Nach über 75 Jahren Beinahe vergessenes Erinnerungsstück aus England wieder zurück in Ahaus

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Kathleen Cotton sorgte dafür, dass das geschichtsträchtige Stück wieder nach Ahaus kam.
Kathleen Cotton sorgte dafür, dass das geschichtsträchtige Stück wieder nach Ahaus kam. © Stadt Ahaus
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Es war ein lange verschwundenes Stück Ahauser Geschichte, aber seit dem 26. Oktober ist es wieder zurück, wie die Stadt Ahaus mitteilte: Das Banner des Eisenbahn-Vereins Ahaus hatte sich Ostern 1945 in einem Schaukasten im bombenkriegszerstörten Ahauser Bahnhof befunden und wurde nach dem Einmarsch der britischen Truppen durch den englischen Soldaten Lawrence Dubury mitgenommen.

Nach Ende des Krieges war Dubury noch einige Zeit in der Nähe von Hamburg stationiert, bevor er das Banner mit in seine Heimat Großbritannien nahm, wo das Stück all die Jahre im Haushalt der Familie verblieb. Nach nunmehr 77 Jahren kehrte es nach Ahaus zurück. Die Tochter von Lawrence Dubury, Kathleen Cotton, übertrug es der Stadt Ahaus, wo es fortan im Stadtarchiv verwahrt wird.

Präsentieren stolz die angekommene Flagge: Werner Leuker (v.l.), Dr. Margret Karras, Karen Jungkamp, Brian Lees und Martina Hoge-Lees.
Präsentieren stolz die angekommene Flagge: Werner Leuker (v.l.), Dr. Margret Karras, Karen Jungkamp, Brian Lees und Martina Hoge-Lees. © Stadt Ahaus

Kathleen Cotton suchte im Februar 2022 den Kontakt zu Stadtarchivar Max Pfeiffer, um sich zu erkundigen, ob die Stadt an einer Rückführung des Banners an seinen Herkunftsort interessiert sei. „Pfeiffer war sofort Feuer und Flamme, da die jüngere Entwicklung der Stadt Ahaus im vergangenen Jahrhundert unmittelbar mit der Eisenbahngeschichte in Ahaus zusammenhängt“, blickt die Stadt in ihrer Pressemitteilung zurück.

Cotton hatte aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters keine Verwendung mehr für das Banner und suchte nach einer passenden Lösung, damit es nicht in verloren würde. Über die Übergabe des Banners an die Stadt Ahaus wurde man sich schnell einig. Ein Problem ergab sich aber bei der Überführung des Banners von Großbritannien nach Ahaus. Aufgrund seines Alters und um den Zustand des historischen Stückes zu erhalten, konnte es nicht einfach gerollt oder gefaltet per Post versandt werden.

Aus Großbritannien nach Ahaus

Hier konnte durch Vermittlung der ehemaligen Fachabteilungsleiterin Kultur bei der Stadt Ahaus, Margret Karras, das deutsch-britische Ehepaar Martina Hoge-Lees und Brian Lees für einen Transport des Banners nach Ahaus gewonnen werden. Das Ehepaar Hoge-Lees brachte es in seinem Wohnwagen auf einer Reise von Großbritannien mit nach Ahaus, wo es freudig in Empfang genommen wurde.

Das 125 mal 125 Zentimeter große Banner etwa 90 Jahre alt und wurde anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Eisenbahn-Verein Ahaus 1933 angefertigt.

Es ist zweiseitig auf Seide und Samt reich bestickt und enthält einerseits den Text „Pflicht, Treue, Vaterland“, mittig das Wappen der Stadt Ahaus, unten das Wappen Westfalens und oben ein Eisenbahnsignal auf weißem Hintergrund. Auf der anderen Seite findet sich der Text „Eisenbahn-Verein Ahaus 1908-1933“, mittig eine stilisierte Ansicht des Ahauser Bahnhofs, daneben einem Eisenbahnrad mit Greifschwingen und Eichblättern auf schwarzem Hintergrund.

Bei dem Banner handelt es sich um ein wichtiges Stück Ahauser Geschichte, da sich Ahaus mit dem Anschluss an Eisenbahnstrecken bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem Knotenpunkt entwickelt hatte. Abseits der Schiene trugen die Eisenbahner jedoch auch gesellschaftlich durch Vereinigungen, wie zum Beispiel den Eisenbahn-Verein Ahaus, zu einer enormen Bereicherung des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt Ahaus und den an die Bahnstrecke angeschlossenen Orten bei.

Gründung vor 114 Jahren

Zum Eisenbahn-Verein Ahaus war bisher nicht viel bekannt, allerdings konnte mit Hilfe der Eisenbahnhistoriker Heribert Lülf und Pater Daniel Hörnemann etwas Licht ins Dunkel gebracht werden. Der Eisenbahn-Verein Ahaus wurde im Jahre 1908 gegründet. Nach dem 25-jährigen Jubiläum 1933, zu dem das Banner entstand, ging der Verein 1934 im „Reichsverband der Eisenbahnvereine“ auf. Das als Nachfolger 1939 gegründete Reichsbahn-Kameradschaftswerk (RWK) wurde bald wieder aufgelöst, um es dem Zugriff der „Deutschen Arbeitsfront“ zu entziehen. Nun lebt die Geschichte erneut aus.