Novellierung des Landesjagdgesetzes sorgt für Diskussionen

Bei Jägern und Tierschützern

Die Novellierung des Landesjagdgesetzes sorgt für Unruhe und Diskussionen bei Jägern wie Naturschützern. Auch die Ahauser Vertreter beider Seiten machen sich darüber Gedanken.

AHAUS

30.06.2014, 18:29 Uhr / Lesedauer: 3 min
Hegeringleiter Uwe Bremkamp sieht den Ruf der Jäger durch die Tat des CDU-Stadtverbandvorsitzende Ulrich Oberste-Padtberg gefährdet.

Hegeringleiter Uwe Bremkamp sieht den Ruf der Jäger durch die Tat des CDU-Stadtverbandvorsitzende Ulrich Oberste-Padtberg gefährdet.

Heiß diskutiert wird derzeit auch im Hegering Ahaus-Heek. „Jagen ist das Natürlichste auf der Welt. Wenn ein Bussard sich ein Kaninchen greift, ist das in Ordnung. Aber wir dürfen es nicht“, sagt Hegeringleiter Werner Lenting. Egal ob Taube oder Kaninchen – Jäger würden nur regulierend eingreifen, erklärt er. Deshalb sieht Lenting ein Problem darin, die Jagd auf nur sechs Tierarten zu beschränken. „Das geht nur so lange gut, wie die Entwicklung okay ist. Ansonsten stellt wieder jeder Fallen auf“, meint der Hegeringleiter, dass eine Änderung des Landesjagdgesetzes eine spätere Novelle nach sich ziehen werde. „Sobald Tauben zur Plage werden, fordern die Landwirte, dass wir etwas tun.“

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Kreisjägerschaft Borken, Heinrich Lefert aus Wessum, sagt: „Wir brauchen keine Änderung des Landesjagdgesetzes.“ Wenn man nur ein paar Wildarten bejagen darf, würde der Bestand hochgehen, „deshalb ist es wichtig, dass die Jagd in bestehender Form ausgeübt wird“, meint Lefert. Sicher ist er sich, dass es Einschnitte geben werde. „Aber ich hoffe, dass sie nicht so drastisch sind, wie die Naturschützer fordern.“ Für Lenting bedeutet Jäger sein nicht, in erster Linie Tiere zu erschießen: „Grundlegend sind wir dafür da, das Wild zu hegen und zu pflegen. Das Schießen ist nur die Ernte.“ Und die sei nur möglich, wenn man sich vorher drum kümmere. „Wir wollen vernünftige Wildbestände haben. Wir legen aber auch Biotope an, von denen alle profitieren.“ Man wolle die Natur bewahren, um mit und von ihr leben zu können. „Jagd beginnt mit Schutz. Zum Schluss kommt die Jagd, um gesundes Wild zu ernten. Bessere Bioware gibt es nicht.“

Kreisjagdberater Rudolf Enning-Harmann will sich auf Anfrage der dieser Zeitung noch nicht zur Novellierung des Landesjagdgesetzes äußern. Das sei schwierig, weil man den Entwurf noch gar nicht habe. „Das sind reine Spekulationen momentan“, sagt er. Natur- und Tierschutzverbände fordern auch, dass es ein Verbot für den Abschuss von Haustieren gebe. Gemeint sind damit streunende Hunde und Katzen. „Das Thema Haustiere wird heißer gekocht, als es ist“, weiß Hegeringleiter Lenting. Man schieße keinen streunenden Hund tot, „da kann ich den besser ins Tierheim bringen“. Problematischer seien streunende, verwilderte Hauskatzen. Da müsse man irgendwann eingreifen. „Streunende Katzen sind eine Gefahr für alle Bodenbrüter. Natürlich darf man sie nicht in der Nähe von Häusern bejagen“, erklärt Lefert. „Die Leute meinen, als Jäger schießt man alles tot. 99 Prozent meiner Arbeit bin ich nur mit Hund, Fernglas und Fahrrad unterwegs – ohne Gewehr“, macht Lenting deutlich.

Der Naturschutzbund (Nabu) im Kreis Borken steht den geforderten Änderungen im Landesjagdgesetz ebenfalls kritisch gegenüber. „Keiner weiß, was drin steht. Das sind reine Spekulationen“, sagt Herbert Moritz für den Nabu im Raum Ahaus. Er sehe das Problem vor allem bei Rabenvögeln, die in der Region stark verbreitend seien und vor allem den Landwirten zu schaffen machten. „Das Problem ist auch, dass die Tiere immer weiter in die Wohngebiete eindringen, weil ihnen Lebensraum genommen wird.“ Da man dort aber nicht jagen könne, müssten Fallen weiterhin erlaubt sein. Beim Thema Haustierabschuss sieht Moritz ebenfalls die Gefahr bei den wildernden Katzen. „Sie holen viele Singvögel.“ Dennoch müsse man sehen, was herauskommt bei der Gesetzesänderung. Abwarten bis nach der Sommerpause heißt es also für alle Betroffenen.  Über 100 Tierarten sind momentan zur Bejagung freigegeben.

  • Jäger haben außerdem ein Recht, wildernde Hauskatzen abzuschießen, wenn sie mindestens 200 Meter vom nächsten Haus entfernt sind.
  • Acht Tier- und Naturschutzverbände haben sich auf acht Eckpunkte verständigt, die sie im novellierten Landesjagdgesetz vorfinden möchten.
  • 1953 traten sowohl Landes- als auch Bundesjagdgesetz in Kraft.
  • Seitdem habe es 20 Änderungen gegeben, so Lefert.

Was ist Ihre Meinung? Schreiben Sie uns an

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt