Kritiker der Dichtheitsprüfung machen ernst

Bürgerinitiative vor Gründung

„Ist in Ahaus noch alles dicht?“ – Mit dieser bewusst zugespitzt formulierten Frage haben sich Zuhörer und Vertreter von Bürgerinitiativen gegen die verpflichtende Dichtheitsprüfung von privaten Abwasserleitungen am Dienstagabend im Saal der Gaststätte „Am Schulzenbusch“ auseinandergesetzt.

AHAUS

von Von Anna-Lena Haget

, 26.10.2011, 15:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Thorsten Möllmann von der Bürgerinitiative »Alles dicht in Nordwalde« sprach vor vollem Saal in Ahaus.

Thorsten Möllmann von der Bürgerinitiative »Alles dicht in Nordwalde« sprach vor vollem Saal in Ahaus.

Rund 100 Gäste zählte die Informationsveranstaltung. Die Verärgerung über Gesetzgeber und Politik waren sowohl im Publikum als auch bei den Initiatoren spürbar. Thorsten Möllmann und Bernd Ahlers von der Bürgerinitiative „Alles dicht in Nordwalde“ referierten zum Thema: Laut Paragraph 61a des Landeswassergesetzes sind auch alle Ahauser Hausbesitzer dazu verpflichtet, bis spätestens 2023 ihre Abwasserleitungen auf Dichtheit überprüfen zu lassen.

Die Referenten warnten vor der kostenintensiven und unsinnigen Prozedur und entwarfen Schreckensszenarien von Rechnungen bis zu 20 000 Euro. „Es hat schon Leute gegeben, die deswegen ihr Haus verkaufen mussten“, mahnte Möllmann. Das Vorgehen mit Hochdruckspülanlagen führe bei vielen, gerade älteren Rohrsystemen zu katastrophalen Ergebnissen. „Es ist völlig uneinsichtig, warum so eine Leitung mit Druck geprüft werden muss“, so Bernd Ahlers. Wasser, das mit bis zu 140 Bar durch eine einfache Tonröhre geschossen werde, ziehe im schlimmsten Fall zerborstene Rohre nach sich. „Das muss nicht passieren, aber es kann. Das Problem ist, wenn es passiert, sind Sie dran“, erklärte der Aktivist. Wesentlich schonender sei die sogenannte Durchlaufprüfung. „Wenn wir oben 100 Liter hineingeben und unten 100 Liter herauskommen, können wir davon ausgehen, dass die Leitung dicht ist“, so Möllmann. Diese Methode werde in dem Gesetz allerdings nicht berücksichtigt.

Nach Recherchen der Bürgerinitiative verstoße die Verordnung sogar gegen das Grundgesetz. Auch sei es seltsam, dass lediglich in NRW und Hamburg diese Prüfungen vorgeschrieben seien, so Ahlers. Der Referent sieht darin nach seinen Worten „Abzockmethoden der Länder“. Über 50 Bürgerinitiativen haben sich landesweit gegen den Paragraphen 61a LWG formiert. In Ahaus soll nun die nächste entstehen – mit Hilfe von Bürgerinitiativen aus der Umgebung. Und tatsächlich fanden sich einige Freiwillige, die bereit sind, dem Widerstand gegen den Paragraphen 61a zu folgen. Uwe Gellrich aus Heek stellte sich bereits als Vorsitzender zur Verfügung. „Die Zeit des Rumsitzens um Abwartens ist definitiv vorbei“, rief Ahlers seine Hörerschaft zum Schluss auf. Nur durch Druck auf die Politik könne etwas bewegt werden, ergänzte er.

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