Leni Krumme will weiter vor der Volksbank streiken

Hungerstreik

Als sich Leni Krumme Anfang Juli vor die Filiale der Volksbank in der Innenstadt gesetzt hat, glaubte wohl niemand, dass sie lange dort sitzen würde. Doch nun hält sie seit bald einem Monat ihr Schild „Hungerstreik“ in die Luft. Ihr Wille scheint ungebrochen. Auf der anderen Seite rückt die Volksbank Gronau-Ahaus nicht von ihrem Standpunkt ab: Man könne der Dame nicht helfen. Inzwischen gibt es auch eine Anzeige gegen die Demonstrantin.

AHAUS

, 28.07.2015, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Leni Krumme (72) sitzt seit fast einem Monat regelmäßig vor der Innenstadt-Filiale der Volksbank Gronau-Ahaus. Sie fordert die Herausgabe von Dokumenten, die im Zusammenhang mit der Insolvenz der Stahlhallenbau Krumme GmbH stehen sollen. Die Volksbank gibt an, die Forderungen längst erfüllt zu haben.

Leni Krumme (72) sitzt seit fast einem Monat regelmäßig vor der Innenstadt-Filiale der Volksbank Gronau-Ahaus. Sie fordert die Herausgabe von Dokumenten, die im Zusammenhang mit der Insolvenz der Stahlhallenbau Krumme GmbH stehen sollen. Die Volksbank gibt an, die Forderungen längst erfüllt zu haben.

Unzählige Male hat die 72-Jährige ihre Geschichte den Passanten in der Innenstadt wohl schon erzählt: Im Zuge der Insolvenz der Stahlhallenbau Krumme GmbH seien sie und ihr Mann betrogen worden – gleich von mehreren Stellen und Akteuren. „Wir mussten unter Druck Papiere unterschreiben, von denen wir keine Kopien bekommen haben“, sagt Krumme. Daran sei eben auch die Volksbank Gronau-Ahaus beteiligt gewesen. Und von der fordert sie nun die Herausgabe eben dieser Papiere.

Forderung wirft Fragen auf

Eine Forderung, die bei der Volksbank Gronau-Ahaus immer noch Fragen aufwirft. Man habe ihr längst alle betroffenen Unterlagen ausgehändigt, so das Geldinstitut. „Der ganze Fall liegt inzwischen neun Jahre zurück“, sagt Andreas Banger, Vorstand der Volksbank Gronau-Ahaus. „Wir haben Frau Krumme schon vor Jahren alle Verträge und Dokumente zur Verfügung gestellt“, erklärte er gegenüber unserer Redaktion.

Davon wiederum lässt sich Leni Krumme nicht beeindrucken. Ob es regnet, stürmt oder die Juli-Sonne vom Himmel brennt und die Ahauser Innenstadt auf fast 40 Grad aufheizt: Leni Krumme sitzt vor der Volksbank-Filiale. Allerdings nur an drei Tagen in der Woche. Montags, mittwochs und freitags. An den anderen Tagen müsse sie sich um ihren kranken Mann kümmern. Den hätten die Insolvenz und unter anderem auch das Verhalten der Volksbank noch viel härter getroffen als sie selbst. „Er ist daran krank geworden“, sagt sie.

Krumme: "Halte Streik durch!"

Sie selbst erfreue sich hingegen noch guter Gesundheit und sei sich sicher, den Streik weiter durchhalten zu können. Sie habe sich daran gewöhnt. Nur die ersten Tage sei es für sie schwerer gewesen. Nur Brot, Wasser und ab und zu eine Möhre nehme sie zu sich. „Ich halte mich an die Ernährungsrichtlinien von Hildegard von Bingen“, sagt sie. Daran habe sie sich aber auch schon zuhause vor ihrem Streik langsam gewöhnt. „Ich habe mich im Geheimen über ein Jahr auf meinen Streik vorbereitet“, sagt sie. Auch ärztlich habe sie sich durchchecken lassen.

So unbeugsam Krumme sich auf ihrem Streikposten gibt, so wenig ändert sich der Standpunkt der Volksbank. „Wenn uns eine klare Forderung, etwa über einen Anwalt, gestellt würde, könnten wir darüber reden“, so Banger. Aktuell würde aber schon der passende Ansprechpartner fehlen. Alles Weitere könne im Zweifel vor Gericht, aber wohl kaum durch einen Hungerstreik geregelt werden.

Anzeige liegt vor

Für einen Anwalt fehle ihr aber das Geld, sagt Krumme. Deswegen versuche sie es über diesen Weg. Ihr Streik hat ihr inzwischen eine Anzeige eingebracht. Wegen versuchter Nötigung. Auch die hält sie jedem, der sich dafür interessiert, vor die Nase. Sie sei deswegen auch schon bei der Polizei gewesen. „Die konnten aber nichts machen. Ich darf hier weiter sitzen“, sagt sie. Die Anzeige sei von der Volksbank gekommen, sagt Krumme. Das wird dort aber dementiert: „Von einer Anzeige ist uns nichts bekannt“, sagt Volksbank-Vorstand Andreas Banger. Sollte es tatsächlich eine Anzeige von Seiten der Volksbank gegeben haben, so hätte er das im Vorstand mitbekommen. Auch wenn der Protest vor der Filiale sicherlich nicht angenehm sei, machen könne man dagegen im Moment nur wenig. „Wir haben uns damit abgefunden“, sagt Banger.

„Sobald ich die Unterlagen bekomme, bin ich hier weg“, sagt Krumme. So lange will sie sitzen bleiben.

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