Personaldienstleister „FAIR“ in Ahaus: ein klassisches Corona-Opfer

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Unternehmen, die kaum produzieren, benötigen keinen flexiblen Personaleinsatz. Das bekommt der Personaldienstleister FAIR aus Ahaus in der Corona-Krise voll zu spüren.

Ahaus

, 03.09.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise hat den am Fleehook in Ahaus ansässigen Personaldienstleister „FAIR“ voll getroffen. Seit Ende Mai läuft ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Die Verantwortlichen wollen damit die Folgen des Lockdowns überwinden. Mit im Boot ist Rechtsanwalt Eric Coordes von der Mönig Wirtschaftskanzlei mit Sitz in Münster. Der Jurist wurde in die Eigenverwaltung der Gesellschaft, deren Geschäftsführerin Angela Frank ist, berufen.

Die FAIR Personal + Qualifizierung GmbH & Co. KG mit ihren 270 Beschäftigten hat aufgrund des Lockdowns durch Covid-19 einen erheblichen Umsatzverlust erlitten, der durch die Gesellschaft nicht aufgefangen werden konnte. Das Problem: Unternehmen, die kaum noch produzieren oder von denen kaum noch Dienstleistungen am Markt abgerufen werden, benötigen auch keinen flexiblen Personaleinsatz.

16 Millionen Euro Jahresumsatz

„Die Abrufe an Mitarbeitern sind erheblich zurückgegangen, das hat am Ende auch die Unternehmenskrise verursacht“, erklärt Eric Coordes. Die „FAIR P&Q“ ist seit dem Jahr 2000 in der Personalüberlassung und Vermittlung tätig. Das Unternehmen erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von etwa 16 Millionen Euro.

„Im Rahmen der Personaldienstleistung bekommt man es als erstes mit, wie es der Wirtschaft geht“, sagt Coordes. Geht es der Wirtschaft schlecht, werden die Personalabrufe gestoppt. „So war es auch zu Beginn der Corona-Krise.“ Mit den Lockerungen der Maßnahmen seien die Personalabrufe wieder gestiegen. Sie haben laut Coordes fast schon das vorherige Level erreicht.

Rechtsanwalt und Sanierungsexperte Eric Coordes

Rechtsanwalt und Sanierungsexperte Eric Coordes © Mönig Wirtschaftskanzlei

Der Geschäftsbetrieb konnte bei FAIR seit Ende Mai uneingeschränkt fortgeführt werden. Anfragen nach Personal und Qualifizierungen wurden wie gehabt bearbeitet.

„Wir mussten kein Personal entlassen. Es gab keine insolvenzbedingten Kündigungen“, berichtet Eric Coordes im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die 270 Mitarbeiter sind hauptsächlich in technischen Branchen tätig. Zu den Unternehmenskunden, die vorwiegend im Münsterland ansässig sind, zählen unter anderem Automobilzulieferer.

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Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten konnten in den Krisenmonaten Mai und Juni durch das Kurzarbeitergeld abgesichert werden. „Das geschah in der Hoffnung, dass die Wirtschaft wieder anspringt und die Corona-Fallzahlen abebben.“

Im Juli, August und September erhalten die Mitarbeiter Insolvenzgeld. „So konnte das Unternehmen stabil fortgeführt werden“, sagt Eric Coordes.

„Klasssiches Corona-Opfer“

Um die Corona-Krise zu überwinden, kamen neben den finanziellen Möglichkeiten auch Restrukturierungsmaßnahmen zum Zuge. Der Sanierungsexperte lotete aus, wie das Ahauser Unternehmen am Markt positioniert ist. Sein Ergebnis: „FAIR ist gut aufgestellt, aber ein klassisches Corona-Opfer.“

Ab dem 1. Oktober muss das Unternehmen wieder auf eigenen Füßen stehen, dann gibt es keine Privilegien mehr vom Staat. „Es muss selbst klar kommen. Das wird es auch schaffen“, sagt Rechtsanwalt Eric Coordes. „Davon bin ich überzeugt.“ Ziel sei es, schnellstmöglich aus dem Sanierungsverfahren herauszukommen.

Das Vorhaben wird beaufsichtigt von Rechtsanwalt Stefan Meyer von der Sozietät Pluta Rechtsanwalt GmbH. Ihn hatte das zuständige Amtsgericht Münster im Mai zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Wie vom Gesetzgeber vorgesehen, unterstützt er das Unternehmen in der Restrukturierung.

Sanierungsexperte Eric Coordes will einen Insolvenzplan erstellen. Ein Papier, in dem festgelegt wird, wie die weitere Sanierung aussieht und mit welcher Quote die Gläubiger rechnen können.

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