Coronavirus

„Max“ Morlock hat Corona-Infektion als Ungeimpfter nur knapp überlebt

Günter „Max“ Morlock hat seine Corona-Infektion als Ungeimpfter nur knapp überlebt. Heute weiß er, dass er großes Glück gehabt hat. Die Impfung will er nun nachholen.
Seine schwere Corona-Infektion hat Günter „Max“ Morlock geprägt und seine Einstellung radikal verändert: Sein klarer Apell: "Lasst euch impfen!" © Klinikum Westmünsterland

Fast wäre er an Corona gestorben. Ungeimpft wurde der Gronauer Günter „Max“ Morlock ins Ahauser Krankenhaus eingeliefert, musste auf der Intensivstation behandelt werden. Nun will er sich impfen lassen. Und natürlich auch die vielen Nachrichten auf seinem Handy beantworten, unter anderem von Duz-Freund Udo Lindenberg.

In einer Pressemitteilung berichtet das Klinikum Westmünsterland als Träger des Ahauser Krankenhauses von der dramatischen Corona-Infektion des ungeimpften Patienten, dessen Einstellung sich nach dem Erwachen aus dem Koma im St.-Marien-Krankenhaus Ahaus um 180 Grad gedreht hat. Denn wenn Günter „Max“ Morlock an die Zeit vor einem Monat zurückdenkt, sieht er nicht mehr den Mann von heute.

Seine Devise in Sachen Corona und Schutzimpfung damals: „Max braucht das nicht, Max hat ein gesundes Immunsystem.“ Heute weiß er, was für ein fataler Irrtum das war, denn er hat nur knapp überlebt, dank der Hilfe von Ärzten und Pflege. Zehn Tage lag er im Koma, überlebte eine Lungenentzündung sowie eine Lungenembolie. „Die haben mir hier das Leben gerettet“, resümiert Max Morlock.

„In meinem Körper ist etwas, das da nicht hingehört.“

Laut Pressemitteilung war es an einem Sonntagmorgen Ende November, als der Gronauer merkte, „in meinem Körper ist etwas, das da nicht hingehört“. Montags seien er und seine Frau dann zum Schnelltest gefahren, der positiv ausfiel.
Ein noch am selben Abend beim Hausarzt durchgeführter PCR-Test bestätigte die Diagnose. Erkältungssymptome habe er keine gehabt, aber hohes Fieber. Und er habe sich schlecht gefühlt, von Tag zu Tag wurde es schlimmer.

Doch als seine Frau den Notarztwagen rufen wollte, habe er sich noch gewehrt, ganz der scheinbar starke Mann mit dem stabilen Immunsystem. Am Mittwoch oder Donnerstag dann habe er sich schließlich darauf eingelassen: „Es ging nicht mehr.“

Manches aus den Tagen seither ist wie ein Film im Dauernebel. Die Zeit im Koma erlebt Max Morlock im Nachhinein wie eine Fahrt auf einer Galeere, auf der ihn das Team der Intensivabteilung im St. Marien Krankenhaus Ahaus durch die Krise manövriert habe. Nach einem Tag Beobachtung wurde er ins künstliche Koma versetzt, inklusive Beatmung. Gegen die Lungenmaschine habe er sich anfangs noch gewehrt. „Ich habe ganz ehrlich Angst gehabt“, erinnert er sich.

Dem Fährmann nicht nachgeben

Die Tage, in denen sein Leben am seidenen Faden hing, haben sich ihm auf ewig eingebrannt. Im Überlebenskampf meint er immer wieder gehört zu haben, wie die Ärzte, Ärztinnen, Pfleger und Pflegerinnen ihm zuriefen: „Don’t pay the ferryman!“. Die Aufforderung, dem Fährmann hinüber in den Tod nicht nachzugeben, ihn nicht zu bezahlen, habe ihn daran gehindert aufzugeben. Und mehr noch: „Es war für mich wie auf einer Galeere, wo nicht jeder wild ins Wasser sticht. Es war Teamarbeit.“

Darum wolle er auch seine Geschichte der Öffentlichkeit erzählen, schreibt das Klinikum. Er sei sehr dankbar für „die tolle Arbeit“, die dort geleistet worden sei.

Schwerer Verlauf typisch bei Ungeimpften mit Risikofaktoren

Was Günter Morlock erlebt habe, treffe auf viele ungeimpfte Covid-Patienten zu, bestätigt Dr. Stefanie Robert, Oberärztin auf der Intensivstation. Dennoch sei es wichtig, hier nicht mit dem erhobenen Zeigefinger zu reagieren.

Sie habe auch Verständnis für Patienten, die vor der Impfung zurückscheuen. Aufklärung sei hier das Mittel der Wahl. Umso schöner sei es, wenn bei Patienten und deren Angehörigen dann ein Sinneswandel stattfinde; „Es gibt keinen Zweifel, dass die Impfung vor schweren Verläufen schützt“, so die Intensivmedizinerin.

Als über 50-jähriger Mann mit einer rheumatischen Vorerkrankung und ohne Impfung zählt auch Günter Morlock zur Risikogruppe, so das Klinikum in der Pressemitteilung. Auch Florian Renner, der Morlock auf der Intensivstation betreute, betont: „Er hat richtig Glück gehabt. Es hätte auch anders ausgehen können.“ Umso mehr freut sich der stellvertretende Stationsleiter über den glücklichen Ausgang und den Sinneswandel seines Patienten. „Ich bin froh darüber, dass er jetzt seine Stimme erhebt und den Leuten sagt: ‚Lasst euch impfen!‘“.

Covid19-Erkrankung hat sein Leben verändert

Günter Morlock geht es besser, doch das Koma hat Spuren hinterlassen, sichtbare und unsichtbare. Die Erinnerung spielt ihm Streiche, die Luft bleibt ihm nach wenigen Sätzen weg, er hat stark abgenommen, fast 30 Kilo. Wer ihn sonst kennt, muss sich erschrecken, war er doch immer ein Kerl wie ein Baum, der weit über die Stadtgrenzen Gronaus hinaus für seine energische Erscheinung, das unverkennbare, strahlende Lächeln und die offenkundige Lust am Machen bekannt ist.

So ist Max Morlock unter anderem Mit-Initiator des Udo-Lindenberg-Denkmals, Konzertveranstalter und Mitgründer des Vereins „Pinball 4 fun“.

Wo er sich angesteckt hat, weiß er nicht. Ganz klar hingegen ist ihm: „Ich habe im Prinzip das Ufer gewechselt.“ Sobald seine Immunisierung wieder nachgelassen habe, werde er sich impfen lassen. Das sei er zu vielen Leuten schuldig: seiner Frau, den Kindern, Freunden. „Die haben gelitten“, sagt er, während er „nur dagelegen“ habe.

Nach dem Aufwachen aus dem Koma warteten fast 1.000 WhatsApp-Nachrichten auf seinem Handy, darunter allein vier von seinem Duz-Freund Udo Lindenberg. „Ich habe noch nicht alle beantwortet“, gibt er zu. Das wird aber nachgeholt, denn: Einfach abhauen, abschalten, das ist nicht meine Art!“

Außerdem will er alle wissen lassen: „Ich bin froh, dass ich weiterleben darf.“

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