Markthändler Udo Küsters kann und will seinen Betrieb nicht komplett auf Bio umstellen. Es gebe gute Alternativen, sagt er. Am Ende entscheide sowieso der Verbraucher darüber, was angeboten wird. Und der sei im Moment schlicht nicht bereit, die Preise für Bio zu bezahlen. © Stephan Rape
Wochenmarkt Ahaus

Markthändler setzen nicht auf Bioprodukte – für sie aus gutem Grund

Bio oder nicht Bio? Auf dem Wochenmarkt ist das Angebot zertifizierter Bioprodukte eher überschaubar. Die Händler setzen andere Schwerpunkte – und wehren sich gegen Kritik.

Gibt es zu wenig Bioangebote auf dem Ahauser Wochenmarkt? Nachdem das Thema Anfang September in der Ahauser Politik besprochen wurde, lief die Diskussion auch nachher weiter. Unter anderem in Leserbriefen. Die Händler wollen das so nicht stehen lassen. Keiner von ihnen ist biozertifiziert. Doch darauf komme es auch gar nicht an.

Udo Küsters kommt mit seinem Obst- und Gemüsestand seit Jahren aus Vreden auf den Ahauser Wochenmarkt. „Wir arbeiten fast nur mit regionalen Bauern“, sagt er. Viel mehr Bio gehe nicht. Auch wenn es dafür kein Zertifikat gebe. Seinen Betrieb könne er nicht einfach auf die Biozertifizierung umstellen. Das rechne sich schlicht nicht.

Regional sind lange nicht alle Lebensmittel verfügbar

Aber auch losgelöst von den offiziellen Zertifikaten: „Wir haben fast 90 Prozent regionale Produkte“, sagt Udo Küsters. Dabei müsse man „regional“ aber eben auch weiter fassen als einen 50-Kilometer-Umkreis rund um Ahaus. „Hier wächst ja fast nur noch Mais und Getreide. Obst und Gemüse können die Landwirte hier ja gar nicht in den Mengen liefern, wie der Markt sie braucht“, sagt er.

Und da kommt für ihn der eigentliche Faktor ins Spiel: der Verbraucher. „Die Menschen wollen auch im Hochsommer Bio-Orangen“, sagt er. Die seien zwar zertifiziert, kämen dann aber aus Südafrika. Weil sie auf dem Transport per Schiff verderben würden, also per Luftfracht. „Und das ist dann Bio? Muss denn alles zu jeder Zeit verfügbar sein?“ Die Frage lässt er unbeantwortet im Raum stehen.

Doch genau so würde die Nachfrage nach Bioprodukten funktionieren: „Wenn Bio draufsteht, gehen die Kunden automatisch davon aus, dass auch Bio drin ist – egal, um welches Obst oder Gemüse, um welche Jahreszeit oder welchen Transportweg es sich auch immer handelt“, sagt er. Das ärgere ihn extrem.

Mais- statt Biohähnchen sind bei Familie Schlüter der Renner

Gegenüber am Geflügelstand von Familie Schlüter aus Stadtlohn ist die Meinung ähnlich. Nein, Bio haben sie auch nicht im Angebot. Aber andere Alternativen. Beispielsweise Maishähnchen. Die erhielten zwar kein Biofutter und dürfen deswegen auch kein Biosiegel tragen, würden aber dennoch unter sehr strengen Auflagen gehalten. „Wir können uns die Ställe ansehen, es werden in der Aufzucht weder Antibiotika noch Mastbeschleuniger verwendet“, erklärt Ulrike Schlüter.

Aber natürlich habe auch das nichts mit idyllischer Landwirtschaft aus dem Ferienkatalog zu tun. Natürlich würden auch diese Hähnchen in großen Ställen gehalten. „Das wird so lange so bleiben, wie wir alle so viel Fleisch essen“, macht sie deutlich.

Preisfrage spielt für Verbraucher eine große Rolle

Das sei auch eine Preisfrage: Das Maishähnchen beispielsweise gehe für 6,99 Euro pro Kilo über die Theke. Für ein Biohähnchen müsse er über 20 Euro das Kilo nehmen. „Spätestens da ist dann Schluss mit dem Interesse“, erklärt Martin Schlüter. Bio höre sich eben immer schön an, nur sei eben kaum jemand bereit, das auch zu bezahlen.

Das sieht Birgit van de Maat, Obst- und Gemüsehändlerin aus Ahaus, ganz ähnlich. Bio habe sie vor zehn Jahren einmal vermehrt im Angebot gehabt. „Das hat am Anfang ganz gut funktioniert“, erklärt sie. Doch die Preise seien eben ganz andere als bei den regionalen Produkten ohne Bio-Siegel. Und da hätten die Kunden dann einen Bogen um die Kisten mit Bio-Obst und -Gemüse gemacht.

Kunden sollen Bewusstsein für Lebensmittel wieder gewinnen

Ihr geht es darum, bei den Kunden Bewusstsein für die Lebensmittel zu erzeugen. „Was da in den Supermärkten passiert, ist doch reine Reizüberflutung“, erklärt sie. Sie verkaufe nur Produkte, hinter denen sie auch stehe. Wo es gehe, setze sie auf regionale Erzeugung. Und dazu gehöre eben auch, dass sie manchmal diesen oder jenen Kundenwunsch abschlagen müsse. „Das habe ich dann einfach auch mal nicht“, erklärt sie.

Kunden, die auf den Markt kommen, wollen in ihren Augen ganz klar Qualität und seien auch bereit, dafür im Zweifel etwas mehr zu bezahlen. Bio sei aber nochmal etwas ganz anderes. „Für Idealisten, die auch ganz anders kochen. Die dürften dann aber auch keinen Brühwürfel benutzen“, fügt sie hinzu.

Käse kommt auch ohne Biozertifikat von kleinen Betrieben

Britta Althues vom Käsestand nebenan mag nicht abschätzen, wieviel Nachfrage es tatsächlich nach reinen Bioprodukten gebe. Eine Zertifizierung sieht sie für ihren Betrieb allerdings auch nicht. „Wir setzen auf qualitativ verdammt hochwertige Ware“, sagt sie sehr deutlich. Kunden könnten auf dem Markt regional und sogar unverpackt einkaufen.

Die üblichen Handelsmarken aus dem Supermarkt hat sie nicht im Angebot: Da seien teilweise ganz üble Käse darunter. So etwas möchte sie nicht verkaufen. Auch ohne Bio-Zertifikat achte sie aber sehr genau auf die Herkunft ihrer Produkte. „Wir kaufen oft direkt vom Produzenten, von kleinen Bauern oder bäuerlichen Genossenschaften. Die kennen ihre einzelnen Kühe noch beim Namen“, sagt Britta Althues.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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