Mit List und Tücke über die grüne Grenze

Schmugglergeschichten

Schmuggler gibt es an der deutsch-niederländischen Grenze auch heute noch. Damals wie heute wurden Waren über die Grenze geschmuggelt, die es auf der anderen Seite günstiger gibt. Clemens-August Brüggemann (62), der heutige Besitzer der Haarmühle in Alstätte, kann sich noch an manche Schmuggelgeschichte aus seiner Kindheit erinnern.

AHAUS

, 24.05.2015, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mit List und Tücke über die grüne Grenze

Clemens-August Brüggemann, Eigentümer der Haarmühle in Alstätte, an einem Grenzstein von 1773.

Über die grüne Grenze, die kurz hinter dem Ausflugslokal "Zur Haarmühle" verläuft, wurde damals hauptsächlich Schnaps, Kaffee oder Getreide geschmuggelt. Kaffee und Getreide kam in der Regel aus den Niederlanden, die Holländer wollten im Gegenzug Schnaps, der hierzulande günstiger war.

Selbst habe er nicht geschmuggelt, erzählt Brüggemann auf dem Weg durch das Grenzgebiet hinter der Haarmühle. "Aber ich habe als Kind einiges mitbekommen. Auch aus den Erzählungen von meinem Vater und meinem Onkel", berichtet der 62-jährige Wirt weiter. So gab es vor dem Krieg auf der Haarmühle einen Hund, der so abgerichtet wurde, dass er zum holländischen Nachbarn lief und mit zwei Paketen Kaffee auf dem Rücken wieder zurückkam.

Zusammenhalt unter Nachbarn

"Man musste sich damals schon was einfallen lassen, wenn man den Zöllnern eins auswischen wollte", sagt der Alstätter lachend. Vor allem, wenn größere Mengen geschmuggelt wurden, mussten die Nachbarn zusammenhalten. "Dann wurden die Zöllner zum Doppelkopf spielen in die Haarmühle eingeladen", berichtet Brüggemann.

"Die Kunst war, genau so zu spielen, dass die Zöllner immer knapp gewonnen haben, um sie bei Laune zu halten", so Brüggemann. In der Zwischenzeit seien dann die Schnapsflaschen über die Ahauser Aa ins Nachbarland getrieben.

Warnposten

Oft wurden die Familienmitglieder oder Nachbarn auch als Warnposten eingesetzt, wenn gerade wieder ein Coup geplant war. "Ein Nachbar setzte einen roten Lappen an den Pfahl oder es wurde mit einem Schraubenschlüssel gegen das Mühlrad geschlagen, um vor nahenden Grenzern zu warnen", berichtet der Wirt.

"Oft war es ein Katz-und-Hund-Spiel - kriegste mich oder kriegste mich nicht", sagt Brüggemann lachend. Wenn man denn erwischt wurde, kam man ein paar Tage in den Bau - je nachdem, mit was man erwischt wurde. "Die Frauen saßen oft zu Hause in der Küche und waren nervös, weil der Vater wieder unterwegs war, und schmuggelte", erinnert sich der 62-Jährige.

In einem Buch hat Franz Brüggemann, der Onkel des heutigen Wirts, die Geschichte der Haarmühle und einige Schmuggelgeschichten aufgeschrieben: "Die Haarmühle in Ahaus-Alstätte"

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