Opfer am Boden - 24-Jähriger setzt sich darauf und schlägt gegen den Kopf

mlzSchlägerei am Kulturquadrat

Alkohol war im Spiel, Beleidigungen und Provokationen führten am Ende dazu, dass ein 24-jähriger Ahauser auf einen 20-jährigen Wessumer am Kulturquadrat los ging. Der ging dabei zu Boden.

Ahaus

, 07.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als sein 20-jähriges Opfer am Boden lag, setzte sich der 24-jährige Angeklagte auf ihn und schlug gegen seinen Kopf. Das berichtete am Dienstag eine Zeugin vor dem Ahauser Amtsgericht. Der Angeklagte dagegen sprach davon, dass die „Sache vorbei war“, als sein Opfer zu Boden ging.

Am Enden des Verfahrens gab es eine sechsmonatige Bewährungsstrafe, eine Therapie bei einem Gewaltberater und 100 Sozialstunden für den Ahauser als „Quittung“ des Gerichts für diese Tat. Drei Jahre darf sich der Angeklagte nichts zu Schulden kommen lassen, dann ist die Strafe getilgt.

Letzte Chance für den Angeklagten

„Ich glaube, die drei Jahre tun mir wohl gut“, meinte der Ahauser zum Schluss. Zuvor hatte der Richter auf mehrere Verfahren wegen gefährlicher oder vorsätzlicher Körperverletzung gegen den Angeklagten hingewiesen. Der will ein neues Leben beginnen, hat Ahaus verlassen, um aus dem Dunst- und Teufelskreis seiner hiesigen Bekanntschaften zu kommen. „Letzte Chance“, gab der Richter dem 24-Jährigen mit auf den Weg.

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Was war geschehen? Es muss gegen 5 Uhr am Morgen des 13. Juni gewesen sein, als das Opfer mit seiner Freundin mit dem Rad am Ahauser Kulturquadrat vorbeifuhr. Dort saß der Angeklagte mit Freunden auf einer Treppe. Einer rief dem Wessumer offenbar etwas beleidigendes zu. Welche Worte genau fielen, ließ sich vor Gericht nicht feststellen, was sicher auch am Alkoholgenuss auf beiden Seiten lag.

Der Wessumer jedenfalls ließ diese Provokation nicht unbeantwortet und hielt mit dem Rad an. „Bastard“ soll er laut Angeklagtem gerufen haben. Was folgte war eine lautstarke Auseinandersetzung, eine Ohrfeige durch den Angeklagten und dann Faustschläge, wohl überwiegend vom Angeklagten. Das Ganze eskalierte so, dass Freunde des Angeklagten eingriffen, als der Wessumer am Boden lag.

Opfer schließt Provokation seinerseits nicht aus

Prellungen habe er gehabt, Kopf- und Nackenschmerzen, schilderte das Opfer. Beim Arzt sei er aber nicht gewesen. Dass er tatsächlich „Bastard“ gerufen habe wollte der 20-Jährige nicht bestätigen oder ausschließen. Durch die Schläge gegen den Kopf habe seine Erinnerung gelitten.

Eine 20-jährige Zeugin, heute die Freundin des Angeklagten, bestätigt die Schilderungen des Wessumers. Sie sprach von Provokationen von beiden Seiten als Auslöser für die Keilerei, bei der ihr Freund sich eher verteidigt habe.

Zeugen mit Backstein bedroht

Zwei Zeugen riefen schließlich die Polizei. Als der Angeklagte flüchtete und von einem der Zeugen verfolgt wurde, bedrohte ihn der Angeklagte mit einem Backstein. Bei dem 34-jährigen Zeugen bedankte sich der Richter für sein Eingreifen. „Das erlebt man nicht immer“, lobte der Richter die Zivilcourage des Mannes.

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„Der Angeklagte suchte die körperliche Auseinandersetzung und gab zu, den ersten Schlag getan zu haben“, glaubte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer dem Opfer und seiner Freundin, dass der Angeklagte auch auf den am Boden liegenden eingeschlagen hat. Denn: „Das Opfer hat sich hier nicht als völlig unschuldig dargestellt.“

Kopfschütteln hatte der Staatsanwalt für die Einstellung des Angeklagten, der auch vor Gericht noch sagte, auf Beleidigungen mit Schlägen zu reagieren. „Das ist Unrecht“, versuchte der Anklagevertreter deutlich zu machen. Auch der Richter fand es in seiner Urteilsbegründung „besorgniserregend“ dass der Angeklagte nach eigenem Bekunden auf jeden Fall zugeschlagen hätte.

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