Die Nachfolge steht fest. Philipp Noetzel (27) soll einmal das Modehaus Schlesier von Jochen Schlesier (59) übernehmen. Noch ist das aber Zukunftsmusik. Erst einmal geht es darum, das Unternehmen sicher durch Lockdown und Coronakrise zu führen. © Stephan Rape
Nachfolge geklärt

Philipp Noetzel (27) will einmal das Modehaus Schlesier übernehmen

Klar, der Lockdown macht es dem Modehaus Schlesier nicht leicht. Doch das Unternehmen baut auf seine Stammkunden. Und Jochen Schlesier hat Grund zur Freude: Er präsentiert seinen Nachfolger.

Mit Philipp Noetzel präsentiert Modehändler Jochen Schlesier (59) seinen neuen Teilhaber. Mit-Geschäftsführer und zukünftigen Nachfolger an der Spitze des Modehauses Schlesier am Ahauser Markt. Ans Aufhören denkt er dabei noch nicht. Aber es sei eben gut, für die Zukunft vorgesorgt zu haben: „Es ist ja nicht einfach, einen Nachfolger zu finden, der bereit ist, das Risiko zu übernehmen“, erklärt er.

Philipp Noetzel war bereit. Seit vier Jahren arbeitet der gelernte Einzelhandelskaufmann im Fachbereich Textil bei Schlesier. „Ich bin mit den Aufgaben nach und nach gewachsen“, sagt er. Im vergangenen Februar sei es schließlich konkret geworden. Da habe Jochen Schlesier ihn gefragt, ob er das Geschäft einmal übernehmen wolle. „Ich musste nur kurz überlegen“, sagt der 27-Jährige und lacht. Die Formalitäten haben sich noch einmal hingezogen. Im September war die Tinte unter den Verträgen schließlich trocken: Er stieg als Teilhaber und Geschäftsführer mit in das Geschäft von Jochen Schlesier ein.

Vom neuen harten Lockdown überrascht

„Und ganz ehrlich, da habe ich nicht mehr damit gerechnet, dass der Einzelhandel noch einmal in einen so harten Lockdown gefahren wird“, sagt Jochen Schlesier. Philipp Noetzel nickt: Natürlich habe er sich in den zurückliegenden Wochen Gedanken gemacht. Von seiner Zusage wäre er dennoch nie zurückgetreten. „Ich kann ja auf ein gewachsenes Geschäft und eine sehr treue Stammkundschaft setzen“, sagt er.

Jochen Schlesier und Philipp Noetzel teilen sich im Moment die Arbeit. Eine weitere Vollzeitkraft, eine Teilzeitkraft und zwei Aushilfen sind in Kurzarbeit.
Jochen Schlesier und Philipp Noetzel teilen sich im Moment die Arbeit. Eine weitere Vollzeitkraft, eine Teilzeitkraft und zwei Aushilfen sind in Kurzarbeit. “Das ist einfach nicht anders möglich”, sagt Jochen Schlesier. © Stephan Rape © Stephan Rape

Das Geschäft mit der Männermode will Philipp Noetzel so weiterführen wie bisher. Klar, die Kundschaft will er auf lange Sicht etwas verjüngen. „Wenn ich die Söhne unserer jetzigen Kunden locken kann, habe ich das meiste schon geschafft“, sagt er.

Onlinehandel spielt bei Schlesier noch keine Rolle

Auch am Onlinehandel werde er wohl auf Dauer nicht vorbeikommen. „Obwohl ich darauf gar keine Lust habe“, sagt er. Beratung und Atmosphäre im Geschäft stehe im Vordergrund. „Anfassen, anprobieren, dazu vielleicht eine Tasse Kaffee“, fasst er das Konzept zusammen.

Und das sei auch bisher kein Problem: Während viele Fachhändler darunter leiden, dass Kunden sich vor Ort Beratung holen und dann online günstiger kaufen, laufe das bei Schlesier eher anders herum: „Die Kunden sehen online einen Artikel einer bestimmten Marke und fragen dann uns, ob wir den auch liefern können“, erzählt er.

Modehaus kann auf Stammkunden setzen

Das laufe auch aktuell im Lockdown gut. „Ich bin erstaunt, wie viele unserer Stammkunden Ware bestellen“, erklärt Jochen Schlesier. Klar, mit normalen Umsätzen sei das nicht zu vergleichen. „Aber wer so lange selbstständig ist, der übersteht auch mal ein schlechtes Jahr“, sagt er. Immerhin schon 35 Jahre führt er sein Geschäft: anfangs auf der Josefstraße, über 15 Jahre neben der Goldschmiede Engels und schließlich seit elf Jahren direkt am Markt.

Aber natürlich geht der Lockdown nicht spurlos am Geschäft vorbei: Normalerweise teile sich der Umsatz zu gleichen Teilen auf die Fest- und Businessmode im Obergeschoss und die eher sportliche Kleidung im Erdgeschoss. Im Moment macht das Unternehmen vielleicht noch 20 Prozent mit festlicher Kleidung. „Der Bereich ist im Moment ziemlich tot“, sagt Schlesier. Kein Wunder: Feste finden nicht statt und im Homeoffice tut es eben auch mal der Jogginganzug statt des neuen Anzugs. „Das tut uns am meisten weh“, erklärt er.

Blick geht nach vorne

Aber das sei jetzt eben so. Jetzt gehe es erst einmal darum, das Geschäft auf das Frühjahr umzurüsten. „Wenn wir wieder öffnen, haben die Kunden keinen Bock mehr auf reduzierte Winterware“, sagt Jochen Schlesier. Dann müsse Frisches in den Regalen liegen.

Und wann kehrt Jochen Schlesier seinem Geschäft den Rücken? Noch wolle er auf jeden Fall weiter arbeiten. „Einige Jahre“, sagt er. Genauer lässt er sich da nicht in die Karten schauen.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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