Mindestlohn für Bauarbeiter steigt – für Ahauser Unternehmer kein Problem

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Insgesamt 6470 Bauarbeiter im Kreis Borken haben seit dem 1. März Anrecht auf eine Bezahlung von 15,20 Euro pro Stunde. Die Ahauser Bauunternehmer sehen das gelassen.

Ahaus

, 24.03.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Maurern, Straßenbauern und Zimmermännern winkt schon bei der nächsten Gehaltsabrechnung mehr Geld. Zumindest dann, wenn sie ausgebildete Fachkräfte sind und bisher den Mindestlohn im Baugewerbe verdient haben. Denn seit dem 1. März sind in der Baubranche Arbeitgeber verpflichtet, ihrem ausgebildetem Personal mindestens 15,20 Euro pro Stunde zu bezahlen. Bisher lag der Mindestlohn bei 14,95 Euro. Im Kreis Borken sind insgesamt 440 Bauunternehmen und 6470 Bauarbeiter von der Änderung betroffen.

Auf Nachfrage zeigen sich die Ahauser Unternehmen aufgrund der Lohnerhöhung entspannt. „Für uns Chefs liegt der Lohn ja immer zu hoch und für die anderen Leute immer zu niedrig, aber das liegt in der Natur der Sache“, sagt Manfred Effkemann, Geschäftsführer beim Bauunternehmen Effkemann Massivbau, mit einem Augenzwinkern. Er fügt jedoch ernsthaft hinzu: „Wir wären ja nicht ganz gescheit, wenn wir unsere guten Mitarbeiter nicht ordentlich bezahlen würden.“ Deshalb sei es für ihn selbstverständlich, Fachkräfte nicht nach dem Mindestlohn, sondern nach Tarif zu bezahlen. Dort liegt der Stundenlohn bei aktuell 20,63 Euro.

„Arbeitnehmer sollten auf den Tarif bestehen“

Gerade in der Region könne man sich nicht erlauben, schlecht zu bezahlen. „Arbeitnehmer sollten auf den Tarif bestehen oder den Betrieb wechseln“, so Effkemann. Und holt sogar noch weiter aus: „Wie soll eine Gesellschaft funktionieren, wenn die einen nicht wissen, wie sie überleben sollen und die anderen ihre Porsche in der Garage nicht mehr zählen können.“

Mike Marpert, der beim Bauunternehmen Elpers für das Personal zuständig ist, sagt ebenfalls: „Es gibt keinen, der bei uns nur den Mindestlohn verdient.“ Beim Ahauser Bauunternehmen seien nur vollausgebildete Facharbeiter beschäftigt, die alle nach Tarif bezahlt werden. „Mindestens“, ergänzt er.

Auch Zimmereien betrifft die Erhöhung des Mindestlohns. Bei Terhalle in Ottenstein sieht man die Situation unkritisch. „Für uns hat das keine wirkliche Relevanz, denn wir liegen deutlich darüber“, sagt Verena Söbbing aus der Lohnbuchhaltung. „Gute Bezahlung ist ein wichtiges Argument, um Fachkräfte an das Unternehmen zu binden“, sagt sie. Insgesamt 67 Mitarbeiter arbeiten bei Terhalle für die Abteilung Zimmerei.

Baubranche bommt wie seit Jahrzehnten nicht mehr

Die Baubranche boomt wie seit den 90er-Jahren nicht mehr. Weil die Unternehmen ihren Bücher voll haben, ist bei vielen Kunden Geduld gefragt. Denn der Fachkräftemangel macht sich seit langer Zeit auch in dieser Branche bemerkbar. „Viele Firmen suchen händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern. Deshalb sollten Bauarbeiter sich nicht unter Wert verkaufen – ohne sie geht es nicht“, sagt Detlev Hopp, Bezirkschef der IG Bau. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche bundesweit Auftragseingänge von knapp 80 Milliarden Euro, laut Statistischem Bundesamt der höchste Wert seit 24 Jahren.

Und nicht nur für Fachkräfte ist der Mindestlohn gestiegen, sondern auch der Lohn für ungelernte Kräfte. 12,20 Euro stehen ihnen seit dem 1. März pro Stunde zu. Nach Einschätzung der IG Bau versuchen einige Betriebe, Fachleute mit dem Helfer-Lohn abzuspeisen. „Aber das ist illegal und kann bei einer Betriebskontrolle des Zolls für den Arbeitgeber richtig teuer werden“, warnt Detlev Hopp.

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