Gleich zwei brutale Überfälle zu nächtlicher Stunde gab es November 2019 in Ahaus. © DPA
Kriminalität

Nach brutalen Überfällen in Ahaus: „Er ist ein gestörter junger Mann“

Verhaltensauffällig, etliche Vorstrafen und derzeit im Jugendknast: Viel kriminelle Energie bringt ein Ahauser (18) mit. Mit einem Bekannten soll er zwei Männer in Ahaus brutal überfallen haben.

Sie sollen zwei junge Männer auf brutale Arte und Weise in der Nacht zum 10. November 2019 der Reihe nach überfallen haben. Erst in Wüllen und dann vollmaskiert in Ahaus auf dem Marienplatz. Die Opfer erlitten Prellungen, Hämatome und einen tiefen Schock. Zwei polizeibekannte und vielfach vorbestrafte Ahauser (18/24) sollen die Täter sein.

Beide Männer mussten sich für diese räuberischen Erpressungen vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster verantworten. Im selben Verfahren war auch ein 27-jähriger Ahauser angeklagt – unter anderem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, schwere und gemeinschaftliche Körperverletzung, Beleidigung sowie Unfallflucht. Jetzt sind die Urteile gegen die drei Männer gefallen.

Familienangehörige verfolgen Prozess

Wenige Sekunden nach der Urteilsverkündung dreht sich der 18-Jährige um, ballt die Faust, grinst und schaut in Richtung seiner Familienangehörigen, die zahlreich auf den Zuschauerplätzen den Prozess verfolgen. Freispruch – so lautete das Urteil der Strafkammer. Und das gleich für beide Überfalle in der Novembernacht 2019.

Grotesk: Der Jugendgerichtshelfer sprach dem 18-Jährigen vor der Urteilsverkündung jegliche Sozialkompetenz ab. „Er weiß nicht, wie man sich sozial verhält. Er stellt seine Regeln auf, andere akzeptiert er nicht. Er ist ein gestörter junger Mann.“ Einer, der ADHS (Verhaltensstörung) und eine verminderte Intelligenz habe.

Freispruch aus Mangel an Beweisen

Und: „Er hat mir gesagt, dass er froh sei, noch in Jugendhaft zu sein, weil er sonst einfach so weitermachen würde wie bisher.“ Sprich Straftat nach Straftat. „Ist dem wirklich so?“, hakte der Richter nach. „Ja, schon“, lautete die Antwort des 18-Jährigen. Freigesprochen wurde er dennoch – aus Mangel an Beweisen.

Ebenfalls freigesprochen von einer Tatbeteiligung an den Raubüberfällen wurde der 24-Jährige. Zu viele Fragen blieben einfach offen. Die Identität der Angreifer konnte auch wegen der Maskierung nicht einwandfrei geklärt werden. Selbst der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer bezogen auf die Überfalle wegen erheblicher Zweifel an der Täterschaft einen Freispruch gefordert.

24-Jähriger kommt mit blauem Auge davon

Doch ganz ohne Strafe kam der 24-Jährige nicht davon. Für seine Verwicklung in die Schlägerei mit Polizeibeamten am 10. Mai 2020 sowie eine Prügelei auf der Bahnhofstraße am 22. Dezember 2019 wurde er zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten mit einer vierjährigen Bewährungszeit verurteilt.

Es war dunkel und die Täter schlugen von hinten oder vollmaskiert zu: Darum konnte ihre Identität nicht zweifelsfrei geklärt werden.
Es war dunkel und die Täter schlugen von hinten oder vollmaskiert zu: Darum konnte ihre Identität nicht zweifelsfrei geklärt werden. © DPA © DPA

Seine mutmaßlich letzte Bewährungsstrafe. „Sie hatten hier heute richtig viel Glück“, führte der vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung aus. „Bei der nächsten Schlägerei gehen sich ganz sicher in den Knast.“ Obendrein wurde der 24-Jährige zu einer für seine Einkommensverhältnisse empfindlichen Geldstrafe verurteilt.

Für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis muss hingegen der 27-jährige Ahauser für seine Gewalteskapaden samt Beleidigungen gegen die Polizeibeamten sowie seine Irrfahrt durch den Ahauser Schlosspark inklusive Unfallflucht, Trunkenheit am Steuer und Freiheitsberaubung. Er hatte seine Begleiterin bei der Verfolgungsjagd mit der Polizei auf deren Bitte hin nicht aus dem Wagen gelassen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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