Das Preisgeld für den Heimatpreis wurde per Ratsentscheid in Ahaus erhöht. Das ging so nicht, befand das Land NRW. Für die nächste Wettbewerbsrunde mussten jetzt neue Kriterien gefunden werden. © Land NRW
Heimatpreis 2022

Nach Rüffel aus Düsseldorf: Ahaus muss Heimatpreis neu aufstellen

Die Stadt wollte eine Treppchenehrung beim Heimatpreis vermeiden – und erhöhte das Preisgeld. Das gab Ärger mit dem Land. Für die neue Runde gibt es neue Kriterien. Auch das war nicht einfach.

Seit das Land NRW 2019 den Heimatpreis ausgelobt hat, um Vereine oder Einzelpersonen auszuzeichnen, wird der Preis auch in Ahaus vergeben. Doch die örtliche Politik tut sich für gewöhnlich schwer damit, einzelne Ehrenamtliche hervorzuheben. Die 5000 Euro Preisgeld (aufgeteilt auf zwei Mal 2000 und einmal 1000 Euro), stockte der Ahauser Rat in der Vergangenheit deswegen kurzerhand um 1000 Euro auf und vergab drei gleichrangige Plätze. Doch so hatte das Land den Preis nicht gedacht und monierte diese Entscheidung scharf.

Deswegen müssen für die kommende Preisvergabe im Dezember 2022 komplett neue Vergabekriterien gefunden werden. Darüber diskutierte zuletzt der Kulturausschuss. Mit folgendem Ergebnis:

Neue Kriterien sollen ohne Wertung auskommen

Zukünftig soll der Heimatpreis in drei Kategorien vergeben werden, die jedoch ausdrücklich keine Wertung enthalten.

Kategorie I – Kreieren-Machen-Partizipieren: Der Preisträger und dessen Projekt sollen einen Bezug zur Stadt Ahaus haben, das Heimatbewusstsein und die lokale Identität fördern sowie generationenübergreifend, integrativ und barrierefrei sein. (Preisgeld 2000 Euro)

Kategorie II – Gestern-Heute-Morgen: Wichtig ist hier die Innovation im Projektansatz. Etwa durch die zeitgemäße Interpretation und Weiterentwicklung gelebter Bräuche und Traditionen. Auch soll das Projekt nachhaltig sein. (Preisgeld 2000 Euro)

Kategorie III – Junge Heimat: Ein Projekt aus den Kategorien I oder II, das allerdings durch oder für junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchgeführt wird. Das Teilnehmeralter soll unter 25 Jahren liegen. (Sonderpreisgeld 1000 Euro)

Stadt muss ein Projekt zu Wettbewerb auf Landesebene entsenden

Ein Projekt aus dem Wettbewerb muss außerdem zur Teilnahme für den Wettbewerb auf Landesebene entsendet werden. Darüber und die Auszeichnungen insgesamt soll eine Jury aus Politik, Verwaltung, Kultur, Jugendwerk, Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragten sowie Senioren und Ehrenamtlichen der Freiwilligenagentur Handfest entscheiden.

„Eine charmante Lösung“, befand Marion Löhring (Grüne). Das sah auch Ludwig Niestegge (UWG) so. Allerdings gab er zu bedenken, dass es sich bei dem Preisgeld um keine große Summe handele. 5000 Euro seien für die Vereine in der Stadt zwar attraktiv, allerdings sei der Wettbewerb in der Verwaltung mit viel Aufwand verbunden. „Das ist personell nicht zum Nulltarif zu haben“, sagte er.

Verwaltung bekommt viel Arbeit rund um die Prämierung

Karen Jungkamp vom Fachbereich Kultur bestätigte das. Natürlich falle die Arbeit über das ganze Jahr verteilt an. Allerdings sei eine Person damit schon gut drei Wochen beschäftigt. „Bei fünf kompletten Arbeitstagen pro Woche, wenn man alles zusammenrechnet“, erklärte sie. Schließlich würden die Bewerbungen in sehr unterschiedlicher Form bei der Verwaltung eingehen. Allerdings halte sie den Impuls, der durch den Wettbewerb entstehe, für sehr wichtig.

Christian Rudde (CDU) waren die eng gesteckten Kriterien und der knappe Zeitrahmen ein Dorn im Auge: „Ist die Idee so gut, dass wir uns für 5000 Euro so verbiegen?“, fragte er in die Runde. Auch drohe der Preis ja auszulaufen. „Das hieße, dass wir das neue Konzept mit der Prämierung direkt wieder in die Tonne werfen könnten“, sagte er.

Kulturausschuss stimmt schließlich doch noch zu – einstimmig

Letzteres konnte der Beigeordnete Werner Leuker entkräften: Er gehe fest davon aus, dass der Preis fortgeführt werde. Der Aufwand werde ausschließlich für die Vereine geleistet, kündigte er an.

Der Kulturausschuss stimmte dem Ganzen schließlich einstimmig zu. Der Rat soll das noch bestätigen. Vor allem auch, um den zurückliegenden Ratsbeschluss aufzuheben, nachdem das Preisgeld erhöht und zu gleichen Teilen an drei Preisträger überreicht wird.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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