Lukas Eversmeier legt viel Wert auf das Anrichten der Speisen. © Victoria Garwer
Privatkoch

Lukas Eversmeier bringt professionelle Kochkunst in private Küchen

Im Restaurant darf er im Moment nicht kochen, also kommt er direkt zu den Gästen nach Hause. Der Wessumer Lukas Eversmeier ist als Privatkoch unterwegs. Wir haben den Service getestet.

Lukas Eversmeier schwenkt die Pfanne, begießt das Stück Fleisch mit flüssiger Butter und richtet wenig später die Hauptspeise mit einer Pinzette auf den edlen Tellern an. Auch wenn es unsere Pfanne und unser Herd ist: In dieser Küche wurde mit Sicherheit noch nie so gut gekocht.

Der Wessumer ist gelernter Koch und arbeitet eigentlich als Küchenchef im Weseler Waldhotel Tannenhäuschen. Doch das Restaurant ist zurzeit wegen des Lockdowns geschlossen und so hat sich der 27-Jährige etwas Besonderes ausgedacht. Er kommt als Privatkoch in Wohnungen, kocht vor Ort und serviert die Speisen am heimischen Esszimmer-Tisch. Redakteurin Victoria Garwer und ihr Mann haben den Service getestet.

Kontaktaufnahme und Vorbereitungen

Ich nehme per Whatsapp Kontakt zu Lukas Eversmeier auf, wir sprechen einen Termin ab. In einem kurzen Telefonat teile ich ihm mit, worauf er bei uns achten muss: Fruktose-Allergie, bitte kein Fisch und keine Tomaten. Schon wenige Stunden später bekomme ich einen ersten Menü-Vorschlag. Gemeinsam ändern wir noch ein paar Kleinigkeiten, dann steht unser Vier-Gänge-Menü. Wer möchte, kann sich übrigens auch überraschen lassen.

Ein bisschen nervös bin ich vor dem Abend schon. Schließlich hat man nicht alle Tage einen Profi-Koch in seiner Küche stehen. Den Backofen sollte ich vielleicht mal wieder sauber machen. Habe ich überhaupt das richtige Equipment, kann er damit was anfangen? Reicht der Platz aus?

Informationen zur Buchung

  • Buchungen nimmt Lukas Eversmeier per Mail entgegen: info@le-leckeressen.de
  • Wegen der aktuellen Kontaktbeschränkungen darf er nur für einen Haushalt kochen.
  • Der Wessumer hat ein Kleingewerbe und verkauft seine eigenen Gewürzmischungen in einem Online-Shop: www.le-leckeressen.de

Lukas Eversmeier kann über solche Überlegungen nur lachen. „Das höre ich immer wieder. Aber keine Sorge: Ich komme in jeder Küche zurecht und das allermeiste bringe ich ja mit“, sagt er. Tatsächlich trägt er drei Kisten in unsere Wohnung: Lebensmittel natürlich, aber auch Tischdeko, Teller, Besteck und sogar Lappen und Spülmittel. „Ich mag es einfach nicht, wenn ich ständig nach etwas fragen muss. Es soll ja ein besonderer Abend werden, da gehören schöne Teller und ein anderes Besteck einfach dazu“, sagt der 27-Jährige.

Brot wird frisch im eigenen Ofen aufgebacken

Nach einer lockeren Plauderei breitet er sich also in unserer Küche aus. Er schiebt ein Brot in den Ofen und deckt den Tisch im Nebenzimmer. Wie im Restaurant, mit Kerzen, Blumen, Tischsets, Stoffservietten und mehreren Gabeln und Messern. Obwohl es nicht auf dem Menü-Plan steht, serviert er uns kurze Zeit später frisch aufgebackenes Brot mit drei verschiedenen Dips.

Fotostrecke

Privatkoch Lukas Eversmeier

Fazit meines Mannes: „So gutes Brot habe ich glaube ich noch nie gegessen.“ Tatsächlich ist die Kruste wahnsinnig knusprig, das Innere schön weich und locker. Die verschiedenen Dips passen super dazu. Besonders eine rauchige Creme hat es mir angetan. Auf Nachfrage verrät mir Lukas Eversmeier, wie er sie macht. „Da ist meine eigene Gewürzmischung drin, Smoky BBQ.“ Diese verkauft er in einem Online-Shop und bei verschiedenen Händlern in der Region.

Die Vorspeise: Kalbstatar mit Schnittlauchöl

Nachdem auch die nachbestellte zweite Portion Brot aufgegessen ist, begeben wir uns wieder in die Küche. Wir wollen ja zusehen, wie Lukas Eversmeier die Vorspeise auf unsere Teller zaubert. Die einzelnen Komponenten hat er schon zu Hause vorbereitet, jetzt muss er sie noch anrichten.

Das Kalbstatar ist nicht nur geschmacklich, sondern dank der bunten Kräuter und Blüten auch optisch ein Highlight.
Das Kalbstatar ist nicht nur geschmacklich, sondern dank der bunten Kräuter und Blüten auch optisch ein Highlight. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Konzentriert beugt er sich über die Teller und drapiert mit einer kleinen Pinzette Blüten und Kräuter auf dem Fleisch. „Das hier ist ein Shiso-Blatt, das wird in der japanischen Küche oft gebraucht“, sagt der Profi-Koch, während er uns die Zutaten genauer zeigt.

Wenig später genießen wir ein asiatisch abgeschmecktes Kalbstatar mit Siracha-Mayonnaise, eingelegten Schalotten und einer Schalotten-Consommé mit Schnittlauchöl. Lecker! Das Highlight sind aber schon rein optisch die bunten Kräuter und Blüten: Radieschen, Kornblumenblüten, japanischer Ingwer und Friséesalat. Das sieht edel und außergewöhnlich aus und schmeckt auch noch richtig gut.

Der Zwischengang: Selbstgemachte Pasta in Trüffelsoße

Wir schauen Lukas Eversmeier zu, wie er den zweiten Gang zubereitet. Die Soße hat er schon fertig mitgebracht und gibt sie nun in eine von unseren Pfannen. „Darin ziehe ich die Nudeln warm. Die mache ich selber. Wenn ich Nudeln mache, dann immer in riesigen Mengen, die ich einfriere“, erzählt er.

Die selbstgemachten Nudeln serviert Lukas Eversmeier mit Trüffel, Rucola und Parmesan.
Die selbstgemachten Nudeln serviert Lukas Eversmeier mit Trüffel, Rucola und Parmesan. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Nach einigen weiteren Tipps zum Thema Soßen und Nudeln serviert er uns im Esszimmer den zweiten Gang. Es gibt Trüffelpasta mit Rucola und Parmesan. Die Nudeln sind auf den Punkt, die Kombination an sich ist zwar nicht so außergewöhnlich, aber stimmig. Der Trüffel macht das Gericht zu etwas Besonderem.

Wenn man an diesem Menü etwas kritisieren möchte, dann an dieser Stelle: Für meinen Geschmack hätte es etwas mehr Soße sein können.

Der Hauptgang: Roastbeef, Grillgemüse und Polenta

Zurück in die Küche. Lukas Eversmeier hat das Roastbeef angebraten, während wir gegessen haben. „Das packe ich jetzt bei 50 Grad in den Ofen. Da bleibt es warm, aber gart nicht weiter. Ihr könntet auch erst in zwei Stunden essen, das Fleisch wäre immer noch perfekt“, sagt er. Diesen Trick merke ich mir auf jeden Fall, denn ich bekomme es nie hin, dass alles gleichzeitig fertig ist.

Das Grillgemüse bereitet er ganz ohne Grill zu. Das richtige Aroma komme durch das Gewürz und den Lauch zum Beispiel brät er in der trockenen Pfanne an, ganz ohne Fett. „Gemüse auf den Punkt zu garen ist viel schwieriger als ein Stück Fleisch perfekt zu garen“, meint er.

Das Roastbeef ist perfekt rosa. Dazu gibt es Pfeffer-Polenta und Grillgemüse.
Das Roastbeef ist perfekt rosa. Dazu gibt es Pfeffer-Polenta und Grillgemüse. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Ihm zumindest ist beides gelungen. Das Roastbeef ist herrlich rosa und butterweich. Das liegt wohl auch an der Fleischqualität. „Das Rind kommt vom Hof Keil aus Reken“, erklärt Lukas Eversmeier uns am Tisch. Dazu gibt es Pfeffer-Polenta, knackiges Grillgemüse aus Lauch, Paprika, Zwiebel, Zucchini und Pilzen und geräucherte Aioli.

Wieder bin ich von der Soße begeistert. Es sind nur wenige Tropfen der Aioli auf dem Teller, aber sie ist so gut, dass sie mir nachhaltig im Kopf bleiben wird.

Der Nachtisch: Schokoladentarte und Karamell-Variationen

Mein absolutes Highlight aber ist der Nachtisch. Denn hier wird der große Vorteil so eines Profi-Kochs deutlich. Auf dem Teller landen sage und schreibe acht verschiedene Komponenten. Das würde man zu Hause so wohl nie selber machen und bekommt man auch in kaum einem Restaurant. „Dafür bleibt in der Gastronomie einfach selten die Zeit“, gibt Lukas Eversmeier zu. An so einem Abend als Privatkoch aber kann auch er sich mal so richtig austoben.

Beim Nachtisch landen sage und schreibe acht verschiedene Komponenten auf dem Teller.
Beim Nachtisch landen sage und schreibe acht verschiedene Komponenten auf dem Teller. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Die Schokoladentarte wird hier schon fast zum Nebendarsteller. Die anderen Komponenten stehlen ihr die Show: weißes Schokoladeneis mit Rum und Zimt – selbstgemacht natürlich –, Karamellsahne, weiße Schoko-Mousse, Erdnuss-Karamell-Crunch, zwei verschiedene Karamellcremes und Blaubeeren. Das alles ist so sehr nach meinem Geschmack, dass ich mir direkt erklären lasse, wie man die einzelnen Komponenten herstellt. Das eine oder andere werde ich definitiv mal ausprobieren!

Fazit und Preise

Nach vier Stunden in unserer Küche packt Lukas Eversmeier seine Sachen zusammen. Nichts deutet mehr darauf hin, dass er überhaupt hier war. Er hat alles wieder mitgenommen, auch den Müll. Die Pfanne ist gespült, die Arbeitsflächen abgeputzt. Wir haben super gegessen und können den restlichen Abend ganz entspannt auf dem Sofa genießen.

Das Konzept überzeugt uns voll uns ganz und auch den Preis finden wir mehr als angemessen. Ein Vier-Gänge-Menü für zwei Personen kostet ab 180 Euro. Dafür bekommt man nicht nur das Essen, sondern auch einen Einblick in die Arbeit eines Profi-Kochs und die Möglichkeit, jede Menge Fragen zu stellen.

Über die Autorin
Redakteurin
Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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