Auch die Stadt Selm hat entschieden, ob den Eltern die Kita-Gebühren erlassen werden. © picture alliance/dpa
Kindertagesstätten

Notbetreuung in Ahauser Kitas: Eltern wird unnötiger Stein in den Weg gerollt

Die Kindertagesstätten in Ahaus haben im verlängerten Lockdown auf Notbetreuung umgestellt. Wenn möglich, sollen die Kinder zu Hause bleiben. Wie die Ahauser Elternschaft auf den Appell reagiert.

Der Lockdown in den Kindertagesstätten wie auch in den Schulen wurde verlängert. Die Kitas bleiben zwar grundsätzlich geöffnet, aber sämtliche Betreuungsverträge werden um zehn Stunden pro Woche gekürzt.

Stefan Hilbring, Pressesprecher der Stadt Ahaus, sagt: „Die Öffnungszeiten in den städtischen Kindertagesstätten bleiben wie bisher.“ Trotzdem appelliert er an die Eltern in der Stadt: „Die Eltern sind aufgefordert, ihre Kinder möglichst nicht in die Kita zu schicken.“

Die Stadt Ahaus hält sich damit an die Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen. „Man bemüht sich, in den Kitas individuelle Vereinbarungen mit den Eltern zu finden“, sagt Hilbring. „Aber es ist nie leicht im Moment.“

Vor dem Wochenende müssen Kitas Betreuungsbedarf abfragen

Im Kinderhaus Rasselbande in Ahaus plant die stellvertretende Leiterin Lena Terhürne am Freitagmittag (8. Januar), wie die Betreuung ab dem 11. Januar gestaltet werden soll. Auch wenn die Öffnungszeiten gleich bleiben, wird die Betreuungszeit der Kinder um zehn Stunden pro Kind reduziert.

„Wir sind dabei zu planen, wie viele Kinder Betreuung benötigen“, sagte Lena Terhürne am Freitag. Das musste die Kita noch schnell vor dem Wochenende bei den Eltern abfragen. Mittlerweile ist das Team der Rasselbande „schon ein bisschen geübter darin, aber das ist schon der größte Punkt“, so die Leiterin.

Eltern wird durch Stundenreduzierung Stein in den Weg gerollt

Dabei wäre es aus Sicht der Kita nicht nötig, die Stunden der Kinder zu reduzieren. „Von uns aus ist es nicht notwendig, wir sind eh da“, sagt Lena Terhürne. „Diese zehn Stunden bringen in unserer Situation niemandem was.“ Es werde den Eltern ein Stein in den Weg gerollt, der nicht sein müsse.

Denn nicht alle Eltern haben die Möglichkeit, weniger zu arbeiten. Besonders die Eltern in den systemrelevanten Bereichen. „Ärzte und Lehrer müssen trotzdem ihre Dienste weitermachen“, sagt die Leiterin. „Die können ihre Stunden nicht reduzieren.“ Trotzdem möchte Lena Terhürne die Entscheidungen der Politik nicht anzweifeln. „Jedem recht machen kann man es nie“, sagt sie. „Aber Schulen und Kitas werden immer nur in einem Nebensatz erwähnt.“

Das Kinderhaus Rasselbande in Ahaus freut sich über eine gute Elternschaft. Die würden sich sehr bemühen, dass die Kinder größtenteils zu Hause betreut werden können. Von den regulären 70 Kindern werden ab dieser Woche etwa 20 die Notbetreuung in Anspruch nehmen.

Verantwortungsvoller Umgang mit dem Notbetreuungsangebot

Auch in den fünf katholischen Kindertageseinrichtungen in Ahaus wird die Betreuungszeit der Kinder um zehn Stunden in der Woche reduziert. Deswegen hat die Verbundleitung Jutta Brüggemann den Betreuungsbedarf der Kinder mit den Eltern individuell abgestimmt. „Im Moment kriegen wir es gut hin, aber das ist tagesabhängig“, sagt sie. „Ob ich das dauerhaft halten kann, weiß ich nicht.“ Denn das sei abhängig vom Personal und der Nachfrage der Eltern.

Auch das Personal in den Kindertagesstätten hat häufig Nachwuchs, der im Lockdown betreut werden muss. „Die stehen im gleichen Konflikt“, sagt die Verbundleitung über die Mitarbeiterinnen der Kitas. Besonders dankbar seien die Eltern auch darüber, dass keine Bescheinigung mehr über die Systemrelevanz des Berufs vorgelegt werden müsse, so Brüggemann.

Die Elternschaft reagiere gut auf den Appell der katholischen Kitas, wenn möglich ihre Kinder zu Hause zu betreuen. „Über den Daumen nehmen in der jeweiligen Einrichtung ein Drittel der Eltern die Notbetreuung in Anspruch“, sagt Jutta Brüggemann. „Die Eltern gehen sehr verantwortungsvoll und verständnisvoll mit dem Angebot um. Wir sitzen alle in einem Boot.“

Über die Autorin
Volontärin
In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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Anne Schiebener

Ahaus, Heek und Legden am Abend

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