Mann aus Enschede führte „aus Versehen“ 230 Marihuana-Pflanzen nach Deutschland ein

mlzDrogenprozess

Auf eine Tasse Kaffee zu Freunden ins Nachbarland? An der deutsch-holländischen Grenze ist das kein Problem. Es sei denn, man hat aus Versehen 230 Marihuana-Stecklinge dabei.

Ahaus

, 20.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manchmal ist ein Klischee ja nicht genug. Der 45-jährige Niederländer, der am Montag auf der Anklagebank des Amtsgerichtes Ahaus saß, handelte nicht nur mit gebrauchten Hollandrädern, sondern auch mit Marihuana.

Am 18. September 2019 stoppte die deutsche Polizei den alleinerziehenden Vater am Grenzübergang Sandersküper in Alstätte. „Ich wollte eigentlich nur auf einen Kaffee zu einem Freund nach Gronau“, sagte der Mann vor Gericht. Dabei habe er die 230 Marihuana-Stecklinge, die er auf der Ladefläche seines Lieferwagens mit sich führte, ganz vergessen. „Ich habe überhaupt nicht darüber nachgedacht, dass das ja in Deutschland eine Straftat ist.“

Staatsanwaltschaft reagierte zunächst mit Härte

Die deutsche Staatsanwaltschaft reagierte mit der ganze Härte des Gesetzes und wollte den Niederländer wegen der Einfuhr von illegalen Drogen in nicht geringer Menge anklagen. Dabei hatte die Staatsanwaltschaft den Gehalt der psychoaktiven Substanz THC hochgerechnet und nicht bloß den THC-Gehalt der kleinen Stecklinge, sondern den der später ausgewachsenen Cannabis-Pflanzen als maßgebend angenommen.

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„Das wäre ein Verbrechen gewesen, für das Sie mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr hätten rechnen müssen“, erklärte der Richter. Doch bei der Hochrechnung des THC-Gehalts spielte das Gericht von Anfang an nicht mit, sodass sich die Anklage auf die Einfuhr einer lediglich geringen Menge beschränkte.

50 Cent Gewinn pro Marihuana-Steckling

Vor Gericht erzählte der Angeklagte freimütig, dass er die Marihuana-Pflanzen von Bekannten erworben habe und an andere Bekannte in Enschede weitergeben wollte. Als Freundschaftsdienst sozusagen. „Mit 50 Cent Gewinn pro Pflanze, das wären insgesamt nur 160 Euro gewesen“, erklärte der 45-Jährige. Sein Geld habe er ja als Fahrradhändler verdient. „Ich habe in den Niederlanden alte Fahrräder aufgekauft und auf deutschen Märkten verkauft. Das ging gut. Was bei uns nur noch Altmetall war, ließ sich in Deutschland als Retro-Fahrräder gut verkaufen.“

Am Tattag habe er Fahrräder in Glanerbrug abholen wollen und sich spontan für den kleinen Umweg über Deutschland entschieden – und war dabei gleich doppelt straffällig geworden. Zum einen wegen der Cannabispflanzen. Zum anderen durfte er in Deutschland gar nicht Auto fahren, weil er im Jahr 2012 nahe Würzburg in eine Polizeikontrolle geraten war. Die Beamten stellten damals Marihuana bei ihm sicher. „Wir waren auf den Weg in den Italienurlaub“, erklärte der Niederländer. Die Drogen seien nur für den Eigenbedarf bestimmt gewesen.

Angeklagter durfte in Deutschland gar nicht Auto fahren

Dass sein Führerschein in Deutschland seither nicht mehr gültig ist, das habe er gar nicht gewusst, erklärte der Mann. „Das habe ich erst bei der Kontrolle am Grenzübergang Sandersküper erfahren“, sagte der Mann. Der Richter wollte nicht ausschließen, dass der Mann die Wahrheit sagte: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Zustellung behördlicher Schreiben aus Deutschland in den Niederlanden häufig mit Schwierigkeiten verbunden ist.“

Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft stellte der Richter das Verfahren gegen die Zahlung einer Geldauflage von 750 Euro ein. Der Angeklagte erbat sich Ratenzahlungen, weil er sein Geschäft als Fahrradhändler aufgeben musste. „Ich darf ja in Deutschland nicht mehr Auto fahren. Und das Geschäft rentiert sich nicht, wenn ich einen Fahrer bezahlen muss.“

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