Müllberge und „illegale Sammler“: Ahauser klagen über Folgen der Sperrmüllsammlung

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Seit Montagmorgen wird in Ahaus wieder Sperrmüll gesammelt. Während die einen sich über die kostenlose Entsorgung freuen, klagen andere über die zahlreichen Begleiterscheinungen.

Ahaus

, 03.04.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Altes Holzmobiliar, durchgelegene Matratzen, aussortierte Kunststoffstühle: In Ahaus wird das Stadtbild aktuell von zahlreichen Sperrmüllbergen an den Straßenrändern dominiert. Ein wahrscheinlich ertragbares Übel – wenn sich alle an die Regeln halten würden. Doch schon einen Tag nachdem die Sammlung angefangen hat, hagelt es Beschwerden. Über „illegale Sperrmüllsammler“, rücksichtslose Nachbarn und strenge Vorschriften.

Marlies Enning wohnt seit 1982 in der Straße Am Schulzenbusch, ihr ist die Situation schon seit Langem ein Dorn im Auge. „Manchmal liegen noch nach 14 Tagen Müllreste auf dem Bürgersteig. Gerade vor den Mehrfamilienhäusern fühlt sich keiner dafür verantwortlich“, klagt sie. Der Versuch, mit den Verursachern den Dialog zu suchen, scheiterte: „Da gibt es dann häufig nur einen frechen Spruch.“ Deshalb habe sie in der Vergangenheit manchmal selbst den fremden Müll weggeräumt. Auch wenn sie weiß, dass das auf lange Sicht eher kontraproduktiv ist. „Einige Leute legen es bewusst darauf an. Sie haben gemerkt, dass irgendjemand immer hinter ihnen herräumt.“

Farbtöpfe, Autoreifen und Glas im Sperrmüll

Diesen Eindruck kann Horst Daut-Zumdick bestätigen. Er arbeitet seit 25 Jahren für den zuständigen Entsorgungsbetrieb Stenau: „Obwohl die Vorschriften bekannt sind, versuchen einige Bürger trotzdem Autoreifen, Farbtöpfe und Glas zu entsorgen.“ Und zwar mit allen Tricks: Farbeimer werden in Schränken versteckt, zerschnittene Reifen in Müllsäcke gestopft.

Horst Daut-Zumdick arbeitet seit 25 Jahren für Stenau und kennt mittlerweile die zahlreichen Tricks.

Horst Daut-Zumdick arbeitet seit 25 Jahren für Stenau und kennt mittlerweile die zahlreichen Tricks. © Johannes Schmittmann

Zwar lassen Daut-Zumdick und seine Kollegen diesen Müll zunächst stehen, aber irgendwann werde er dennoch entsorgt. „Ich ärgere mich nicht mehr darüber, aber eigentlich kann es nicht sein, dass dafür der Steuerzahler aufkommen muss.“ Aus Sicht des Entsorgers stört ihn aber auch noch eine andere Sache: „Wir verbringen mehr Zeit mit dem Sortieren als mit dem Einladen. Der Lerneffekt bleibt leider aus.“

Ärger über polnische Sperrgutsammler

Für das Chaos seien aber nicht nur die Bürger verantwortlich, sondern auch polnische Sperrgutsammler: „Sie durchwühlen den Müll und hinterlassen auch gerne Müllsäcke.“ Auch Marlies Enning kann davon ein Lied singen: „Vor einigen Jahren wurde ich mitten in der Nacht geweckt, weil mein Müll von illegalen Sperrmüllsammlern vor der Haustür durchsucht wurde. Am nächsten Morgen durfte ich das Durcheinander dann beseitigen.“

Iso Ide kann nicht verstehen, warum seine Holztür anders als große Holzschränke nicht mitgenommen wird.

Iso Ide kann nicht verstehen, warum seine Holztür anders als große Holzschränke nicht mitgenommen wird. © Johannes Schmittmann

Doch nicht nur über Müll und Sammler wird geklagt, sondern auch über die Vorschriften des Entsorgungsbetriebes. „Wieso lassen sie eine Holztür stehen, aber nehmen den viel größeren Holzschrank meines Nachbarn mit?“, fragt Iso Ide. Allerdings: In der Info der Stadt sind Haustüren ausdrücklich von der Sperrmüllsammlung ausgenommen. Das erklärt ihm auch ein Mitarbeiter des Entsorgungsbetriebes.

Verwaltung denkt über Lösungen nach

Die Verwaltung der Stadt Ahaus kennt die Problematik. Nach eigenen Angaben lagen am Dienstagmittag bereits sechs offizielle Beschwerden von Bürgern vor. „Die Sperrmüll-Entsorgung ist immer wieder Thema bei Verwaltung und den politischen Fraktionen. Wir versuchen optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, aber wir bitten um Verständnis, dass bei 12.000 Haushalten und 1000 Tonnen Sperrmüll einige Dinge Zeit brauchen“, erklärt Anna Reehuis, Pressesprecherin der Stadt auf Anfrage.

Müllberge und „illegale Sammler“: Ahauser klagen über Folgen der Sperrmüllsammlung

© Johannes Schmittmann

Zur Überwachung seien täglich Mitarbeiter des zuständigen Fachbereichs im Einsatz. „Sie fahren durch die Straßen und halten Ausschau nach Gefahrenstoffen und illegal entsorgten Abfällen“, sagt Reehuis. Auch die Polizei und das Ordnungsamt sind im Einsatz, um Sperrgutsammler zu kontrollieren und gegebenenfalls Gefahrenstoffe zu beseitigen. Dass Müll noch zwei Wochen nach der Sammlung den Gehweg blockieren, dürfe eigentlich nicht passieren. „Der Entsorgungsbetrieb sortiert und beseitigt die eventuell übrig gebliebenen Reste täglich“, sagt die Pressesprecherin.

Sie räumt aber ein: „Jedes der drei möglichen Sperrmüll-Konzepte hat Vor- und Nachteile.“ Konzept eins: Die Bürger müssen selbst zum Wertstoffhof fahren und ihren Sperrmüll entsorgen. Konzept zwei: Sperrmüll wird an bestimmten Terminen nur auf genaue Bestellung abgeholt. Konzept drei: zweimal im Jahr kann ohne Anmeldung der Sperrmüll an einem festgelegten Termin vor die Haustür gestellt werden. Letzteres ist das bisher in Ahaus praktizierte Konzept. „Das heißt aber nicht, dass es für immer und ewig in Stein gemeißelt ist“, so Reehuis. Die Verwaltung habe sich bereits bei Nachbargemeinden nach ihrer Praxiserfahrung mit anderen Konzepten erkundigt.

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