Jens Spahn (CDU), als er am Sonntagabend vor dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin zur Wahlparty seiner Partei vorfährt. Viel Grund zu feiern hatte er am Abend nicht. Dennoch freut er sich, seinen Wahlkreis auch in den kommenden vier Jahren in Berlin zu vertreten. © picture alliance/dpa
Bundestagswahl

Nur 40 Prozent stimmen in Steinfurt I – Borken I für Jens Spahn

Die CDU verliert massiv: Jens Spahn muss das schlechteste Wahlergebnis seiner Karriere verkraften. Nur 40 Prozent der Wähler in seinem Heimatwahlkreis stimmen für ihn.

Das historische Tief der CDU auf Bundesebene macht auch vor dem traditionell christlich-konservativen Wahlkreis 124 nicht Halt: Jens Spahn (CDU) holt in Steinfurt I – Borken I, zu dem im Kreis Borken die Städte Ahaus und Gronau sowie die Gemeinden Heek, Legden und Schöppingen gehören, zwar die meisten Stimmen. Er muss mit seiner Partei jedoch das schlechteste Ergebnis in seinem Heimatwahlkreis bei einer Bundestagswahl hinnehmen.

Genau 40 Prozent der Wähler haben ihn direkt gewählt. 33,8 Prozent der Wähler gaben der CDU ihre Zweitstimme. Gegenüber der Bundestagswahl von 2017 ist das ein Minus von satten 11,3 Prozentpunkten der Erst- und 10,1 Prozentpunkten der Zweitstimmen.

Und auch mit Blick auf seine bisherigen Wahlen ist das sein schlechtestes Ergebnis: Seit Jens Spahn 2002 zum ersten Mal für den Einzug in den Bundestag kandidiert hatte, war sein schlechtestes Ergebnis bisher 44,5 Prozent. Das war 2009.

Spahn freut sich über Ergebnisse in den Kommunen im Kreis Borken

Doch er sieht das Ganze dennoch positiv: „Ich freue mich, dass ich meinen Wahlkreis auch in den kommenden vier Jahren in Berlin vertreten darf“, sagt er am Sonntagabend im Gespräch mit unserer Redaktion. Natürlich habe sich der Bundestrend auch auf seinen Wahlkreis ausgewirkt, dennoch habe er gerade in den Kommunen im Kreis Borken noch über 50 Prozent der Stimmen geholt.

Im Gegensatz zu anderen Wahlen spiele das Ergebnis nun in den kommenden Tagen für ihn aber nicht die Hauptrolle: „Ich bin ja noch Bundesgesundheitsminister und wir sind weiter mitten in der Pandemie“, erklärt er. Es gebe noch viele Aufgaben und einige Dinge anzustoßen. Aber als stellvertretender Bundesvorsitzender werde er natürlich auch Armin Laschet bei den Gesprächen begleiten.

Grüne und SPD gewinnen am Stärksten hinzu

Verluste bei der CDU bedeuten deutliche Gewinne bei den anderen Parteien: Am stärksten gewinnen die Grünen dazu: Sie erreichen 13,2 Prozent der Stimmen und damit 7,2 Prozentpunkte mehr als bei der vergangenen Wahl. Aber auch die SPD (+5,6) schneidet mit 28,7 Prozent deutlich stärker ab als noch 2017 und liegt nur noch 5,1 Prozentpunkte hinter der CDU.

Die FDP beendet die Wahl in Steinfurt und Borken I mit leichten Verlusten – minus 1,2 – und wird viertstärkste Kraft mit 11,4 Prozent. Auch die AfD verliert Stimmen – wenn auch nur marginal: 0,9 Prozentpunkte weniger, macht 5,4 Prozent der Stimmen.

Sarah Lahrkamp (SPD) freut sich riesig über das Ergebnis auf Bundesebene. „Und auch mit den Zahlen in meinem Wahlkreis darf ich wohl sehr zufrieden sein“, sagt sie gut gelaunt. Das habe ja im Februar noch ganz anders ausgesehen. Gespräche über Regierungskoalitionen oder Mehrheiten mag sie am Sonntagabend aber noch nicht abschätzen. Erst will sie die amtlichen Endergebnisse abwarten. „Da ist ja noch ein bisschen Luft drin“, erklärt sie. Aber sie dürfe ja wohl durchaus optimistisch sein.

Rundum zufriedene Kandidatinnen warten noch ab

Für Alexandra Schoo (Grüne) ist das Ergebnis keine große Überraschung: Die Umfragen hätten ja vor der Wahl schon in diese Richtung gewiesen. Auch wenn man sich natürlich nie auf Umfragewerte verlassen dürfe, sei es ja in den vergangenen Wochen ganz klar in diese Richtung gegangen. „Trotzdem freue ich mich natürlich riesig. Alleine, wenn man sich vorstellt, von welchem Wahlkreis wir reden und welche Ergebnisse wir 2017 hatten“, sagt sie.

Das Ergebnis von 2017 habe sie schließlich mehr als verdoppelt. Weiteren Entwicklungen will sie am Wahlabend allerdings noch nicht vorgreifen. „Im schlimmsten Fall – und der ist ja auch nicht schlecht – habe ich ein Kreistagsmandat in Steinfurt. Und kann mich dann vier Jahre lang auf meine nächste Kandidatur vorbereiten“, erklärt sie.

Die Wahlbeteiligung lag bei dieser Wahl bei 77,5 Prozent, ein Prozentpunkt mehr als vor vier Jahren.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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