Die Maske gehört inzwischen zum Alltag und ist bei jedem Schritt aus der Haustür dabei. © Victoria Garwer
Coronavirus

Mehr als 2500 Neuinfektionen im Kreis Borken seit Beginn des Lockdowns

Zeigt der Lockdown, der seit Anfang November gilt, im Kreis Borken Wirkung? Die Statistik zeigt, dass es weiterhin sehr viele Neuinfektionen und auch verhältnismäßig viele Todesfälle gibt.

Die Politiker auf Landes- und Bundesebene diskutieren zurzeit über einen harten Lockdown, bei dem Geschäfte, Friseure, Kindergärten und Schulen wieder schließen müssten. Die abgespeckte Variante, die seit Anfang November gilt, reiche einfach nicht aus, sagen verschiedene Wissenschaftler.

Aber wie ist die Lage im Kreis Borken? Haben hier die Schließung von Gastronomie, die erweiterte Maskenpflicht und die Absage von Freizeitangeboten Wirkung gezeigt?

Die Antworten liefert der Kreis Borken in seiner täglichen Statistik. Zunächst die gute Nachricht: Der Inzidenzwert ist Mitte November in den Sinkflug gegangen. Der Lockdown Light konnte den rasanten Anstieg also tatsächlich stoppen.

Am 15. Oktober hatte der Kreis Borken die erste Warnstufe von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen erreicht. Nur fünf Tage später wurde auch der zweite kritische Wert von 50 überschritten und am 26. Oktober stand zum ersten Mal ein Inzidenzwert über 100 in der Statistik.

Der Lockdown bremste diese Entwicklung aus. Am 15. November erreichte der Inzidenzwert mit 179,9 seinen bisherigen Höchststand. Danach sank der Wert recht schnell und unterschritt sogar zeitweise wieder deutlich die 100er-Marke.

Aber auch das gehört zur Wahrheit: Seit Anfang Dezember steigt der Inzidenzwert wieder und liegt aktuell (Stand 10. Dezember) bei 109,1.

Zahl der Infektionen hat sich seit Anfang November verdoppelt

Die Neuinfektionen zeichnen sogar ein sehr schwarzes Bild. Zwar gibt es einige Tage und auch kürzere Zeiträume, in denen sich offenbar weniger Menschen im Kreisgebiet mit dem Coronavirus angesteckt haben, danach allerdings folgen häufig wieder mehr Neuinfektionen. Ein genereller Trend nach unten ist in den Daten nicht zu entdecken.

Eine Zahl ist sogar ziemlich erschreckend: Zwischen dem 1. November und dem 10. Dezember haben sich im Kreis Borken genau 2609 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die Infektionszahlen haben sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Das heißt: Seit Anfang November haben sich mehr Menschen angesteckt als im gesamten Verlauf der Pandemie vorher.

Positiver Trend in den Krankenhäusern erkennbar

Wichtig ist besonders die Zahl der aktuell Infizierten, denn damit muss das Gesundheitssystem im Zweifel fertig werden. Ein durchgängig positiver Trend lässt sich aber auch hier nicht beobachten. Die Zahl bleibt auf einem konstant hohen Level.

In den Krankenhäusern schwanken die Patientenzahlen stark, seit November ist aber zumindest eine Entwicklung nach unten erkennbar. Im Kreis Borken nehmen die Krankenhäuser in Ahaus, Bocholt, Borken, Stadtlohn und Gronau Infizierte mit dem Coronavirus auf. Zwischen 45 und 55 Patienten werden dort im Schnitt seit November behandelt, jeweils rund 20 Prozent davon auf der Intensivstation. 86 Intensivbetten stehen in diesen Kliniken derzeit zur Verfügung, 30 können in einem Notfallszenario ergänzt werden.

Seit Beginn des Lockdowns Anfang November sind im Kreis Borken 40 Menschen im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion gestorben. Die Zahl der Todesfälle hat sich seitdem von 49 auf 89 erhöht. Rund 45 Prozent aller Todesfälle seit März sind also den vergangenen eineinhalb Monaten zuzuordnen.

Landrat hält erneuten harten Lockdown für richtig

Landrat Dr. Kai Zwicker hält angesichts dieser Zahlen einen harten Lockdown für den nächsten logischen Schritt. Das hat er in einem Interview mit Radio WMW gesagt. „Mir fehlt im Moment die Phantasie, dass wir gut durch die Zeit kommen, ohne weitere Maßnahmen vorzunehmen“, so Kai Zwicker. Dabei müsse man vor allem an das medizinische Personal in den Krankenhäusern denken, das an der Kante arbeite.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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