Völlig normaler Schulunterricht in Ghana: An vielen Stellen in der Gemeinde Bulenga-Chaggu gibt es nur solche improvisierten Klassenzimmer. Mit Geld aus Ottenstein wurde dort auch eine Grundschule gebaut. Jetzt soll ein neuer Kindergarten folgen. © privat
Hilfsprojekt für Bulenga-Chaggu

Neuer Kindergarten geplant: Ghana-Kreis hat schon 177.000 Euro gespendet

Zehntausende Euro haben die Ottensteiner schon nach Ghana gespendet. Das Geld wird dort dringend gebraucht. Das aktuelle Projekt ist ein neuer Kindergarten. Der wird gerade gebaut.

Bulenga-Chaggu in Ghana bekommt einen zweiten Kindergarten. Das aktuelle Projekt des Ghana-Kreises St. Georg in Ottenstein wäre aber ohne das enorme Spendenaufkommen in Ottenstein und Umgebung überhaupt nicht denkbar: 12.000 Euro stammen aus Spenden aus Ottenstein und Umgebung.

Noch einmal 36.000 Euro steuert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bei. Der Neubau des Kindergartens in der Außenstation in Faarakora soll noch im Juni beginnen. Es ist schon das achte Projekt, das der Ghana-Kreis mit dem BMZ durchführt.

Marianne Jessing, zweite Vorsitzende des Ghana-Kreises, war selbst schon zwölf Mal vor Ort und hat sich ein Bild der Lage gemacht. „Es ist furchtbar. Als wäre die Zeit dort stehen geblieben“, sagt sie. Zuletzt war sie vor eineinhalb Jahren in dem kleinen Ort.

Diese Grundschule hatte der Ghana-Kreis St. Georg Ottenstein mit finanziert. Jetzt soll ein neuer Kindergarten gebaut werden. Auf lange Sicht ist auch noch eine Berufsschule gefragt. Wann deren Bau beginnen kann, ist aber noch offen.
Diese Grundschule hatte der Ghana-Kreis St. Georg Ottenstein mit finanziert. Jetzt soll ein neuer Kindergarten gebaut werden. Auf lange Sicht ist auch noch eine Berufsschule gefragt. Wann deren Bau beginnen kann, ist aber noch offen. © privat © privat

Auch wenn der Ghana-Kreis viel geholfen hat, vor allem durch neue Brunnen, die gebohrt wurden, ist die Lage für Menschen dort weiter schwierig. Sei seien überwiegend auf die Landwirtschaft angewiesen. Ihr jährliches Einkommen betrage rund 100 Euro. „Das ist eine Welt, die man sich kaum vorstellen kann“, sagt sie.

Ghana noch lange auf Hilfe angewiesen

Ein Ende der Hilfe für Ghana sei allerdings noch nicht abzusehen. Auch wenn sich die Verhältnisse in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hätten: Die Hauptstadt Akra sei beispielsweise von anderen Metropolen weltweit kaum noch zu unterscheiden. Sie liegt allerdings rund 900 Kilometer von Bulenga-Chaggu entfernt. Strom gebe es dort beispielsweise nicht.

Ein Pilotprojekt, sei daher vor einiger Zeit gewesen, Solarlampen für einzelne Hütten zu spenden. „Hier eine unbedeutende Kleinigkeit. Für die Menschen dort aber eine große Sache.“ Schließlich könnten durch die Solarlampen auch Mobiltelefone geladen werden. Eine wichtige Kommunikationsmöglichkeit, da es auch reguläre Telefonnetze nicht gebe.

Auch die Infrastruktur verbessere sich langsam: bessere Straßen, mehr Mopeds und Motorräder seien nur kleine Zeichen des Fortschritts.

Bildung macht langsam Fortschritte

Auch die Bildung mache Fortschritte. Anfangs habe es in der Pfarrgemeinde St. Augustine 68 Schulkinder gegeben. Bei insgesamt 30.000 Einwohnern, die in dem extrem weitläufigen Ort Bulenga-Chaggu leben. Inzwischen gibt es 3000 Schulkinder in der Region – die aber zum Großteil in einfachsten Verhältnissen unterrichtet werden müssen.

Die Bewohner verteilen sich auf 60 Dörfer und eine Fläche von 3760 Quadratkilometer. Zum Vergleich: Der Kreis Borken hat eine Fläche von rund 1421 Quadratkilometern – und 371.339 Einwohner.

Die Arbeit des Ghana-Kreises konzentrierte sich bisher auf die Grundbildung, also den Neu- und Ausbau der Grundschule. Ein neues Projekt soll eine Berufsschule werden, um Jugendlichen dort in der Region eine berufliche Perspektive fernab der Landwirtschaft zu bieten.

Diese Amtszeit noch, dann soll Schluss sein

Ob das dann aber noch unter der Regie von Marianne Jessing passiert, ist eine andere Frage. „Ich bin jetzt 75 und habe schon einmal gesagt, ich mache es nicht mehr“, sagt die zweite Vorsitzende. Sie hatte den Verein 2003/2004 mit gegründet, nachdem erste Hilfsprojekte schon in den Vorjahren angelaufen waren. Die aktuelle Wahlperiode wolle sie noch machen, danach sei für sie Schluss.

Aus Ottenstein ist über die Jahre eine immense Summe nach Ghana geflossen: Rund 177.000 Euro hat der Ghanakreis zusammengetragen. Das Bundesentwicklungshilfeministerium hat viele Projekte unterstützt: Mit insgesamt 436.000 Euro. Das Geld ist in Trinkwasserbrunnen, Schulgebäude, Lehrerwohnungen und sanitäre Anlagen geflossen.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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