Der Prozess um einen 29-jährigen am Landgericht steht kurz vor dem Abschluss. © picture alliance/dpa
Gerichtsprozess

Ottensteiner war bei Messerangriff auf Ehefrau stark alkoholisiert

Der Ottensteiner, der wegen des Messerangriffs auf seine Ehefrau vor dem Landgericht steht, hatte wohl ein Alkoholproblem. Das führte schon in der Vergangenheit mehrfach zu Problemen.

Alkoholkonsum spielte offenbar eine Rolle bei dem 29-Jährigen aus Ottenstein, der im Oktober seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in Alstätte mit einem Küchenmesser angegriffen und erheblich verletzt haben soll. Im Verfahren am Landgericht um versuchten Totschlag empfahl eine psychiatrische Gutachterin am Mittwoch, den Mann im Zuge einer möglichen Haftstrafe auch zu einer Alkohol-Entzugstherapie unter geschlossenen Bedingungen zu verpflichten.

Betrunken war der gelernte Handwerker schon in der Vergangenheit mehrmals aggressiv aufgetreten und in der Folge zu Geldstrafen verurteilt worden, wie die Ärztin mit Blick auf die Biografie des Mannes erklärte. Auch das Gericht legte das mit Auszügen aus dem Bundeszentralregister dar. So hatte der Angeklagte 2014 und 2018 jeweils den Führerschein verloren.

Mehrfach stark alkoholisiert straffällig

Beim ersten Vergehen waren die Gründe dafür fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung, Trunkenheit im Verkehr und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Er hatte mit 1,7 Promille Blutalkohol in Gronau-Epe die Kontrolle über sein Auto verloren und war gegen eine Hauswand gefahren. Zwei Polizisten, die zum Unfall kamen, habe er „ohne erkennbaren Grund angegriffen“ und sie an Hand beziehungsweise Arm verletzt, zitierte die Vorsitzende Richterin aus dem Urteil des Amtsgerichts Gronau. Zudem habe er um sich getreten.

Beim zweiten Vorfall seien es erneut 1,7 Promille Blutalkohol gewesen, diesmal verurteilte ihn das Amtsgericht Ahaus wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr in Ottenstein. Bei einem Streit mit Nachbarn wiederum hatte er laut einem weiteren Urteil des Amtsgerichts Ahaus einem Mann mit der Faust auf die Nase geschlagen und ihm und dessen Frau gedroht, er würde beiden „den Hals durchschneiden“. Letzteres bestritt der Ottensteiner damals.

Probleme seit dem Jugendalter

Laut der Gutachterin am Landgericht habe der Angeklagte schon seit dem Jugendalter immer wieder Alkohol benutzt, um seine Probleme zu verdrängen, anstatt sich ihnen zu stellen. In dem Alter habe er angetrunken einmal seine Eltern mit einem Messer bedroht und habe zu der Zeit die Hauptschule abgebrochen. Die Ärztin sprach von „disziplinarischen und Verhaltensproblemen“. Den Schulabschluss habe der Ottensteiner durch eine abgeschlossene Lehre anerkannt bekommen.

Bis zu seiner Inhaftierung am 17. Oktober hatte der 29-Jährige „erfolgreich“ in seinem Beruf gearbeitet, der Alkoholkonsum sei bis dahin aber ein Problem geblieben. Sein Blutalkoholwert habe zum Zeitpunkt der angeklagten Tat etwa 1,9 Promille betragen. Zwar sei medizinisch „keine Alkoholabhängigkeit“ diagnostizierbar, sagte die Ärztin mit Schwerpunkt forensische Psychiatrie.

„Höhergradige Berauschung“ bei Messertat

Als der Angeklagte – so der Vorwurf – mit dem Messer auf seine Frau losgegangen sei, habe aber mit Sicherheit „eine höhergradige Berauschung“ vorgelegen. Sie gehe davon aus, dass so etwas in einer Beziehungskonstellation ohne vorherige Therapie „wieder vorkommen“ könne.

Ein Rechtsmediziner berichtete in seinem Gutachten von den Verletzungen der 27-jährigen Ehefrau, die sie sich durch Abwehrbewegungen zugezogen haben könnte: Über etliche Schnittverletzungen an Händen, Fingern, Oberschenkel und Fuß hinaus seien an zwei Fingern „Beugesehnen“ und „Nerven“ von der 21 Zentimeter langen Klinge durchtrennt worden. Hinsichtlich der Nerven sei es „fraglich, ob Empfindung, Motorik und Kraft“ in normalem Maße zurückkämen, sagte der Arzt.

Am Donnerstag (30. Juli) werden die Plädoyers gehalten und voraussichtlich auch das Urteil gesprochen.

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