Öffentlichkeitsfahndung zieht sich noch hin

Trauer und Entsetzen

Das Entsetzen über die schreckliche Tat von Samstagmorgen ist weit über die Grenzen von Ahaus riesig. Zigfach wurde das Foto des 22-jährigen Opfers Soopika P. im Internet verbreitet. Die Fahndung nach dem 27-jährigen Verdächtigen läuft inzwischen mit europaweitem Haftbefehl. Der Mann soll sie auf dem Hessenweg mit mehreren Messerstichen getötet haben.

AHAUS

, 13.02.2017, 18:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viele Ahauser haben Kerzen, Kränze und Blumen am Tatort niedergelegt.

Viele Ahauser haben Kerzen, Kränze und Blumen am Tatort niedergelegt.

Eine große Frage für viele Ahauser war auch am Montag noch, warum der Verdächtige noch nicht längst mittels einer Öffentlichkeitsfahndung gesucht wird. Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt hatte dazu bereits am Sonntag erklärt, dass es dazu eines gerichtlichen Beschlusses bedürfe. „Den besorgen wir uns gerade“, ergänzte er am Mittag auf Nachfrage unserer Redaktion.

Fahndung muss vorbereitet werden

Dabei erklärte er auch, dass eine entsprechende Fahndung auch intern vorbereitet und sorgfältig geprüft werden müsse, um am Ende auch einen Erfolg zu versprechen. Auch diese Vorbereitungen seien am Montag noch in Arbeit gewesen. Details zu diesen angesprochenen Vorbereitungen wollte er jedoch nicht öffentlich machen. Wieviel Zeit noch bis zu einer möglichen Fahndung mit Personenbeschreibung oder Bildern vergehen kann, mochte er ebenfalls nicht näher bestimmen. Bis Montagabend gab es keinen neuen Stand der Ermittlungen.

Tief bewegt zeigten sich auch die Stadt Ahaus und der Caritasverband im Dekanat Ahaus-Vreden. Unter dessen Dach arbeitet auch die Flüchtlingshilfe, bei der sich auch das Opfer engagiert hat. Mit großer Trauer und tiefer Betroffenheit habe man vom Tod der jungen Frau erfahren. Das besondere Mitgefühl gelte ihrer Familie.

Auftrag bleibt bestehen

Dennoch müsse das Engagement für die Unterstützung und die Integration von Menschen, die auf der Flucht seien, fortgeführt werden. „Wir haben nach wie vor den Auftrag, uns um die Menschen, die herkommen, zu kümmern“, sagte Hans-Peter Merzbach vom Caritasvorstand. In einer Pressemitteilung hatte er mittags außerdem erklärt: „Im Rahmen der uns bislang vorliegenden Informationen hat es keine Anzeichen gegeben, die zu gesteigerter Vorsicht oder besonderem Handeln Anlass gegeben hätten. Alle Fragen, die in Zusammenhang mit der schrecklichen Tat stehen, sind nun im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen zu klären.“

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Hans-Peter Merzbach machte im Gespräch aber auch deutlich, dass es jetzt Überlegungen über die Zukunft der Flüchtlingshilfe gebe: „Es wäre fatal, einfach so weiterzumachen wie bisher“, erklärte er. Zum einen mache sich die Caritas Gedanken, ob ehrenamtliche Mitarbeiter besser geschult und unterstützt werden müssten. Gleichzeitig müsse man sich die Frage stellen, ob man genügend Informationen über die Menschen habe, die nach Ahaus kommen.

Wie es mit der Arbeit in Ahaus weitergeht, soll in den nächsten Tagen geklärt werden. „Dafür müssen wir auch das Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen abwarten“, so Merzbach.

In eigener Sache

Die richtigen Stichwörter bei Google und ein paar Klicks – mehr braucht es nicht, um zu erfahren, wie die getötete 22-Jährige aussah. Bei uns finden Sie das Foto nicht, obwohl wir es kennen. Ziffer 8.2 des Pressekodexes besagt: „Die Identität von Opfern ist besonders zu schützen. Für das Verständnis eines […] Tathergangs ist das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich. Name und Foto eines Opfers können veröffentlicht werden, wenn […] Angehörige [...] zugestimmt haben, oder es sich bei dem Opfer um eine Person des öffentlichen Lebens handelt.“ Eine Zustimmung durch die Angehörigen liegt uns nicht vor, eine Person des öffentlichen Lebens war das Opfer auch nicht. An die trauernden Eltern heranzutreten und um das Bild zu bitten, verbietet uns die Pietät. Der Mord bleibt ein grausiges Verbrechen, das ändert kein Foto.

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