Landwirte demonstrieren gegen Svenja Schulze und richten Mahnwache ein

mlzProtest der Landwirte

Zur Demonstration in Münster haben sich am Donnerstag Landwirte mit 1650 Traktoren aus dem Münsterland auf den Weg gemacht. Vor der SPD-Geschäftsstelle haben sie eine Mahnwache eingerichtet.

Ahaus

, 28.05.2020, 09:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie wollen gehört werden. Landwirte aus dem ganzen Münsterland sind am Donnerstag mit ihren Traktoren nach Münster gefahren. Dabei waren auch Landwirte aus Legden und dem nördlichen Kreis Borken sowie dem angrenzenden Kreis Steinfurt. Sie starteten am Morgen um 8.45 Uhr von Schöppingen aus in Richtung Münster.

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Landwirte aus dem Kreis Borken demonstrieren in Münster

Am Schöppinger Ramsberg hatten sie sich mit ihren Schleppern getroffen. Allein dort waren es 95 Trecker. Von dort ging es zunächst nach Altenberge, um von dort aus geschlossen mit weiteren Landwirten nach Münster auf den Schlossplatz zu fahren.

Aus dem südlichen Kreis Borken trafen sich die Traktoren zur Abfahrt in Heiden. Die Polizei in Münster rechnete am Morgen mit rund 1000 Traktoren. „Das werden deutlich mehr“, sagte ein Landwirt am Morgen in Schöppingen und deutete auf die lange Traktorenschlange. Am Ende waren es zwischen 1600 und 1650.

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Landwirte protestieren gegen Bericht zur Lage der Natur

Die Landwirte protestieren vor allem gegen den aktuell vorgelegten Bericht zur Lage der Natur von Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Sie fühlen sich an den Pranger gestellt. In ihren Augen werden sie als alleinige Ursache für die Probleme im Naturschutz und beim Insektensterben verantwortlich gemacht. Sie fordern den Rücktritt der Bundesumweltministerin und ihres Staatssekretärs Jochen Flasbarth.

Kurz vor Münster stauen sich die Traktoren gerade weit zurück. Die Polizei versucht, den Verkehr zu regeln. Die Landwirte sind glücklich über die positiven Reaktionen von Autofahrern und Passanten.

Kurz vor Münster stauen sich die Traktoren gerade weit zurück. Die Polizei versucht, den Verkehr zu regeln. Die Landwirte sind glücklich über die positiven Reaktionen von Autofahrern und Passanten. © Christian Bomberg

Mit dabei: Christian Bomberg, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Legden. Nach der zentralen Kundgebung auf dem Schlossplatz meldete er sich auf dem Rückweg nach Hause in unserer Redaktion. „Eine rundum gelungene Veranstaltung“, fasst er die Demonstration zusammen. Besonders wichtig: „Die Resonanz von Autofahrern und Passanten war fast durchweg positiv.“ Natürlich habe es auch negative Reaktionen gegeben, überwiegend hätten die Leute den Landwirten aber zugestimmt.

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95 Traktoren aus dem Nordkreis Borken starten in Richtung Münster

„Die befassen sich einfach viel mehr mit unseren Themen“, sagt er. Auch das sei schon ein positives Signal.

Die Hauptkritik richtete sich an diesem Tag gegen Bundesumweltministerin Svenja Schulze und ihren Bericht zur Lage der Natur, den sie vor zwei Wochen vorgelegt hat. Die Landwirte sehen sich darin zu Unrecht an den Pranger gestellt und als alleinige Verursacher von Umweltschäden und Artensterben verantwortlich gemacht. Die Landwirte forderten sie und ihren Staatssekretär Jochen Flasbarth zum Rücktritt auf.

Begleitet von der Polizei sind die Traktoren weiter auf dem Weg zum Schlossplatz in Münster.

Begleitet von der Polizei sind die Traktoren weiter auf dem Weg zum Schlossplatz in Münster. © privat

Svenja Schulze äußerte sich am Donnerstag lediglich per Statement auf Facebook zu den Vorwürfen. Ihr sei an einem ehrlichen und konstruktiven Dialog gelegen. Auch habe sie nie gesagt, dass allein die Landwirte für die Probleme verantwortlich seien. Ein persönliches Statement gab es von ihr nicht. Deswegen richteten die Landwirte vor der SPD-Geschäftsstelle in Münster eine Mahnwache ein. Sie soll rund um die Uhr besetzt sein, bis es zu einem persönlichen Gespräch zwischen den Landwirten und der Bundesministerin kommt.

„Wir wollen den persönlichen Kontakt“, sagte der Vredener Landwirt Frank Kisfeld, einer der Organisatoren der Demonstration am Donnerstagnachmittag. Auch aus seiner Sicht habe die Veranstaltung reibungslos funktioniert.

Polizei lobt störungsfreie und sichere Versammlung

Allein aus dem Nordkreis Borken sollen sich 182 Traktoren an der Demonstration in Münster beteiligt haben. Die Polizei in Münster spricht von rund 340 Traktoren aus dem gesamten Kreis Borken und über 1600 landwirtschaftlichen Fahrzeugen in Münster.

Der Verkehr auf den Straßen nach Münster und den Zufahrtsstraßen in der Stadt kam während der Demonstration komplett zum Erliegen. Dennoch lobt die Polizei die Veranstalter: Trotz der großen Teilnehmerzahl seien sowohl die sternförmige Anreise der Traktoren aus dem Umland, als auch der Aufzug und die anschließende Kundgebung sicher und ohne Störungen verlaufen.

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