs, das im Behördendeutsch übrigens etwas umständlich Notarzteinsatzfahrzeug genannt wird, würde im Krankenhaus lediglich auf seinen Einsatz warten. „In der Wache kann er in dieser Zeit andere Aufgaben übernehmen. Außerdem sind dort Sozialräume vorhanden, die sonst im Krankenhaus noch geschaffen werden müssten“, erklärt Schlütter. Ein unverhältnismäßiger Aufwand. Auch sei die Stationierung eines Notarztfahrzeugs an einer Feuerwache durchaus üblich.

In seiner aktuellen Fassung stammt die Planung für den Rettungsdienst aus 2014. Durch die Wache am Adenauerring und das Marienkrankenhaus wird die Notarztversorgung für das gesamte Ahauser Stadtgebiet, für Legden, den Heeker Ortsteil Heek sowie die Gemeinde Schöppingen sichergestellt. Laut Planung leben in dem 316 Quadratkilometer großen Gebiet 58481 Menschen. Zwischen der Wache und den entferntesten Einsatzorten liegen Entfernungen von elf (Heek), zehn (Legden) und 17 (Schöppingen) Kilometern.

Über die Planung für den Rettungsdienst entscheidet der Kreis Borken. Die Versorgung mit Feuerwehrleuten, -technik und -fahrzeugen für das Stadtgebiet obliegt der Stadt Ahaus. Der Rat wird in seiner kommenden Sitzung am Donnerstag, 7. April, ab 19 Uhr unter anderem auch über die geplante Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans sprechen. Die Sitzung findet im Ratssaal des Rathauses, Rathausplatz 1, statt
Einige Eckpunkte des Entwurfs für die neue Brandschutzbedarfsplanung:
Die Konzeption der Feuerwehr soll in 90 Prozent aller Fälle gewährleisten, dass ab Alarmierung neun Einsatzkräfte in acht Minuten an jeder Stelle in der Stadt sind. Nach weiteren fünf Minuten sollen weitere sieben Kräfte vor Ort sein.
Die Statistik zeigt, dass das erste Ziel in gut drei Vierteln der Fälle, das zweite Ziel zu gut 84 Prozent erreicht wird.
Laut Eintreffzeitanalyse sind nur Alstätte und Ottenstein planerisch nicht innerhalb von acht Minuten durch hauptamtliche Kräfte der Feuer- und Rettungswache erreichbar.
Personal: Laut Stellenplan arbeiten hauptamtlich bei der Feuerwehr Ahaus 27 Beamte und zehn tariflich Beschäftigte. Dazu kommen 308 ehrenamtliche Kräfte.
Gebäude: Mittelfristig gibt es an allen Standorten außer Wessum Erweiterungsbedarf: Die Gebäude in Ahaus-Nord und Wüllen sollen durch einen Neubau ersetzt, die Hauptwache und die Gebäude in Ottenstein durch Anbauten ergänzt werden. Langfristig ist auch in Alstätte ein komplett neuer Standort erforderlich.
Fahrzeuge: Die Ausstattung der Feuer- und Rettungswache ist angemessen. Die Fahrzeuge befinden sich in einem guten Allgemeinzustand, Ersatzbeschaffungen wurden im Rahmen der wirtschaftlich vertretbaren Laufzeiten durchgeführt.

 

 

In einer ersten Version dieses Berichts gab es eine Überschneidung zwischen den Begriffen Notarzteinsatzfahrzeug und Notarztwagen. In der Ahauser Wache ist ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) stationiert. In der Nomenklatur der Rettungsdienste handelt es sich bei dem umgangssprachlichen Begriff Notarztwagen um ein Fahrzeug, das sowohl den Arzt als auch den Patienten transportieren kann. Das Notarzteinsatzfahrzeug transportiert lediglich den Arzt zur Einsatzstelle. 

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