Narren reiten auf dem roten Pferd

Wüllen Die Welt ist ein Dorf - und das heißt Wüllen. Zumindest während des Karnevals. Daran besteht seit Samstag kein Zweifel mehr. Aus Mallorca, dem Sauerland und selbst aus Rio waren Narren angereist, um in Klein-Köln zu feiern - und wie.

27.01.2008, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Haben die Gäste überhaupt je im Festzelt gesessen? daran kann sich nach den ersten Programmpunkten schon niemand mehr erinnern. Denn die meisten stehen auf den Bänken: applaudieren, winken und singen - am liebsten die neue Hymne der fünften Jahreszeit vom "roten Pferd". Zu Edith Piafs Erfolgshit "Milord" wiegen sich Groß und Klein im Takt.

Mitreißende Musik haben aber nicht nur Willi Dirmes, der braun gebrannte Schlagerstar vom Ballermann, und sein heimischer Kollege, Christoph Almering von der Big-Band Life Style, im schunkelnden Gepäck. Herr Fröhlich aus dem Sauerland musiziert ebenfalls - wenn auch etwas anders: Er entlockt Tetra-Pak-Flaschen, Rasierern und selbst einer mit Saiten bespannten Restmülltonne Lieder, die man so noch nie gehört hat - nicht nur wegen der ungewöhnlichen Instrumentierung: etwa von den Engelchen, die in der Matsche spielen ("When the saints go marching in") oder vom lieben Gott, der die Queen rasiert ("God save the Queen").

Nicht nur die Stimmung ist in Wüllen vom ersten Tusch an auf dem Höhenflug, auch die Kegel und Bälle, die sich die Jongleure Horst und Ewald zuwerfen - immer scharf an Bernd vorbei, einem Zuschauer, der sich unversehens auf der Bühne wiederfindet.

Trotz des rasanten Anfangs: Dem Programm geht nie die Luft aus - und dem feiernden Volk erst recht nicht. Von der Mini-Garde ganz zu Beginn bis zu dem Finale mit der Prinzengarde: Die Lokalmatadoren erhalten den meisten Applaus. Kein Wunder: Wenn Tanzmariechen Ramona über die Bühne fliegt, die Blauen Funken Riverdance tanzen, die Roten Funken beim Can-Can ihre Beine in die Höhe werfen und die Show-Tanzgruppe abrockt, dann ist das Wüllener Raketen (Klopfen-Trampeln-Rufen) im Akkord wert. Selbst die temperamentvollen Samba-Tänzerinnen aus Brasilien stimmen zu: Hinter Rio braucht sich Klein-Köln nicht zu verstecken. sy-

Weitere Fotos von der Gala-Sitzung im Internet. www.westline.de/go/karneval

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