Die Tests, die in Ahaus mittlerweile auf breiter – und natürlich digitaler – Basis angeboten werden, sind nur ein Baustein, mit dem die Stadt als Pionier in einer Modellkommune punkten will. Vor allem die vielen digitalen Angebote seien ideal für den Versuch vorsichtiger Öffnungen. © Victoria Garwer
Modellregion in NRW

Pionier in der Modellregion? Ahaus sieht sich für Öffnungen gerüstet

Der Kreis Borken möchte Modellkommune für Öffnungen in der Corona-Krise werden. Ob die Bewerbung gelingt, soll am Freitag feststehen. Die Stadt Ahaus will als Pionier vorangehen.

Der Kreis Borken hat sich darum beworben, Modellkommune für erste behutsame Lockerungen der Corona-Maßnahmen zu werden. Damit sollen trotz der hohen Infektionszahlen beispielsweise der Besuch von Außengastronomie oder Geschäften möglich sein – falls man einen negativen Corona-Test vorlegen kann. Als Vorbild für dieses Modell gilt die Stadt Tübingen.

Wie Landrat Dr. Kai Zwicker erklärt hatte, stehe der Kreis Borken bei der Bewerbung in Konkurrenz mit fast allen Kreisen und kreisfreien Städten in NRW. „Aber wir sehen uns in der Digitalisierung der Testergebnisse und der Kontaktnachverfolgung weiter als andere“, sagte er.

Bürgermeisterin untermauert Bewerbung mit Ahauser Beispielen

In diese Richtung argumentiert auch die Ahauser Bürgermeisterin Karola Voß. Zwar hat sich der Kreis Borken als Ganzes beworben – einzelne Städte und Gemeinden sollen keine eigene Bewerbung einreichen – dennoch hat die Bürgermeisterin den Stand der Dinge in Ahaus in einem längeren Brief zusammengefasst. So soll die Bewerbung des Kreises untermauert werden.

Der Bereich, in dem aus Sicht der Stadt, Öffnungen möglich wären, umfasst die unmittelbare Innenstadt, das Kulturquadrat, das Cinema an der Schloßstraße sowie das Cinetech-Kino an der Bahnhofstraße.

Digitalstadt Ahaus will mit Stufenplan vorangehen

Die Digitalstadt Ahaus, als Modellkommune, habe einen konkreten Stufenplan erarbeitet, der schrittweise auf den ganzen Kreis ausgeweitet werden könne und der den Modellcharakter der Region belege. Die Stadt Ahaus wolle dabei als Pionier vorangehen.

Erfahrungen mit digitalen Projekten gesammelt

Ahaus habe bereits Erfahrungen als Smart-City gesammelt und einige spannende und erfolgreiche Digitalisierungsprojekte umgesetzt. Im Mittelpunkt dieser Digitalisierungsprojekte stehe eine digitale ID, die auf der App Chayns der Tobit-Labs beruhe. Dadurch hätten viele Ahauserinnen und Ahauser bereits ganz unterschiedliche Services aus Gastronomie, Hotellerie, Freizeit, Mobilität, eCommerce und eGovernment in Anspruch nehmen können. Das Angebot werde stetig und konsequent erweitert.

Seit zehn Jahren nutzten die Tobit-Labs die Stadt Ahaus bereits als Reallabor. Eine gelebte Fehlerkultur sei seit Jahren gelebte Praxis und ermögliche gerade im Zusammenhang mit neuen dynamischen Herausforderungen ein experimentelles Vorgehen. Weil das die Bevölkerung seit langem akzeptiere, sei die Stadt Ahaus der perfekte Ort für einen breit angelegten Modellversuch zur vorsichtigen Öffnung.

Auch die Vergabe von Terminen für Schnelltests und Impfungen sei erfolgreich über diese digitale Plattform abgewickelt worden. Ahaus verfüge über enorme Testkapazitäten so dass sich jede Bürgerin bzw. jeder Bürger kostenlos, auch mehrmals pro Woche, testen lassen kann.

Ahaus soll Beitrag zur künftigen Öffnung leisten

Karola Voß: „Ich würde mich sehr freuen, wenn Ahaus einen Beitrag zur künftigen Öffnung von gesellschaftlichem Leben in unserem Land leisten kann.“ Allerdings sei ihr auch bewusst, dass das zu Kompromissen und Überzeugungsarbeit führen werde. „Ich sehe aber auch die eigene Verantwortung – als Stadt und auch als Bürgermeisterin – und möchte diese nicht ausschließlich auf die Bundes- und Landespolitik schieben. Die Bekämpfung der Pandemie ist eine Gemeinschaftsaufgabe.“

Welche Städte oder Kreise in NRW Modellkommune werden, sollte eigentlich längst bekannt sein. Doch die Benennung wurde mehrfach verschoben. Zuletzt am Donnerstagmorgen. Da hieß es aus dem NRW-Wirtschaftsministerium, dass noch letzte Abstimmungen nötig seien. Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) erklärte da, dass am Freitagvormittag über die Modellprojekte und das weitere Vorhaben informiert werden soll.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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