Verschlossene Türen für 23 Schülerinnen und Schüler: Weil an der Irena-Sendler-Gesamtschule in Ahaus keine zusätzliche fünfte Klasse gebildet werden darf, liegen die Nerven vieler Eltern blank. Sie müssen für ihre Kinder bis zum neuen Schuljahr eine andere Schule finden. © Stephan Rape
Irena-Sendler-Gesamtschule

Nerven der Eltern liegen nach Absage der ISG für 23 Kinder blank

23 Kinder haben am Dienstag erfahren, dass sie ab Sommer nicht die Irena-Sendler-Gesamtschule besuchen dürfen. Die Nerven ihrer Eltern liegen blank. Sie wissen nicht, wie es weitergehen soll.

Geschockt. Wütend. Verzweifelt. Die Eltern der 23 Schülerinnen und Schüler, die im kommenden Schuljahr nicht die Irena-Sendler-Gesamtschule (ISG) besuchen dürfen, sind ratlos. Sechs Wochen vor den Sommerferien und zwölf Wochen vor Beginn des neuen Schuljahrs haben sie am Dienstag erfahren, dass ihre Kinder keinen Platz an der ISG bekommen haben.

Einige der Eltern aus Ottenstein und Alstätte haben sich am Mittwochabend getroffen und beraten, wie es weitergehen soll. Bianca Harking, Sandra Banken, Kirsten Segbers, Nicole Weddewer und Jana Nabers können Tränen und Wut nur mit Mühe zurückhalten. Die fünf Mütter haben einen Tag zuvor erfahren, dass ihre Kinder im Losverfahren kein Glück hatten und im kommenden Schuljahr nicht die ISG besuchen dürfen.

Anmeldeverfahren an anderen Schulen längst abgeschlossen

„Wo sollen sie denn hin?“, fragt Sandra Banken immer wieder. Schließlich seien ja auch an den anderen Schulen die Anmeldeverfahren längst gelaufen. Von einigen der von der Stadt Ahaus vorgeschlagenen Schulen sei sie schon abgewiesen worden.

Und auch die Wege zu Schulen in anderen Gemeinden in der Umgebung seien viel weiter als nach Ahaus. Von passenden Busverbindungen einmal ganz zu schweigen. „Wir sind hier auf dem Land. Wie sollen wir die Kinder zur Schule und wieder nach Hause bekommen?“ Und auch, dass Freundschaften zerrissen werden, dass Kinder allein auf Schulen in anderen Orten geschickt werden, kommt bei den Müttern aus Ottenstein schlecht an.

Kinder müssen Fehler von Verwaltung und Politik ausbaden

Aber einmal ganz abgesehen davon, dass ihre Kinder sich auf die ISG gefreut hatten, wollen die Frauen auch nicht akzeptieren, dass nun ihre Kinder Fehler von Verwaltung und Politik ausbaden sollen. Auf anderen Schulen befürchten sie Nachteile für ihre Kinder. Ganz bewusst hätten sie sich ja für die ISG entschieden.

„Die Zahlen waren doch über Jahre bekannt“, sagt Kirsten Segbers wütend. Von der Schule sei ihnen bei der Anmeldung versichert worden, dass sie sich keine Sorgen zu machen bräuchten. „Es hieß, dass es zwar immer viele Anmeldungen gebe, dass eine zusätzliche Klasse aber bisher immer genehmigt wurde“, sagt Nicole Weddewer.

Eltern wollen trotz wenig Hoffnung weiter kämpfen

„Verwaltung und Politik haben gepennt. Und das Problem wird jetzt auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen“, Sandra Banken ringt mit den Tränen. Sie weiß, dass sie sich nicht viel Hoffnung machen kann, dass ihr Sohn doch noch auf die ISG kommt. Aber sie will kämpfen. Im Zweifel für nachfolgende Schülergenerationen. Wie das genau aussehen soll, wollen die Frauen in den nächsten Tagen abstimmen.

Gleichzeitig gibt es auf der Ebene von Verwaltung und Politik neuen Zündstoff: Die Ahauser CDU-Ratsfraktion hatte eine Sonderratssitzung beantragt, um über die Entscheidung der Bezirksregierung zu sprechen und weitere Schritte zu prüfen.

Kein Grund für eine Sonderratssitzung?

Bürgermeisterin Karola Voß sah allerdings die Dringlichkeit nicht gegeben und brachte das Thema auf die Tagesordnung der nächsten regulären Sitzung. Die findet zwar am Donnerstag, 27. Mai, statt. Der CDU ist das jedoch zu spät: „Wir sind über diese Haltung sehr verärgert, das ist für uns völlig unverständlich“, teilte der Fraktionsvorsitzende Dr. Michael Räckers in einer Pressemitteilung mit. Die Ratlosigkeit der betroffenen Eltern und die nun drängende Zeit, für die Kinder einen Schulplatz sicherzustellen, sei für die CDU eine Sache von höchster Priorität. Die Eltern würden Antworten erwarten. Bis zur regulären Ratssitzung vergehe wertvolle Zeit. „Und hier zählt aus unserer Sicht jeder Tag. Das halten wir für absolut inakzeptabel.“

Karola Voß bleibt am Donnerstag bei ihrer Einschätzung: Juristisch sei nicht zu rechtfertigen, die regulären Ladungsfristen zu einer Ratssitzung zu unterschreiten. „Die Klagefrist läuft erst im Juni ab“, erklärt sie. Eine verkürzte Ladung sei aber nur möglich, um Nachteile zu verhindern.

Verwaltung prüft Klage unabhängig von Ratsentscheidung

Die Klage sei auch nicht von der Ratsentscheidung abhängig. „Wir prüfen parallel, was möglich ist“, erklärt die Bürgermeisterin. Sie geht davon aus, dass – falls es zu einer Klage kommt – im Eilverfahren entschieden werde. Mit einem Ergebnis rechne sie dann auf jeden Fall noch vor Schuljahresbeginn. Gleichzeitig wolle sie den Eltern aber nicht zu viel Hoffnung machen: „Ich kann nur raten, dass die Eltern sich auf den Weg machen, um Plätze an anderen Schulen zu finden.“

Die ISG sei grundsätzlich nur sechszügig genehmigt. Das geschehe ja auch mit Blick in die Region. Auch das Thema wolle die Verwaltung aber noch einmal grundsätzlich angehen.

Kinder aus anderen Gemeinden können nicht abgewiesen werden

Auch sei es rechtlich nicht möglich, zuerst den Kindern aus Ahaus und den Ortsteilen einen Platz an der Schule zu geben und erst danach Kinder aus anderen Gemeinden zuzulassen. „Das wäre nur machbar, wenn es in den anderen Gemeinden auch eine Gesamtschule gäbe“, sagt sie. Es habe einen Versuch gegeben, die Sekundarschule in Legden einer Gesamtschule gleichzusetzen, das sei aber auf Landesebene gescheitert.

Sie wolle nicht auf Konfrontation mit der Politik gehen und prüfe auch in diese Richtung noch, was möglich sei. Gleichzeitig erklärt sie aber auch, dass die Schülerzahlen immer veröffentlicht wurden. „Sie waren bekannt, auch wenn man sie natürlich auf die letzten 20 Schülerinnen und Schüler nicht immer genau abschätzen kann“, sagt sie. „Dreimal haben wir die zusätzliche Klasse bekommen“, fügt sie hinzu. Das sei in diesem Jahr anders – und habe auch die Ahauser Verwaltung überrascht.

Für Donnerstagabend hat die Ahauser Verwaltung die betroffenen Eltern zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Bei der kommenden Ratssitzung sollen auch Vertreter der Bezirksregierung vor Ort sein, um Fragen zu beantworten. Sie beginnt am Donnerstag, 27. Mai, um 19 Uhr in der Stadthalle.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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