Mathias Fleischer liebt seine Mofa und sucht in Ahaus Gleichgesinnte

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Zwei Räder, ein Lenker und ein Motörchen im Zweitakt-Klang. Mehr braucht Mathias Fleischer nicht zum Glücklichsein. Der Wüllener Mofabegeisterte lädt am Samstag zum ersten Treffen in Ahaus ein.

Ahaus

, 11.09.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Velosolex Baujahr 1979 schnauft ganz schön, als Mathias Fleischer mit ihr in der Friedmate eine kleine Runde dreht. Das schwarze Mofa ächzt unter dem großen Wüllener ein wenig, als er schließlich anhält. „Läuft tadellos“, freut sich der 54-Jährige. Wie schnell er gerade gefahren ist? Naja, vielleicht 18 oder 19. Der Motor war ja noch nicht richtig warm.

Erstes Mofatreffen in Ahaus

Wann: Samstag, 12. September, 14 Uhr Wo: Kirmesplatz Ahaus, Parkplätze am Restaurant Drebber Wer: Alle Mofabegeisterten und Interessierten, Maschinen mit höchstens 49,9 Kubikzentimetern Hubraum. Was: Treffen, Zweitakt-Gespräche und vielleicht eine kleine Ausfahrt. Außerdem Gründung der Interessengemeinschaft Münsterland Mofa
Wichtig: Einhaltung von Mindestabständen und Mund-Nase-Masken tragen gegen die Ausbreitung des Coronavirus.

Leistung, Höchstgeschwindigkeit oder Verbrauch sind aber eigentlich auch Größenordnungen, auf die es einem echten Mofaenthusiasten nicht ankommt. „Dieses Virus trägt man ein Leben lang in sich“, sagt Mathias Fleischer und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Mofas sind seine echte Leidenschaft.

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Seit 15 Jahren sammelt, repariert und fährt er wieder mit den Zweitaktern. „Zu Jugendzeiten hatte ich natürlich eine Mofa“, sagt er. Moment mal. Heißt es eigentlich der, die oder das Mofa? „Gute Frage“, sagt Mathias Fleischer und denkt einen Moment nach. „Es heißt die Ciao, die Motobecane, die Zündapp, die KTM... Da wird es dann auch die Mofa heißen“, erklärt er schließlich. Einsprüche lässt er nicht zu. Wäre das also geklärt.

Die gelbe Ciao im Vordergrund gehört Mathias Fleischers Ehefrau Andrea. Auch sie ist Feuer und Flamme für Mofas und nimmt das Hobby ihres Mannes gerne hin.

Die gelbe Ciao im Vordergrund gehört Mathias Fleischers Ehefrau Andrea. Auch sie ist Feuer und Flamme für Mofas und nimmt das Hobby ihres Mannes gerne hin. © Stephan Rape

Zu Jugendzeiten also war Mathias Fleischer mit der Mofa unterwegs. „Nach Ahaus zur Ausbildung“, sagt er. Da sei er froh gewesen, halbwegs bequem hin und her zu fahren. Frisieren, also das Mofa schneller machen, sei für ihn nie ein Thema gewesen. „Mein Vater hat mir da ins Gewissen geredet“, sagt er. „Der hat immer gesagt, denk an den kleinen Motor“, erinnert sich Mathias Fleischer.

35 km/h waren genug – frisiert hat er nie

Und 35 Stundenkilometer seien auch schnell genug gewesen. Im Freundes- und Bekanntenkreis hätten sich andere Mofafahrer natürlich gegenseitig übertroffen und auch noch das letzte aus den kleinen Zweitaktern herausgeholt. Ärger mit der Polizei und einige Motorplatzer inklusive.

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Von den kleinen Zweitakt-Motörchen auf ein „richtiges“ Motorrad zu wechseln, sei ihm als Jugendlicher aber nie in den Sinn gekommen. „Mein Vater hatte eine riesige Schleppersammlung“, sagt er. Die großen Nutzfahrzeuge seien dann spannender gewesen als Motorräder.

Jahrelang war er auch Vorsitzender beim Alt-Traktoren-Club-Ahaus. Dem hat er aber nach internen Querelen vor einigen Jahren den Rücken gekehrt. Die Liebe zu alten Maschinen blieb. In seiner Auffahrt in Wüllen stehen zum Beispiel auch eine liebevoll gepflegte Ente und ein Trabbi. „Die sind beide im Neuzustand“, schwärmt der gelernte Lackierer. Doch die große Leidenschaft sind und bleiben die Mofas.

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Mathias Fleischer lädt alle Mofafahrer zum Treffen ein

16 Stück stehen im Moment bei ihm in der Garage. „Zwölf bleiben auf jeden Fall hier, vier möchte ich demnächst verkaufen“, sagt er. Sie hegt und pflegt er in langen Stunden in der eigenen Garage. Zerlegt sie bis ins letzte Kleinteil, reinigt, repariert und setzt alles wieder zusammen. „Das Wichtigste ist das genaue Zusammenspiel zwischen Luftfilter, Vergaser und Auspuff“, sagt er. Stimmt einer der Faktoren nicht, bringe der Motor keine Leistung. Deswegen dauert gerade die Einstellung der Maschinen oft.

Mofas sind die zweite große Liebe

Er möchte sich aber auch gar nicht entscheiden, ob das Putzen, Schrauben oder Fahren das Schönste an den Mofas ist. „Es ist alles wunderschön“, sagt er und sieht fast ein bisschen verliebt aus. „Keine Frage, die Mofas sind meine zweite große Liebe“, seufzt er. Die Erste habe er geheiratet. Aber auch Ehefrau Andrea ist voll auf dem Mofavirus hängen geblieben. Eine quietschgelbe Ciao mit Sonnenblumen am Korb ist ihre.

Dass es dabei nicht immer unbedingt bequem ist, steht auf einem anderen Zettel. „Bei manchen Modellen ist man schon froh, wenn man es von Ahaus bis nach Heek geschafft hat“, gibt er zu. Manchmal ist die Lust auch etwas früher schon vergangen. Gerade die Modelle mit starrer Gabel geben eben auch jede noch so kleine Unebenheit direkt an den Fahrer weiter.

Hier passiert die Magie: Auf der Bühne in seiner Garage hat Mathias Fleischer alle Mofas auseinander genommen und von Grund auf neu aufgebaut.

Hier passiert die Magie: Auf der Bühne in seiner Garage hat Mathias Fleischer alle Mofas auseinander genommen und von Grund auf neu aufgebaut. © Stephan Rape

Für Mathias Fleischer gehört das aber dazu: „Man muss eins werden mit der Maschine“, sagt er lächelnd. Das „Maschine“ betont er dabei besonders. „Und ja, es hilft, ein bisschen bekloppt zu sein“, fügt er dann noch schnell hinzu. Doch ein bisschen Ernst steckt auch dahinter: „Man muss seine Mofa kennen und wissen was man tut“, erklärt er.

Beispiel Anstiege und Abfahrten: „Wenn man nach einem steilen Anstieg den heißen Motor einfach nur rollen lässt, reißt der Schmierfilm.“ Kolbenfresser und Motorschaden sind dann unausweichlich. „Deswegen auch bei einer Abfahrt immer ein bisschen Gas geben, dann hat man ein Leben lang Spaß mit der Mofa und muss nie etwas reparieren“, sagt er.

Mofafreunde treffen sich am Samstag in Ahaus

Seine Leidenschaft möchte Mathias Fleischer mit anderen teilen. Gerade ist er dabei, die Interessengemeinschaft Münsterland Mofa zu gründen. Auf Facebook hat er schon erste Fans versammelt. Am Samstag, 12. September, lädt er zu einem ersten Treffen ein. Um 14 Uhr sollen sich alle Interessierten am Kirmesplatz in Ahaus treffen.

Einzige Bedingung: Ein Motor mit weniger als 50 Kubikzentimeter Hubraum. „Alles darüber wäre ja schon ein Moped und hat mit Mofas nichts zu tun“, sagt Mathias Fleischer lachend. Geplant sind einfach nur Gespräche und vielleicht eine kleine Ausfahrt.

Wieviele Leute kommen? Mathias Fleischer mag es nicht abschätzen. Klar sei, dass sich alle an die Coronaschutzverordnung halten müssen und Abstände waren oder Masken tragen müssen. „Trotzdem, das Datum dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Schließlich wäre da normalerweise ja die Ahauser Kirmes“, sagt er.

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