Thomas Enning (52), Küchenmeister und Inhaber des Restaurants „Zur Barriere" hat der Tagesgastronomie erst einmal den Stecker gezogen: Weil er nach dem Lockdown zu wenig Personal hat, arbeitet er erst einmal nur auf Reservierung von Gruppen oder Gesellschaften. © Stephan Rape
Kein Personal

Mit Video: Restaurant „Zur Barriere“ schließt Tagesgastronomie wieder

Nur drei Wochen nach dem Lockdown schließt Thomas Enning die Tagesgastronomie in der „Barriere“ wieder. Er hat nicht genug Personal. Wann sich die Lage wieder bessert, kann er nicht sagen.

Ende Mai konnte Thomas Enning (52) sein Restaurant „Zur Barriere“ nach fast sieben Monaten Lockdown wieder öffnen. Gut drei Wochen später schließt er die Tagesgastronomie wieder – auf unbestimmte Zeit. Weil er nicht mehr genug Personal hat.

Auf der Tafel am Eingang des Restaurant
Auf der Tafel am Eingang des Restaurant „Zur Barriere” stehen noch tägliche Öffnungszeiten ab 15 Uhr. Doch den täglichen Betrieb hat Inhaber Thomas Enning ab Montag, 14. Juni, erst einmal auf Eis gelegt. © Stephan Rape © Stephan Rape

Auf acht bis zehn Aushilfen könne er momentan zurückgreifen. Vor der Corona-Pandemie waren es doppelt so viele. „Viele arbeiten in den Corona-Teststellen“, sagt er. Einige hätten auch angekündigt, dass sie zurückkommen wollen. Aktuell könne er aber noch nicht sagen, wann es so weit sei.

Auch zwei Festangestellte haben sich während des Lockdowns andere Stellen gesucht. Die benötige er aber, um im Betrieb das tägliche Geschäft abdecken zu können. Auch für die Vor- und Nachbereitung benötige er diese Fachkräfte.

Drei Wochen lief das Geschäft, Stundenkontingente sind ausgeschöpft

Die knapp drei Wochen seit dem Tag, als die Gastronomiebetriebe nach und nach wieder öffnen durften, habe er gut abdecken können. Trotz eines etwas holprigen Starts. Doch jetzt seien die Stundenkontingente der Aushilfen ausgereizt. Die Alternative sei gewesen, im Zwei-Wochen-Rhythmus zu öffnen und zu schließen. Für Thomas Enning nicht praktikabel. „Der Tagesgastronomie mussten wir den Stecker ziehen“, sagt er. Schweren Herzens.

„Ich kann die 450-Euro-Kräfte ja nicht einfach mehr arbeiten lassen“, sagt er. Und auch ein Tagesgeschäft mit halber Kraft komme nicht in Frage. „Ich öffne nicht mit der Gefahr, dass der Service nicht gut läuft“, sagt er. Damit würde er sich mehr Gäste vergraulen als mit einer Schließung für ein paar Wochen.

Verlässliche Prognose mag Thomas Enning nicht abgeben

Wann er mit dem normalen Betrieb wieder startet, sei extrem schwer abzuschätzen. „Da kann ich eigentlich gar keine Prognose wagen“, erklärt er. Vor August werde es aber wohl nichts. „Es geht nur um das Tagesgeschäft, das ein echter Stundenfresser ist“, erklärt er.

Natürlich würde er lieber sofort in voller Stärke wieder öffnen. Aber es gehe einfach nicht. „Wir schließen ja nicht, weil wir keine Lust mehr haben“, sagt er. Eigentlich sei alles für den Betrieb vorbereitet. Aber das normale Tagesgeschäft in der Ausflugsgastronomie sei einfach zu schlecht planbar.

Dabei betont er, dass er auch weiterhin für Gesellschaften öffnet. „Dafür nehmen wir natürlich noch gerne Reservierungen an“, fügt er hinzu. Für Familienfeiern, Beerdigungen oder Gesellschaften ab 30 Personen sei die Barriere weiter gut aufgestellt. Genauso sei es auch möglich, beispielsweise den kompletten Biergarten zu buchen.

Bis die Personaldecke im Restaurant
Bis die Personaldecke im Restaurant „Zur Barriere” wieder besser ausgestattet ist, bleibt das Restaurant für den regulären Betrieb geschlossen. Gruppen ab 30 Personen und Gesellschaften – etwa von Familienfesten – sind dennoch willkommen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Denn trotz oder gerade wegen des Lockdowns habe er noch einmal investiert: Heizstrahler für den erweiterten Biergarten, Frida-Lüftungsgeräte für die Säle, eine neue Spülmaschine für Gläser. Dazu kommt eine sechsstellige Investition in eine neue Küche. Die lag allerdings noch vor dem ersten Lockdown.

Keine großen Sorgen vor der Zukunft

Auch wenn Pandemie und Lockdown ein großes Loch in die Kasse gerissen haben, denkt er noch nicht daran, aufzugeben. „Ich habe das Restaurant 1996 von meinen Eltern übernommen, betreibe es jetzt in der vierten Generation“, sagt der Küchenmeister. Aber vielleicht müsse er den Betrieb neu erfinden.

Mit Aushilfen und Auszubildenden möchte er verstärkt auf Kochkurse setzen. „Es geht um gesundes Kochen. Das möchte ich weitergeben“, erklärt er. In diesem Bereich sehe er erst einmal die Zukunft.

Probleme, die er nicht alleine habe: „Ich kenne eine ganze Reihe von Kollegen, bei denen es ähnlich aussieht“, erklärt er. Auch digitale Wege – etwa Bestellsysteme vom Platz aus – würden nicht viel helfen. „Dafür haben wir einfach auch das falsche Publikum“, sagt Thomas Enning. Er hofft nun, dass sich bald Restaurantfachleute und Aushilfen bewerben. Aber: „Auch vor der Pandemie war es ja schon nicht einfach, an Personal zu kommen“, sagt er.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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