Leben für den Zirkus

Vier Vorstellungen

Vier Jahre war der 13-köpfige Tross in Holland auf Tournee. Jetzt hat der Circus Solero auf der Wiese nahe dem Krankenhaus das große Zirkuszelt aufgeschlagen, gesäumt von einem halben Dutzend Wohnwagen, und einem mobilen Stall für die vier Friesenhengste, die sechs amerikanischen Ponys – und für Kamborn, das erst drei Wochen alte Kamelfohlen sowie für seine Mutter. Am Donnerstag ist Premiere.

AHAUS

von von Stefan Grothues

, 27.04.2011, 18:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ponys sind im Zirkus auf Legdener Gemeindegebiet erlaubt.

Ponys sind im Zirkus auf Legdener Gemeindegebiet erlaubt.

 Die Zirkuschefin ist nicht da. Und der schnautzbärtige Siggi, der gerade die Ponys füttert, grantelt ein wenig: „Nee, nee, ich erzähle Ihnen doch nicht meine Lebensgeschichte.“ Alysia dagegen ist mitteilsamer. „Ich hab‘ schon ganz viele Interviews gegeben“, strahlt die Neunjährige. Sie ist die Tochter der Chefin vom „Circus Solero“, der am Donnerstag seine Premierenvorstellung in Ahaus gibt. Bis Sonntag, 1. Mai,  folgen noch vier weitere Shows im großen Zirkuszelt an der Wüllener Straße. Draußen auf der Wiese grasen und dösen neun weitere Kamele und vier Esel, bestaunt von den Passanten. Alysia aber hat für die Kamele nicht viel übrig: „Die können spucken. Das sind ja halbe Lamas“, meint sie. Ihr Lieblingstier im Zirkus ist eindeutig Pegasus, ein stattlicher Friesen-Rappen: „Der ist nicht nur schön, sondern auch lieb.“ In der Manege übernimmt Alysia anders als Pegasus nur kleine Nebenrollen. „Ich übe ja noch: Hula-Hoop und für die Westernshow.“Spannende Akrobatik Und was erwartet die Zuschauer neben den Tierdressuren? Trapeznummern, Drahtseilakte, Jonglage und natürlich ein Clown. Ein richtiger Höhepunkt aber sei es, wenn „die Chefin“ hoch oben in der Zirkuskuppel und ohne Netz Ringakrobatik vorführe, verspricht Gaby Graf. „Da muss ich selbst noch immer die Luft anhalten“, lacht die gelernte Fleischfachverkäuferin aus Ostbevern, die seit acht Wochen mit dem Zirkus durch die Lande zieht. Während ihr Mann beim Zeltaufbau und der Tierpflege hilft, betreut sie Alysia und deren zwei jüngeren Geschwister. Vom Zirkusleben ist sie begeistert: „Es ist wirklich romantisch und aufregend. Vor allem an den Premierentagen kribbelt es richtig“, sagt sie. Dass sie einmal ein Zirkusleben führen würde, davon hätte sie als Kind nicht einmal zu träumen gewagt. Alysia aber kennt es gar nicht anders: „Ich könnte niemals in einem Haus wohnen“, sagt sie ungefragt. Warum nicht? „Wegen der Treppen und vielen Zimmer. Im Wohnwagen ist man immer gleich mittendrin.“Alysia schaut nach vorn Und wie sieht es aus mit der Schule? Bislang kennt Alysia fast nur holländische Schulen. In wie viele sie gegangen ist, weiß sie nicht, genauso wenig, welche sie am kommenden Montag besuchen wird. Ist es nicht schwer, immerzu Klassenkameraden zurückzulassen? Alysia überlegt nicht lange: „Nein! Ich schaue ja immer nach vorne: auf die neuen Freunde, die ich finden werde.“ Dann ordert sie mit Nachdruck bei Siggi ein Halfter fürs Pony, damit ein Foto für die Zeitung gemacht werden kann – ganz wie die künftige Zirkuschefin.Vorstellungen › Donnerstag: 17 Uhr Premiere › Freitag: 17 Uhr › Samstag: 15 und 18 Uhr › Sonntag: 14 Uhr In den Pausen besteht Gelegenheit, auf Kamelen oder Eseln zu reiten.  

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