Die Irena-Sendler-Gesamtschule Ahaus muss im kommenden Schuljahr 23 Schülerinnen und Schüler, die die fünfte Klasse besuchen wollten, ablehnen. Die entsprechenden Bescheide sollen am Dienstag zugestellt werden. © Stephan Rape
Anmeldezahlen

Mehrklasse abgelehnt: Losglück entscheidet, wer zur ISG gehen darf

Die Irena-Sendler-Gesamtschule Ahaus muss zum kommenden Schuljahr 23 Schülerinnen und Schüler ablehnen. Die Bezirksregierung hat den Antrag für eine zusätzliche Eingangsklasse abgelehnt.

197 Schülerinnen und Schüler wollten zum kommenden Schuljahr die Irena-Sendler-Gesamtschule (ISG) in Ahaus besuchen. Zu viel für die genehmigten sechs Eingangsklassen in der Jahrgangsstufe 5. Die Stadt Ahaus hatte deswegen bereits Anfang März bei der Bezirksregierung Münster beantragt, eine zusätzliche Klasse zu bilden. Das hat die Bezirksregierung jetzt abgelehnt.

Wie die Schulleiterin Margot Brügger im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt, können 174 Kinder ab 18. August die fünfte Klasse besuchen – bei 29 Kindern pro Klasse.

Losglück entscheidet über 102 Plätze in den fünften Klassen

Über 102 Plätze musste dabei das Los entscheiden. Das wurde an der Schule am Montag durchgeführt. Am Dienstag sollte den betroffenen Eltern per Bote der entsprechende Bescheid zugestellt werden.

Noch einmal 83 Kinder kommen an die Gesamtschule, weil dort bereits ein Geschwisterkind zur Schule geht. Neun Kinder können die Schule besuchen, weil sie als Förderschüler zählen. In drei Fällen hat eine Härtefallregelung gegriffen.

„Wir haben bis zum Schluss gehofft“, sagt Margot Brügger. Gerade mit Blick auf die knappe Zeit bis zum Start des Schuljahrs nennt sie die Entscheidung der Bezirksregierung für die betroffenen Familien „einfach unverantwortlich“.

Entscheidung nur schwer nachzuvollziehen

Auch Bürgermeisterin Karola Voß ist von der Entscheidung enttäuscht: „Für mich ist es das erste Mal, dass eine Mehrklassenbildung durch die Bezirksregierung abgelehnt worden ist. Es ist nur schwer nachvollziehbar, wenn Kinder nicht an ihrem Wohnort in eine gewünschte Schule gehen können“, erklärt sie in einer Pressemitteilung der Stadt.

Einerseits enge räumliche und personelle Kapazitäten an der ISG, andererseits die Situation der Schulen in Legden/Rosendahl und Heek sollen für die Bezirksregierung den Ausschlag gegeben haben, die beantragte zusätzliche Klasse abzulehnen.
Einerseits enge räumliche und personelle Kapazitäten an der ISG, andererseits die Situation der Schulen in Legden/Rosendahl und Heek sollen für die Bezirksregierung den Ausschlag gegeben haben, die beantragte zusätzliche Klasse abzulehnen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Die Bezirksregierung begründet ihre Absage mit fehlenden personellen und angespannten räumlichen Kapazitäten an der Gesamtschule. Auch die Entwicklung der Schulen in den Nachbarkommunen Heek und Legden habe demnach eine Rolle gespielt.

Das neue Schuljahr startet am 18. August. Die Entscheidung der Bezirksregierung kam also denkbar spät. Das räumt auch Diana Seibert-Tombült von der Pressestelle der Bezirksregierung ein. Wie sie erklärt, habe das Verfahren wegen der verschiedenen Stellungnahmen länger gedauert als normal. Es habe allerdings in den vergangenen Jahren auch noch kurzfristigere Entscheidungen gegeben.

Mehrfach hatte die ISG in der Vergangenheit eine zusätzliche Eingangsklasse bilden dürfen. Mit Blick auf diese Entscheidungen erklärt sie, dass eine neue Rechtsgrundlage geschaffen worden sei: Im Juni 2020 trat ein geändertes Schulgesetz in Kraft, nach dem Mehrklassen nicht gebildet werden dürfen, unter anderem wenn die personellen, räumlichen und sächlichen Voraussetzungen nicht vorliegen.

Schulzweckverband Legden/Rosendahl verweigert Zustimmung

Schulträger sind verpflichtet, in enger Zusammenarbeit und gegenseitiger Rücksichtnahme auf ein regional ausgewogenes, vielfältiges, inklusives und umfassendes Angebot zu achten und benachbarte Schulträger rechtzeitig anzuhören.

Wie die Stadt Ahaus weiter erklärt, habe der Schulzweckverband Legden/Rosendahl erstmals seine Zustimmung mit dem Hinweis auf die schulgefährdend geringen Anmeldezahlen an der Paulus-van-Husen-Sekundarschule verweigert. Die Gemeinde Heek hat zwar in diesem Jahr nochmals ihre Zustimmung gegeben. Allerdings äußerte die Gemeinde auch, dass sie mit zunehmender Sorge um den Bestand ihrer einzigen Schule der Sekundarstufe I in kommenden Jahren weitere Zustimmungen für schwierig hält.

Stadt Ahaus will weitere Schritte prüfen

Bei einer Beibehaltung der bestehenden Schulformen und Zügigkeiten der Schulen der Stadt Ahaus werde eine Beschulung aller Ahauser Schülerinnen und Schüler zunehmend nicht mehr sichergestellt werden können. Eine Neubewertung der vorhandenen schulorganisatorischen Strukturen in Ahaus sei daher vorgesehen.

Um jeder Schülerin und jedem Schüler aus Ahaus weiterhin einen Schulplatz auch an einer Ahauser Schule anbieten zu können, steht die Verwaltung weiterhin in engem Kontakt mit der Bezirksregierung. Parallel dazu werden die Erfolgsaussichten einer Klage gegen den Ablehnungsbescheid geprüft.

CDU will Stadtrat zu einer Sondersitzung zusammenrufen

Nur Minuten nach der Mitteilung der Stadt Ahaus meldete sich auch die Ahauser CDU-Ratsfraktion zu Wort. Die Christdemokraten beantragen eine Sonderratssitzung, um über das Thema zu beraten.

Die Ablehnung der zusätzlichen Klasse an der Gesamtschule kritisiert die CDU scharf: „Aus unserer Sicht ist das eine Katastrophe! Kinder, die sich auf die weitere Schulzeit mit ihren Freundinnen und Freunden gefreut haben, müssen nun auf Basis von Lospech zu einer anderen Schule, vermutlich nicht einmal in Ahaus“, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Michael Räckers.

Widerstand aus der Elternschaft formiert sich gerade

Weiteren Gegenwind haben die Elternvertreter der ISG angekündigt: Udo Wesbuer, Vorsitzender der Elternpflegschaft, möchte sich mit einer Petition an den nordrhein-westfälischen Landtag richten. „Es war ein sehr langwieriger Prozess und wir bedauern das Ergebnis sehr“, sagt er. „Man muss heulen, wenn die Schule Kinder ablehnen muss, die den Schornstein der Schule von Zuhause aus sehen können“, macht er deutlich.

Die Gründe der Bezirksregierung mag er so nicht akzeptieren. „Ich kann die Personalsituation nicht beurteilen, aber vom Platz her sollte es gehen. Schließlich verlassen in diesem Jahr sieben zehnte Klassen die Schule“, macht er deutlich.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape
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