Landrat Gerd Wiesmann tritt in den Ruhestand

Seit 1992 im Amt

KREIS BORKEN Landrat Gerd Wiesmann tritt nach 40-jährigem Einsatz für den Kreis Borken in den Ruhestand. Seit 1969 ununterbrochen im Kreistag, wurde er 1992 ehrenamtlicher Landrat und ist seit 1999 hauptamtlicher Landrat für den Münsterland-Kreis.

13.10.2009, 09:53 Uhr / Lesedauer: 4 min
Landrat Gerd Wiesmann.

Landrat Gerd Wiesmann.

Kurzum, der Kreis Borken ist ein sehr attraktiver Raum, in dem es sich außerordentlich gut leben und arbeiten lässt. Einer derjenigen, die den Erfolgskurs über diesen langen Zeitraum aktiv mitgestaltet haben, ist Gerd Wiesmann. Seit 1969 ist der Bocholter ununterbrochen Mitglied des Borkener Kreistages und seit der Kommunalwahl 1999 auch hauptamtlicher Landrat des Kreises Borken. 2004 wurde er mit 66,1 Prozent der Stimmen für  weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. Diese Amtszeit geht nun zu Ende. Am 20. Oktober 2009 hat Gerd Wiesmann seinen letzten Arbeitstag. Dann tritt der „Mann des Ausgleichs", wie er von vielen wegen seiner besonnenen, stets vermittelnden Art genannt wird, in den wohlverdienten Ruhestand.

Gerd Wiesmann wurde am 3. Februar 1943 in Bocholt geboren. Nach dem Abitur studierte er von 1962 bis 1965 an der Pädagogischen Hochschule Münster. Anschließend war er zunächst als Volksschullehrer sowie von 1971 bis 1977 in der Lehrerausbildung als Fachleiter für Geschichte und Politik am Bezirksseminar Borken tätig. 1977 wurde er im Bocholter Ortsteil Barlo zum Konrektor einer Hauptschule ernannt, drei Jahre später zu deren Rektor. 1991 wechselte er zu einer großen Hauptschule in der Bocholter Innenstadt, die er bis zu seiner Wahl zum hauptamtlichen Landrat im Jahre 1999 leitete.

Schon in seiner Jugend engagierte sich Gerd Wiesmann in der CDU. So führte er von 1971 bis 1975 als Kreisvorsitzender die Junge Union. Später war er viele Jahre stellvertretender Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Borken sowie Mitglied des Landesvorstandes der CDU Westfalen-Lippe. In der Zeit der kommunalen Neugliederung übernahm Gerd Wiesmann 1969 nicht nur ein Mandat im Rat der damals noch selbstständigen Gemeinde Stenern bei Bocholt. Er wurde darüber hinaus im gleichen Jahr auch – mit 26 Jahren jüngstes – Mitglied im Borkener Kreistag. Inzwischen ist er dort mit 40 Abgeordnetenjahren „Dienstältester". 1979 wurde Gerd Wiesmann auch Stadtverordneter in Bocholt und war dort ab 1983 stellvertretender Bürgermeister. 1989 gab er dieses Ehrenamt ab, weil er zum stellvertretenden Landrat des Kreises Borken gewählt wurde. Auf sein Mandat im Bocholter Stadtrat verzichtete er schließlich im Jahre 1992, als er die Nachfolge des damaligen ehrenamtlichen Landrats Franz Skorzak antrat. 1994 wurde er in diesem Amt bestätigt und 1999 mit 64,7 Prozent der Stimmen erstmals zum hauptamtlichen Landrat des Kreises Borken gewählt. Damit übernahm er auch die Leitung der Borkener Kreisverwaltung mit rund 900 Bediensteten und gleichzeitig der Kreispolizeibehörde Borken mit über 600 Polizeibeamten und weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Für den erklärten Kommunalpolitiker Gerd Wiesmann war es als hauptamtlicher Landrat vordringliches Ziel, den außergewöhnlichen Schwung und die besondere Dynamik der Entwicklung seines Kreises auch im neuen Jahrtausend in Gang zu halten. Im Hinblick auf die Globalisierung der Märkte und den verstärkten Wettbewerbsdruck machte er sich folglich insbesondere dafür stark, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der kleinen und mittleren Unternehmen im Kreis zu stützen und auszuweiten. So legte er großen Wert auf ein wirtschaftsfreundliches Klima im kommunalen Bereich, um durch Bereitstellung von günstigen Gewerbeflächen, kurze Dauer von Genehmigungen sowie eine aktive Gründungs- und Technologieberatung die Bedingungen für Existenzgründer wie für bereits bestehende Unternehmen positiv zu gestalten. Zudem schärfte der Kreis Borken im Rahmen eines eigenen Leitbildbildprozesses (beteiligt daran waren Bürgerinnen und Bürger, Politik, Institutionen und Verwaltung) sein Profil als zukunftsfähiger und bürgerorientierter öffentlicher Dienstleister für die Menschen im Westmünsterland. Nicht ohne Grund erhielt daher die Borkener Kreisverwaltung nach einem umfassenden Zertifzierungsverfahren das RAL-Gütesiegel „Mittelstandsfreundliche Verwaltung".

Besonderes Augenmerk legte Gerd Wiesmann – seit 2006 Sprecher der Landräte des Münsterlandes – auf die Stärkung der regionalen Zusammenarbeit. Überaus erfolgreich, wie sich beispielsweise an der von ihm mit Nachdruck betriebenen und Anfang 2009 erfolgten Bildung der neuen Regionalmarketinginitiative „Münsterland e. V." sowie am Zuschlag für die Ausrichtung der REGIONALE 2016 gemeinsam mit dem Kreis Coesfeld und sieben Lippe-Kommunen zeigt. Eine enge Kooperation mit den niederländischen Nachbarn war ihm ebenfalls Herzenssache. Dabei initiierte er u. a. das mit vielen konkreten Projekten unterlegte „Grenzüberschreitende Aktionsprogramm Regio Achterhoek – Kreis Borken 2002 - 2006" und engagierte sich persönlich an verantwortlicher Stelle in den Gremien der EUREGIO. Für seine großen Verdienste um die deutsch-niederländische Zusammenarbeit verlieh ihm Königin Beatrix vor wenigen Tagen erst die hohe Auszeichnung „Officier in de Orde van Oranje Nassau".

Die nach Wegfall des „Eisernen Vorhangs" in Europa zunächst gemeinsam mit dem niedersächsischen Landkreis Wesermarsch geleistete Unterstützung des Landkreises Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern beim Aufbau neuer Verwaltungsstrukturen wandelte sich nicht zuletzt auf Betreiben von Gerd Wiesmann in eine „Partnerschaft auf Augenhöhe". Als 1999 in Polen Kreis-Strukturen eingeführt wurden, machte er sich sofort für eine Partnerschaft mit dem dortigen Landkreis Wroclaw/Breslau stark, die dann schon im Jahr darauf offiziell besiegelt werden konnte. Seither hat es bereits eine Vielzahl von Begegnungsmaßnahmen der Bewohner beider Kreise gegeben. In die Amtszeit von Landrat Wiesmann fiel überdies 2005 die Übernahme der Betreuung und Vermittlung der Langzeitarbeitslosen in die Regie der Kreisverwaltung. Der Kreis Borken ist seitdem eine von bundesweit 69 Optionskommunen, die ohne Beteiligung der Agenturen für Arbeit diese wichtige Aufgabe durchführen. Möglichst lange älteren Menschen ein eigenständiges Leben zu ermöglichen, das war das Ziel des Ideenwettbewerbs „Leben im Alter neu denken – Kreis Borken bewegt", der von 2004 bis 2008 durchgeführt und 2006 sogar mit dem Innovationspreis der NRW.Bank ausgezeichnet wurde. Viele neue Maßnahmen insbesondere zur Stärkung der ambulanten Hilfestrukturen konnten auf diese Weise bei sozialen Institutionen, Verbänden und Vereinen angestoßen werden.

Das 2007 von Wiesmann mit ins Leben gerufene „Bündnis für Familie Kreis Borken" hat inzwischen zahlreiche Initiativen auf den Weg gebracht, um die Lebenssituation der Familien im Westmünsterland nachhaltig zu verbessern. Eine zentrale Grundlage für die weitere Entwicklung des Kreises zur „Lernenden Region" bietet zudem die 2005 vom Kreistag beschlossene und zwischenzeitlich weitgehend abgeschlossene empirische Studie zur „Bildungslandschaft Kreis Borken". Auch das im gleichen Jahr begonnene Demographie-Projekt zielt auf Zukunft: In einem breit angelegten Dialog mit allen interessierten gesellschaftlichen Akteuren wurden – und werden weiterhin – Handlungsstrategien und -empfehlungen entwickelt, um den demographischen Wandlungsprozess der Region positiv zu beeinflussen und notwendige Anpassungen aktiv zu unterstützen.

Landrat Gerd Wiesmann hatte in seiner Amtszeit allerdings auch schwierige Phasen zu bewältigen, so den Katastrophenalarm beim Schneechaos Ende 2005, die Bekämpfung verschiedener Tierseuchenzüge, wie Schweinepest und Maul- und Klausenseuche, sowie die Probleme um die Finanzgeschäfte der Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland. Als Ruheständler will er sich in erster Linie um seine Familie kümmern, die bei seinem bisherigen Fulltime-Job oft zu kurz gekommen ist – vor allem die acht Enkelkinder freuen sich schon darauf, dass ihr Opa zukünftig mehr Zeit für sie hat. Außerdem wird er verstärkt für den Bocholter Förderverein „Jedem Kind ein Instrument" aktiv werden, dessen Gründungsvorsitzender er ist.

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