Lehrermangel ist an den Ahauser Grundschulen aktuell kein Thema

Grundschullehrer

Laut Schulministerium fehlen aktuell 1100 Grundschullehrer in ganz NRW. Im Bereich der Bezirksregierung Münster waren Mitte Dezember von 435 Stellen gerade einmal 257 besetzt.

Ahaus

von Malena Stöhler

, 07.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lehrermangel ist an den Ahauser Grundschulen aktuell kein Thema

Bachelor, Master, Referendariat: Bis Grundschullehrer endlich vor ihrer eigenen Klasse stehen, haben sie einen langen Weg hinter sich. © dpa

In Nordrhein-Westfalen ist etwa jede dritte Lehrerstelle an Grundschulen nicht besetzt. Von 3445 Stellen seien Ende 2018 noch rund 1100 offen. Das hatte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer vor Kurzem in einem Gespräch mit der Rheinischen Post erklärt. Das entspreche einer Besetzungsquote von knapp 68 Prozent der ausgeschriebenen Grundschullehrerstellen. In Ahaus sieht es besser aus. „Im Moment sind wir nicht so schlimm unterbesetzt, dass wir klagen können“, sagt Oda Voerste, Rektorin der Aabachschule. Und so geht es laut unserer Anfrage den meisten Grundschulen hier in Ahaus.

Zahlen der Bezirksregierung

Dennoch fehlen Grundschullehrer, wie aus einer Erhebung der Bezirksregierung Münster, Stand 15. Dezember 2018, zu den Einstellungszahlen ersichtlich wird. Von 435 zur Verfügung stehenden Lehrerstellen an Grundschulen sind lediglich 257 Stellen besetzt. Das entspricht einer Besetzungsquote von 59,08 Prozent. Ganz anders sieht es im Bereich der Bezirksregierung Münster bei den Einstellungen an Gymnasien aus. Von den 187 zur Verfügung stehenden Stellen sind alle 187 besetzt (100 Prozent Besetzungsquote).

Theoretisch müssten mehr Grundschullehrer ausgebildet werden. Praktisch gestaltet sich das allerdings schwierig. Der Großteil der Lehramt-Studierenden möchte an einer Gesamtschule oder einem Gymnasium unterrichten. Mit ein Grund ist die bessere Bezahlung. Kurz vor Weihnachten reichten zwei Grundschullehrer in NRW Verfassungsklage ein. Sie wollen künftig wie ihre Kollegen an Gymnasien bezahlt werden. Kern der Klage: Das Besoldungsgesetz des Landes verstoße gegen die Verfassung, weil Lehrkräfte beim Berufseinstieg unterschiedlich eingruppiert werden, obwohl sie den gleichen Hochschulabschluss haben. Die Lehrerausbildung war im Jahr 2009 reformiert worden. Seither gilt der Master-Abschluss für alle Schulformen gleichermaßen. Auch die Studiendauer ist einheitlich.

Anspruch auf Stelle

Das Schulministerium will gegensteuern, indem es Lehramtsanwärter an die Grundschulen lockt. „Wenn die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer an die Grundschule gehen, bekommen sie nach zwei Jahren einen Anspruch auf eine Stelle am Gymnasium“, erklärte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer.

An der Aabachschule in Ahaus werden die 180 Schüler von derzeit elf Lehrkräften und zwei Sonderpädagogen unterrichtet. Aber trotzdem hat Rektorin Oda Voerste keine komplette Planungssicherheit. „Es ist immer unterschiedlich. Letztes Schuljahr haben wir den Lehrermangel auch stark gespürt.“ Wenn einer der Lehrer erkranke, könne das noch mit Lehrplanänderungen aufgefangen werden. „Aber wenn eine Lehrkraft erkrankt und eine weitere auf Fortbildung oder auch krank ist, dann wird das schon schwierig. Eventuell muss dann Unterricht ausfallen.“

Eher eine Sorge für die Grundschulen in Ahaus ist, dass Lehrer an andere Schulen abgeordnet werden. „Vor einem Jahr war die Sorge da, dass eine Lehrkraft abgeordnet wird. Dann wäre es knapp geworden“, berichtet Tim Boneko, der stellvertretende Schulleiter der Pestalozzischule. Dort werden die gut 200 Schüler von zwölf Lehrern und drei Sonderpädagogen unterrichtet. Diese Sorge bestätigt auch der Kreis Borken. Dort wird von einem „monatlichen Personalkarussell“ zwischen den Grundschulen gesprochen.

„Besondere Situation“

„Wir sind aber gerade auch in einer besonderen Situation. Wir haben einen Jahrgang geschlossen und sind seit dem neuen Schuljahr 2018 nur noch zweizügig“, erklärt Tim Boneko. So geht es auch der neuerdings zweizügigen Andreasschule in Wüllen. Dort werden 203 Schüler von 15 Lehrkräften und zwei Sonderpädagogen unterrichtet. „Es gibt weniger Kinder, wegen der geburtenschwachen Jahrgänge“, hieß es aus Wüllen. Und: „Wir haben keinen wirklichen Lehrermangel an unserer Schule. Höchstens eine Lehrkraft für den Förderunterricht könnten wir gut gebrauchen.“

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