Landesweiter Warntag: In Ahaus hängt der Alarm am Haken

mlzMit Video: Neue Sirene fürs Rathaus

Nein, es war kein neuer Mast fürs Handynetz, der am Mittwoch aufs Rathausdach gehoben wurde. Vielmehr ging es um Arbeiten für den landesweiten Warntag am 5. September.

Ahaus

, 29.08.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mittwochvormittag vor dem Rathaus: Der Bereich ist mit Flatterband abgesperrt, ein Kranwagen hat den Ausleger ausgefahren – Passanten blicken neugierig hoch zum Rathausdach. Doch noch ist auf dem First nichts zu sehen. Erst müssen Marcel Frey und Rigels Gianaj am Boden ihre Arbeit zu Ende bringen. Die beiden sind Sirenenmonteure der Firma Hörmann mit dem Hauptsitz in Bayern.

In Nordrhein-Westfalen findet am Donnerstag, 5. September, der zweite landesweite „Warntag“ statt. In allen Kommunen werden dann um 10 Uhr „Warnmittel“ erprobt. In Ahaus zum Beispiel die Sirene auf dem Dach des Rathauses.

Acht Sirenen

Insgesamt acht Sirenen des Modells EC 600 NRW schraubt Marcel Frey zusammen. Jede einzelne besteht aus Aluguss und wiegt mitsamt dem Sirenenkopf und der Technik elf Kilogramm. Gut 90 Kilogramm kommen also bei der Rathaus-Sirene zusammen, die mitsamt Blitzableiter etwa dreieinhalb Meter lang ist. Der ein oder oder andere Passant bleibt stehen und schaut den Monteuren bei der Arbeit zu. „Die Leute fragen uns, ob wir einen Sendemast fürs Handy-Netz installieren“, berichtet Marcel Frey.

Landesweiter Warntag: In Ahaus hängt der Alarm am Haken

Sirenenmonteur Rigels Gianaj bei der Arbeit auf dem Dach der Gottfried-von-Kappenberg-Schule in Wessum. © Privat

Fürs Rathaus schrauben die beiden Sirenenmonteure und gelernten Elektrotechniker ein „mittelgroßes Modell“ zusammen, erklärt Marcel Frey. Jede Sirene werde individuell auf den Einsatzort und die beabsichtigte Reichweite abgestimmt. Mal werden mehr Elemente zusammengesetzt, mal weniger.

Aufbau nach Beschallungsplan

Zugrunde liegt ein sogenannter Beschallungsplan. Dieser Plan sieht für die Rathaus-Sirene eine südöstliche Ausrichtung zur Straße Am Aabach vor. Im Alarmfall sollen vom Sirenenton in einer Entfernung von 500 Metern noch 90 Dezibel ankommen, das entspricht der Lautstärke eines Lastwagens oder eines Türknallens. Auf einer Karte sind Wirkungskreise eingezeichnet, die von 90 Dezibel (rot), über 80 Dezibel (gelb) bis 70 Dezibel (grün) reichen. Die aufgestellten Sirenen decken mit den in der Karte eingezeichneten Kreisen das Stadtgebiet ab.

Ersatz für Motorsirenen

Die neuen Sirenen sind ihren Vorgängermodellen deutlich überlegen. Die altbekannten, charakteristischen Motorsirenen mit dem runden Kopf mussten mit Dreiphasenwechselstrom betrieben werden. Kam es im Katastrophenfall zu einem Stromausfall, war keine Alarmierung mehr möglich. Das Hörmann-Modell bietet eine volle Funktion, auch bei Stromausfall, durch integrierte Batterien. „Innerhalb von 48 Stunden sind noch zehn Alarme möglich“, erklärt Rigels Gianaj.

Landesweiter Warntag: In Ahaus hängt der Alarm am Haken

Montage einer Sirene in Alstätte. © Stadt Ahaus

Der 36-Jährige war am Montag schon der Gottfried-von-Kappenberg-Schule in Wessum aufs Dach gestiegen, um dort eine Sirene zu installieren – eine nicht enden wollende Arbeit. Das Modell war etwas größer als die Rathaus-Sirene. „Ich musste über 200 Muttern auf die Gewindestangen aufdrehen.“ Mit den Stangen werden die Sirenen zusammengehalten. Für das Rathaus-Exemplar sind es nicht ganz so viele Muttern, die diesmal sein 30 Jahre alter Kollege Marcel Frey aufdreht.

Arbeiten auf dem Rathausdach

Gegen 12.30 Uhr ist es am Mittwoch soweit. Als letzte Arbeit am Boden wird der Blitzableiter montiert. Dann nimmt der Kranwagenfahrer seine Arbeit auf – und die Sirene an den Haken. Die Monteure verschwinden ins Rathaus. Kurz darauf klettert Gianaj gut gesichert durch ein Ausstiegsfenster und stellt sich auf Laufroste auf dem Rathausdach. Das Fenster und die Roste hatten Mitarbeiter der Firma Daume schon am frühen Mittwochmorgen eingebaut, um den Monteuren die Arbeit zu erleichtern.

Video
Eine neue Sirene fürs Rathaus in Ahaus

Jetzt noch ein paar Schrauben und Muttern befestigen, dann ist nach gut 30 Minuten die gröbste Arbeit getan, die Sirene steht. Die Arbeit in luftiger Höhe stellt den 36-Jährigen vor keine großen Probleme. „Das ist mein täglich Brot, kein Ding“, sagt er lapidar. „Da kletterst du hoch und wieder runter.“

Am Donnerstagmorgen wollen die beiden Techniker das Modul unterm Dach noch verdrahten. „Wenn wir sie angeschlossen haben, lassen wir sie auch ganz kurz laufen“, sagt Rigels Gianaj.

Auf zum nächsten Einsatzort

Ist die Arbeit in Ahaus erledigt, geht es zum nächsten Sirenen-Aufbau. Wohin genau, das wissen die Monteure noch nicht. „Vielleicht nach Bocholt“, sagt Rigels Gianaj. „In Nordrhein-Westfalen sind ja noch viele Sirenen aufzustellen.“

Auf die Sirenen wird zurückgegriffen, wenn es ernst werden sollte. Mit dem Heulen wird die Bevölkerung bei großen Schadenslagen und Katastrophen gewarnt – etwa bei Bombenentschärfungen, Großbränden oder Unwettern.

Am Donnerstag, 5. September, gibt es beim landesweiten Probealarm folgende Signalfolge:

  • Eine Minute Dauerton, das Signal mit der Bedeutung „Entwarnung“.
  • Eine Minute auf- und abschwellender Heulton mit der Bedeutung „Radio einschalten und auf Durchsagen achten“.
  • Eine Minute Dauerton mit der Bedeutung „Entwarnung“.

In Ahaus werden erstmalig nach Jahrzehnten wieder Sirenen zu hören sein. Insgesamt 115.000 hat sich die Stadt Ahaus das neue Warnsystem mit 14 Sirenen kosten lassen, davon kamen 62.000 Euro als Fördermittel vom Land.

Standorte der Sirenen im Stadtgebiet Ahaus: Rathaus, Feuer- und Rettungswache, Haus der Integration, Finanzamt, Volkshochschule, Alexander-Hegius-Gymnasium, Sporthalle Vestert, Stadtwerke, Andreas-Grundschule (Wüllen), Gottfried-von-Kappenberg-Grundschule (Wessum), Marienschule (Graes), Burgschule (Ottenstein), Katharienschule (Alstätte), Feuerwehrgerätehaus (Alstätte)
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