Gemeinsam ist Ahaus stark. Auch wegen des enorm hohen ehrenamtlichen Engagements in der Stadt. Das betonen auch die Lokalpolitiker immer wieder. Nur mit dem Ehrenamtspreis der Sparkasse Westmünsterland tut sich die Ahauser Politik sehr schwer. © Hannah Busing on Unsplash
Ehrenamtspreis

Mehrheit der Politik will 3000 Euro für Ehrenamtliche nicht vergeben

Die Sparkasse Westmünsterland möchte in Ahaus den Ehrenamtspreis vergeben. Im zweiten Coronajahr ist der mit 3000 Euro dotiert. Doch die Mehrheit der Ahauser Politik lehnt den Preis ab.

Neue Diskussion um den Ehrenamtspreis der Sparkasse Westmünsterland: Es geht um 3000 Euro, die die Sparkasse in Ahaus an Ehrenamtliche vergeben möchte. Die Stadt müsste die Preisträger benennen. So läuft es in fast allen Städten und Gemeinden im Bereich der Sparkasse Westmünsterland. Neben Ahaus vergibt nur eine weitere Kommune den Preis nicht.

Zuletzt war das Thema in der Märzsitzung des Rates vor eine politische Wand gefahren. Da wurde der Preis zunächst in den Kulturausschuss verschoben. Viel weiter ging es aber auch dort am Donnerstagabend nicht.

CDU will Treppchen-Ehrung von Ehrenamtlichen vermeiden

„Wir wollen der Sparkasse nicht vor den Kopf stoßen“, erklärte CDU-Ratsherr Christian Rudde im Ausschuss. Aber es gebe seit 2009 in der Stadt den Konsens, dass man die Ehrung einzelner Vereine vermeiden wolle. Hier fiel wieder der Begriff „Treppchen-Ehrung“. Die CDU könne sich vorstellen, mehreren Initiativen pro Jahr eine Bühne zu bieten. Aber: „Nicht jede ehrenamtliche Arbeit in der Stadt ist auch in Vereinen oder Initiativen organisiert“, so Christian Rudde weiter. Auch jene Ehrenamtlichen hätten es aber verdient, gesehen zu werden. Beispielsweise Schülerlotsen, die eine immens wichtige Arbeit übernehmen würden.

„Ich habe die Diskussion vor ein oder zwei Jahren schon nicht verstanden“, machte Ludwig Niestegge (UWG) deutlich. Auch wenn einige wenige Initiativen geehrt würden, käme es ja zu dem kritisierten Treppchen. „Ich kann da keinen Unterschied erkennen“, erklärte er.

SPD: Keine gerechte Vergabe möglich, weil der Überblick fehlt

Auch die SPD lehnte durch Hermann-Josef Herickhoff den Ehrenamtspreis strikt ab: „Wir wollen nicht, dass eine Gruppe hervorgehoben wird“, erklärte er. Die Stadt könne ja auch gar keinen Überblick über das vielfältige ehrenamtliche Engagement in der Stadt haben, um den Preis gerecht zu vergeben.

Doris Zevenbergen vom Büro der Bürgermeisterin versuchte es mit einer Erklärung: Es gehe ja überhaupt nicht darum, ehrenamtliche Arbeit zu bewerten oder ein Treppchen aufzustellen. Viel mehr gehe es für die Vereine um Anschubfinanzierungen für Projekte, die sie sonst nicht stemmen könnten.

„Der Ehrungscharakter muss da raus“, setzte Christian Rudde nach. Über eine Projektförderung könne man reden.

Breite Ausschreibung und viele Bewerber

Auch Bürgermeisterin Karola Voß kam mit ihrer Erklärung nicht weiter: Als der Preis 2019 zum ersten und bisher einzigen Mal verliehen wurde, sei er vorher ja ausgeschrieben worden. Über 30 Bewerbungen seien eingegangen. Aus unterschiedlichen Richtungen und mit unterschiedlichen Projekten. „Wenn es nur um die Ehrenamtsgala geht, können wir den Preis auch woanders verleihen.“

Bernhard Hackfort (CDU) bot einen Kompromiss an: „Die Wortwahl ist das Problem“, sagte er. Ein Preis werde als eine Belohnung verstanden. Die Verwaltung könne bei der Sparkasse ja anfragen, ob man den Preis beispielsweise in Ehrenamtsförderung umbenennen könne. Damit sei dann schon ein großer Teil des Problems gelöst.

„Wir können natürlich fragen“, sagte die etwas ratlos wirkende Bürgermeisterin Karola Voß. Allerdings sind zwei Dinge klar: „Es ist nicht unsere Sache. Die Sparkasse lobt diesen Preis aus.“ Und: „Überall anders wird der Preis vergeben.“

Verwaltung soll neue Rahmenbedingungen ausarbeiten

Gänzlich ablehnen wollte der Kulturausschuss den Preis am Donnerstagabend dann aber doch nicht. Die Verwaltung soll nun Rahmenbedingungen ausarbeiten – auch im Gespräch mit der Sparkasse Westmünsterland – unter denen sich die Politik mit dem Preis anfreunden könnte: Darin soll unter anderem festgeschrieben werden, dass es sich um eine ausdrückliche Projektförderung handele und das der Preis unter mehreren Initiativen aufgeteilt werden kann. Auch zu den Bedingungen für eine Ausschreibung des Preises bzw. die Bewerbung der Ehrenamtlichen soll es klare Vorgaben geben. Bevor die Politik öffentlich wieder darüber diskutiert, soll der neue Verwaltungs-Entwurf zunächst dem Ältestenrat vorgestellt werden.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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