Mit Jägern und Grundschülern einen Tag im Wald und ein Endspurt in Richtung Ahaus

mlz#teinetuckert

Noch einmal jede Menge Regen hat Stephan Teine am Freitagmorgen abbekommen. Als der Himmel schließlich aufriss, besserte sich auch die Laune. Dann ging es für ihn in den Wald.

Ahaus

, 14.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als ich am Morgen im Wohnwagen von Familie Schwietering in Ahle die Augen aufmache, ahne ich schon Übles. Durch das getönte Fenster kann ich einen durch und durch grauen Himmel sehen. Früher oder später werde ich heute nass. Da bin ich mir sicher.

Es ist kurz nach sieben. Ich höre, wie ein Schulbus vorfährt, jemand einsteigt und der Bus wieder losfährt. Bernhard Schwietering hatte mir abends noch gesagt, dass bis halb acht morgens in der Wohnung eigentlich Hochbetrieb herrscht. Drei Töchter müssen zur Schule und der elf Monate alte Hannes will schließlich auch versorgt werden. Bernhard selbst bekommt davon nicht viel mit, er fährt schon um 6 Uhr zur Arbeit.

Regen lässt sich nicht einfach aussitzen

Ein paar Minuten habe ich also noch. Ich drehe mich noch einmal um, und sehe mich vor meinem inneren Augen schon wieder durch strömenden Regen fahren. Egal. Ich werfe mich selbst aus dem Bett, schlüpfe in die Badelatschen und tapse zur Dusche. Daniela Schwietering grüßt mich fröhlich aus der Küche. Sie hat den Morgenstress hinter sich. „Gut, dass du da bist, da komme ich endlich mal dazu, mir für das Frühstück Zeit zu nehmen“, sagt sie.

Nach der Dusche setzen wir uns hin, frühstücken und reden über das Leben in Ahle, die verschiedenen Schulwege und die Fahrerei. „Oh, es regnet richtig“, sagt sie plötzlich, als sie aus dem Fenster sieht. Ich hab es ja geahnt.

Tuckerei zum Waldtag trotz strömenden Regens

Doch es hilft nichts. Ich packe meinen Kram zusammen, belade den Deutz, ziehe die Regenjacke noch etwas fester zu und bin schon wieder unterwegs. Es ist noch ziemlich kühl und Spaß macht die Tuckerei so früh und bei so miesem Wetter eigentlich nicht. Es geht in Richtung Alstätte. Dorthin hatte mich der Hegering Alstätte-Ottenstein-Wessum-Graes eingeladen. Mit 175 Schülern aus vier Grundschulen veranstalten sie heute an der Haarmühle ihren Waldtag.

Ich zuckele über die Wirtschaftswege, als der Regen noch einmal richtig Schwung holt. Zum Glück sind meine Klamotten dicht. An der Schutzhütte in Averesch mache ich für einen kurzen Moment Pause. Missmutig blicke ich Richtung Alstätte. Die K17 ist schon in einem normalen Auto elendig lang... Doch wenigstens hat der Regen aufgehört.

Als ich zum Himmel blicke, kriege ich schon bessere Laune: Die Wolkendecke reißt auf. Nur wenige Minuten später kommt sogar die Sonne heraus.

175 Kinder erkunden zusammen mit Jägern den Wald

Es dauert noch eine Weile, bis ich schließlich laut knatternd an der Haarmühle eintreffe. Manfred Gevers, der Hegeringleiter, ist da schon mit Hündin Hanni und einer vierten Klasse der Gottfried-von-Kappenberg-Grundschule im Wald unterwegs.

Mit Jägern und Grundschülern einen Tag im Wald und ein Endspurt in Richtung Ahaus

Hegeringsleiter Manfred Gevers erklärt den Grundschülern verschiedene Pflanzen aus dem Wald. © Stephan Teine

„Das machen wir hier seit 23 Jahren“, sagt er. Seit zwölf Jahren ist er selbst als Hegeringleiter dabei. „Wenn ich als Vorstand nicht dabei bin, kann ich ja auch von niemandem verlangen, hier zu helfen“, erklärt er.

Um die 15 Jäger sind an diesem Tag in das Programm eingebunden. Sie führen Jagdhornsignale vor, erklären verschiedene Pflanzen und Tiere oder zeigen den Viertklässlern, wie totes Holz auf dem Waldboden zersetzt und zu neuer Erde wird. „Das Interesse ist immer riesig“, erklärt Manfred Gevers.

Ehemaliger Berufsjäger hat viel zu erzählen

Einen Moment vorher hatte ich mich noch mit Werner Thiemann unterhalten. Der 73-jährige ehemalige Berufsjäger hatte mich zu Manfred Gevers gebracht. „Es ist doch viel besser, wenn wir den Kindern direkt vor Ort zeigen können, wie die Natur funktioniert, als wenn sie das nur aus Büchern lernen“, sagt er. Über 50 Jahre hat er schon seinen Jagdschein. Und immer noch verbringt er am liebsten jede freie Minute im Wald.

Mit Jägern und Grundschülern einen Tag im Wald und ein Endspurt in Richtung Ahaus

Auch verschiedene Signale auf dem Jagdhorn haben die Mitglieder des Hegerings Alstätte-Ottenstein-Wessum-Graes den Grundschülern vorgestellt. © Stephan Teine

Auf dem kurzen Weg durch den Wald an der Haarmühle bleibt er immer wieder stehen. Mal deutet er auf einen kleinen Busch, einen umgestürzten Baum oder einige der vom Borkenkäfer stark beschädigten Fichten. Zu allem kann er eine kleine Geschichte erzählen oder etwas erklären.

Auch die Kinder, die mit Manfred Gevers mitlaufen, scheinen viel Spaß zu haben. Jeder will der Erste sein, der etwas entdeckt oder eine Frage beantworten soll.

Jagd ist beim Waldtag kein Thema

Die Jagd ist an diesem Tag kein Thema. „Klar, wenn die Kinder uns dazu etwas fragen, bekommen sie Antworten“, so Manfred Gevers. Doch von selbst reden die Jäger an diesem Tag nicht davon. „Es geht um den Wald und die Natur. Nicht um die Jagd“, sagt der Hegeringleiter.

Zum ersten Mal dabei ist in diesem Jahr Falkner Detlev Schulz aus Steinfurt. Er hat seine beiden Falken Lea (13 Jahre) und Lucy (3 Monate) dabei. Vor denen haben die Kinder erst einmal einen ziemlichen Respekt. Besonders, als Detlev Schulz Lea die Kappe abnimmt und der Vogel die Kinder mit stechendem Blick mustert.

Mit Jägern und Grundschülern einen Tag im Wald und ein Endspurt in Richtung Ahaus

Falkner Detlev Schulz und die junge Falkendame Lucy (3 Monate). Vor den Greifvögeln hatten die Grundschüler erst ordentlich Respekt. © Stephan Teine

Einige trauen sich dann aber doch noch, den Vogel zu streicheln. Die Gruppe muss sich sputen. Sie sind zwar schon seit dem Morgen im Wald, doch die Busse werden sie gleich schon wieder abholen. Und davor warten eigentlich noch ein kleines Quiz und ein Imbiss auf die Schüler. Für alle richtigen Antworten gibt es schließlich auch noch etwas Geld für die Klassenkasse.

Alle sind sich einig, dass der Waldtag eigentlich auch deutlich länger sein dürfte. Doch dafür fehlt schlicht die Zeit.

Auch für mich wird es schon wieder eng. Der Weg zurück nach Ahaus ist weit und ich muss noch einige Texte fertigmachen. Also verabschiede ich mich von Jägern und Schülern und mache mich wieder auf den Weg. Dieses Mal in strahlendem Sonnenschein.

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