Ottensteiner Spediteur wirft ehemaligem Mitarbeiter Diebstahl von Scheinwerfern vor

mlzAmtsgericht Ahaus

Darf ein ehemaliger Mitarbeiter Scheinwerfer von seinem ehemaligen Dienstfahrzeug ausbauen, wenn er sie selbst bezahlt hat? Darüber stritten sich zwei Parteien vor dem Amtsgericht Ahaus.

Ahaus

, 25.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Streitwert war nicht besonders hoch, der Sachverhalt relativ klar und dennoch zog sich der Prozess gegen einen 26-jährigen Billerbecker am Freitag wie Kaugummi. Sein ehemaliger Arbeitgeber, eine Spedition aus Ottenstein, wirft ihm vor, nach seiner Kündigung während einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ mehrere LED-Leuchten von einem ihrer Lkw gestohlen zu haben. Den Wert der fünf Scheinwerfer bezifferte die Spedition auf circa 675 Euro.

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Der Billerbecker gab vor Gericht zu, Scheinwerfer von seinem ehemaligen Dienstfahrzeug montiert zu haben. Allerdings habe er diese zum einen selbst bezahlt und zum anderen sei der Gesamtwert der Leuchten viel zu hoch angesetzt. „Mein Arbeitgeber hat mir die Kosten damals von den Spesen abgezogen. Sie waren auch maximal 250 Euro wert.“ Als Beweis für seine These legte er dem Vorsitzenden Richter den Lieferschein vor, auf dem handschriftlich notiert wurde: „Von den Spesen abziehen!“ Der 26-Jährige erklärte, dass es sich dabei um eine Notiz seines ehemaligen Chefs handle.

„Ich habe mir zurückgeholt, was mir zusteht“

Deshalb habe er sich nur zurückgeholt, was „mir sowieso zusteht“. Sein Anwalt witterte eine Retourkutsche für seine Kündigung: „Vielleicht hat es den Chef geärgert. Wir alle wissen, wie händeringend Fahrer in dieser Branche gesucht werden.“ Ein Chatverlauf, der dem Gericht als Beweismittel vorgelegt wurde, enthält eine Nachricht des Speditions-Leiter. Der erklärt dort im Bezug auf die Scheinwerfer: „Was am Fahrzeug verbaut ist, bleibt am Wagen. Falls es abmontiert wird, wird es vom Lohn abgezogen.“

Der Richter ließ zwar durchblicken, dass er keinen Zweifel an den Ausführungen des Billerbeckers habe, allerdings erklärte er auch: „Selbst wenn es ihre Leuchten waren. Ihre Ansprüche dürfen sie so natürlich nicht geltend machen. Dafür gibt es ein Gericht.“

Frau des Spediteurs schildert ihre Sicht

Die Frau des Spediteurs, die als Zeugin geladen war, schilderte vor Gericht eine andere Version der Geschehnisse. „Er hat die Lampen abgerissen. Es ist ein enormer Schaden entstanden, in das Dach regnet es immer noch rein. Der Lkw war nicht mal ein Jahr alt. Das ist Sachbeschädigung und Diebstahl.“ Es sei in der Firma klar kommuniziert worden, dass alles, was verbaut wird, am Lkw bleiben müsse. „Sonst sehen sie auch wie ein Löcherkäse.“

Nach der Betrachtung der Fotos revidierte sie jedoch ihre Aussage und räumte ein, dass der 26-Jährige die Scheinwerfer nicht abgerissen, sondern abgeschraubt habe. Richter und Staatsanwalt verständigten sich darauf, das Verfahren ohne Auflage einzustellen.

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