Notruf-System krankt noch immer

Notfalldienst

AHAUS Die neue zentralisierte Notdienstregelung geht an diesem Wochenende in die dritte Runde. Kritiker wie Befürworter der zentralen Notdienstnummer und des Fahrdienstes sind sich zumindest in einem Punkt einig: Reibungslos wird es auch an diesem Wochenende nicht laufen.

von von Stefan Grothues

, 21.02.2011, 11:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Notruf-System krankt noch immer

Noch läuft der Notfalldienst nicht gut.

Wie die Probleme des Fahrdienstes aussehen, hat Dr. Dr. Nikolaus Balbach in einem Erfahrungsbericht festgehalten. Er schildert darin eine von der Arztrufzentrale geleitete nächtliche Odyssee von Ahaus über Heek, Ochtrup, Gronau, Stadtlohn, Dülmen, Lüdinghausen, Raesfeld-Erle und Coesfeld zurück nach Ahaus. Balbach: „Wir hatten in zehn Stunden zehn nächtliche Hausbesuche mit einer Fahrstrecke von 330 Kilometern – inklusive sieben Kilometer Fehlstrecken durch unscharfe Navigation.“ Hadasch erklärte dazu: „Der Start ist gelinde gesagt nicht rund gelaufen. So kann das nicht bleiben. Die Ärzte sollen nicht quer durch das ganze Münsterland gefahren werden.“ Ansgar Wolf, der zum 1. Februar mit dem gesamten Vorstand des Vereins Notfallpraxis aus Protest gegen die Neuregelung zurückgetreten war, hofft dagegen noch auf eine Systemänderung. Bei seinem jüngsten Sonntagsdienst seien aufgrund des erweiterten Einzugsbereichs und wegen der Grippesaison 80 Patienten in die Notfallpraxis gekommen, doppelt so viele wie sonst. Zwar halbiere sich durch die Neuregelung die Zahl seiner jährlichen Notdienste auf acht. Die Verdichtung aber sei weder den Patienten noch den Ärzten zuzumuten. Das Meinungsbild bei den niedergelassenen Ärzten sei in diesem Punkt aber uneinheitlich, so Wolf.

Eine zusätzliche Belastung bei ohnehin vielen Wochenenddiensten fürchten auch die Assistenzärzte im Ahauser Krankenhaus, weil die Kassenärztliche Vereinigung mit Druck durchgesetzt habe, dass die Krankenhausärzte ab 22 Uhr für die niedergelassenen Kollegen die Notfallpraxis übernehmen. Christoph Hadasch wiegelt ab: „Nach 22 Uhr geht es nur um Einzelfälle, wie es sie immer schon gab. Sollte sich im nächsten Quartal herausstellen, dass die Belastung für die Krankenhauskollegen steigt, müssen wir eine andere Lösung finden.“

Hadasch ist davon überzeugt, dass die Kinderkrankheiten der Neuregelung bald kuriert sein werden: „In einem Dreivierteljahr will kein Mensch mehr das alte System zurück. Das wäre angesichts des Rückgangs der Hausärzte auch gar nicht überlebensfähig gewesen.“

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