Mit Video: Fahren mit dem E-Scooter ist einfach und macht Spaß, aber nicht immer

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E-Scooter liegen im Trend. In Ahaus sind sie noch selten im Straßenbild zu sehen. Das wird sich ändern. Die Tretroller können jetzt ausgeliehen werden. Wir haben den E-Scooter getestet.

Ahaus

, 19.07.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dreimal abstoßen, draufstellen und losrollen. So einfach kann die Fahrt mit einem E-Scooter sein. Vor meiner ersten Fahrt zögere ich dennoch. „Man muss ein Gefühl dafür entwickeln. Dann macht es viel Spaß“, sagt Claudia Platte. Die Geschäftsführerin von Ahaus Marketing und Tourismus (AMT) hat den E-Roller selbst getestet, bevor er jetzt zur Ausleihe bereitsteht.

Auch ich bekomme von ihr eine kleine Einführung, bevor ich auf das rote Elektrokleinstfahrzeug steige, wie der Tretroller offiziell heißt. Mit dem Schwung meines Beines muss ich 6 Stundenkilometer erreichen, dann erst kann ich aufsteigen und den Fuß auf das Gaspedal hinten auf der Fläche drücken. Immer wenn ich loslasse und wieder darauf trete, werde ich schneller. Zumindest theoretisch...

Video
E-Scooter-Test auf den Straßen von Ahaus

Aber auch manuell lässt sich die Geschwindigkeit regulieren. Wenn ich vorsichtig sein möchte, kann ich sogar vorher einstellen, dass ich nicht schneller als beispielsweise zehn Stundenkilometer fahre. Wenn ich wieder langsamer als 6 km/h werde, rollt der E-Scooter langsam aus.

Rasanter Anzug überrascht

Das klingt ganz einfach und schnell fahre ich auch die Straße hinunter. Doch schon werde ich langsamer. Warum? Keine Ahnung. Das geht mir an dem Vormittag noch einige Male so. Andersherum erlebe ich den ersten Schrecken, als mit einem Tritt auf das Gaspedal der Roller plötzlich e-motortypisch rasant anzieht.

Da habe ich doch gleich wieder die Ergebnisse meiner Recherchen vorab im Kopf, denke an Schürfwunden, Knochenbrüche und Kopfverletzungen. Denn Mediziner und Unfallexperten warnen genau davor und rechnen in vielen deutschen Städten mit einer Zunahme von Unfällen.

Noch kein E-Scooter-Unfall im Kreis

Im Kreis Borken, so meine Nachfrage bei Thorsten Ohm von der Polizei-Pressestelle des Kreises, wurde bislang noch kein Unfall verzeichnet. „E-Scooter sind allerdings Thema bei uns“, sagt Thorsten Ohm. Auch die Beamten, die in der Prävention tätig sind, werden sich damit beschäftigen. Es werde durchaus eine ähnliche Entwicklung wie bei den E-Bikes erwartet.

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Anderswo wird bereits Alarm geschlagen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft hat erst am Freitag gefordert, den Verleih von E-Scootern zu begrenzen. Deren Vorsitzender Rainer Wendt beklagt zudem, dass die notwendigen zusätzlichen Kontrollen zum Großteil bei der Polizei landen werden.

In Ahaus sind E-Scooter die Ausnahme. AMT hat seit dieser Woche insgesamt zehn E-Scooter im Verleih. „Ist das eins von diesen neuen Dingern?“, fragt mich ein Passant bei meiner Tour. Und ich merke, dass ich viele Blicke auf mich oder besser auf mein Gefährt lenke.

Handzeichen geben ist mehr als schwierig

Zum Beispiel im Kreisverkehr an der Wallstraße. Hier muss ich vom Radweg runter und auf die normale Fahrbahn. Der Gehweg ist für E-Scooter tabu.

Ich fahre bewusst in der Mitte, um ja keinen Autofahrer zum Überholen zu ermutigen. Später, als ich die Fotos sehe, die mein Kollege Markus Gehring von mir gemacht hat, merke ich, dass ich doch ganz schön konzentriert bei der Sache war. Zum Beispiel beim Abbiegen. Ich schaffe es nicht, die Hand von der Lenkstange zu nehmen. Einhändiges Fahren, so lese ich später nach, ist bei den schwereren E-Scootern, wie ich ihn fahre, kaum möglich.

Mit Video: Fahren mit dem E-Scooter ist einfach und macht Spaß, aber nicht immer

Jeder E-Scooter muss versichert sein. © Markus Gehring

So nebenbei: Frecherweise fragt der Kollege mich auch noch, ob der E-Scooter U50-tauglich sei? Das kann ich bestätigen. Jeder, der sicher auf seinen zwei Beinen steht, kann auch losrollern. Zurzeit bilden Menschen ab etwa 40 Jahren sogar die Hauptgruppe von Käufern. Schließlich kostet der E-Scooter von BMW, den ich teste, knapp 2500 Euro.

20 Stundenkilometer sind nicht immer genug

Auf einer geraden Strecke will ich dann endlich das Maximum aus dem E-Scooter herausholen. 20 Stundenkilometer sind das. Das klingt erst mal ganz gut. Doch vor allem auf den Straßen wirkt das ziemlich langsam. Mit einem Fahrrad wäre ich schneller unterwegs.

Und auch schneller im Antritt. Das merke ich, als zwei Radler auf dem Radweg vor mir auftauchen, die langsamer sind als ich. Doch sie mal eben schnell zu überholen, klappt nicht, weil mich die Tempobegrenzung ausbremst. Mit dem Rad wäre das kein Problem gewesen.

So fällt mein Fazit gemischt aus. Auf der einen Seite bin ich begeistert von dem E-Scooter, es macht Spaß, damit durch die Gegend zu rollen. Theoretisch wäre das gut für den Städteurlaub. Wie sicher ich mich damit in Berlin, Hamburg oder Paris fühlen würde? Das kann ich nach den gemütlichen Runden durch Ahaus nicht abschätzen.

Kaufen würde ich mir einen E-Scooter allerdings nicht, auch wenn er theoretisch für den kurzen Weg zur Arbeit geeignet wäre. Da wäre das Fahrrad, ob mit oder ohne elektrische Unterstützung, für mich immer die erste Wahl.

E-Scooter-Verleih bei Ahaus Marketing & Touristik

  • In Zusammenarbeit mit Autohaus Boomers und Althoff Autovermietung bietet AMT zehn E-Scooter zum Verleih an.
  • Sie können bei allen drei Standorten ausgeliehen werden. Bei Gruppen wird um Reservierung gebeten.
  • Voraussetzung: Man muss einen Mofa- oder Pkw-Führerschein vorzeigen, also über 16 Jahre alt sein.
  • Die Leihgebühr beträgt 20 Euro am Tag, genausoviel wie die Ausleihe eines E-Bikes. Den Helm gibt es kostenfrei dazu.
  • Die Reichweite soll bei 30 Kilometern liegen. Man kann auch ein Ladegerät mit ausleihen.
  • In Ahaus gibt es für den Verleih keine App wie in Großstädten. Hier wird vor Ort ein Vertrag unterzeichnet, in dem auch die Haftung geregelt wird.
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