Pläne für Rossmann-Filiale an der Coesfelder Straße in Ahaus geplatzt

mlzOVG-Urteil

Einzelhändler dürfen an der Coesfelder Straße nur nicht-zentrumsrelevante Waren anbieten. Das bestätigte das Oberverwaltungsgericht. Die Pläne für einen Drogeriemarkt sind damit hinfällig.

Ahaus

, 29.07.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bernd van de Maat hat seine Gelassenheit wiedergefunden. Und das, obwohl er und andere Ahauser Unternehmer mit gewerblichen Immobilien an der Coesfelder Straße in der vergangenen Woche vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) eine herbe Niederlage einstecken mussten. Zumindest für van de Maat kam sie aber nicht überraschend. „Das habe ich in dieser Form schon erwartet“, erklärt der Einzelhändler im Gespräch mit der Redaktion.

Er selbst erhielt das OVG-Urteil per Post. Darin heißt es, dass die drei Richter die Klage gegen die vierte Änderung des Ahauser Einzelhandelskonzepts ablehnen. „Eine Revision wird nicht zugelassen.“ Damit ist klar, dass an der Coesfelder Straße das Angebot des Einzelhandels beschränkt (bleiben) wird. Sogenannte zentrumsrelevante Waren wie zum Beispiel Schuhe, Bekleidung und Elektronik dürfen dort nicht verkauft werden.

Geschäfte genießen Bestandsschutz

Ausnahme: Die dort aktuell ansässigen Geschäfte wie „Kik“, „Takko“ oder „Deichmann“ dürfen auch in Zukunft Textilien beziehungsweise Schuhe verkaufen. Allerdings ist auch ihnen verboten, das Sortiment zu erweitern. Mit dieser Maßnahme soll die Kaufkraft in der Innenstadt gestärkt werden. (wir berichteten)

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Hintergrund: Am 6. September 2017 beschloss der Rat der Stadt Ahaus nach langer Planung die vierte Änderung des Einzelhandelskonzepts. Damit wurde unter anderem festgelegt, dass an der Coesfelder Straße „künftig ein zu Lasten des zentralen Versorgungsbereichs der Innenstadt gehender weiterer Ausbau beziehungsweise die Neuansiedlung von Einzelhandelsbetrieben mit zentren- und nahversorgungsrelevanten Hauptsortimenten über den genehmigten Bestand hinaus unterbunden“ werden soll.

Die privaten Interessen der Eigentümer der an der Coesfelder Straße gelegenen Grundstücke – ihr Grundeigentum auch weiterhin für den ausgeschlossenen Einzelhandel unbeschränkt nutzen zu können – trete hinter dem Planungsziel, die Innenstadt zu stärken, zurück. Dieser Argumentation folgt auch das Oberverwaltungsgericht.

Bernd van de Maat sieht es differenziert

Bernd van de Maat, dem zwei Immobilien am Ende der Coesfelder Straße gehören, kann das Urteil im Grunde nachvollziehen. Was ihn auch heute noch ärgert, ist etwas anderes: „Dass der Action-Markt an der Wessumer Straße genehmigt wurde, ist nicht gerecht.“ Da werde mit zweierlei Maß gemessen. „Und dafür fehlt mir das Verständnis.“

Er selbst sah nach „guten Gesprächen“ mit Bürgermeisterin Karola Voß keinen anderen Weg, als zu klagen: „Ich wollte einfach mal schauen, wohin die Reise geht. Das hat die Stadt auch verstanden.“ Ganz ohne Hintergedanken reichte er die Klage allerdings nicht ein. Denn im Hintergrund führte Bernd van de Maat bereits Sondierungsgespräche mit der Drogeriemarkt-Kette „Rossmann“. „Sie haben Interesse für diesen Standort signalisiert“, so van de Maat.

Ahauser macht sich Sorgen

Dass diese Planungen nun wohl vom Tisch sind, damit hat der Ahauser sich inzwischen abgefunden. Sorgen macht er sich eher wegen anderer Sachen: „Was ist, wenn einer der gewerblichen Mieter beschließt, diesen Standort zu verlassen? Das könnte uns alle in Zukunft vor große Probleme stellen.“

Als Beispiel nennt er die in diesem Bereich ansässige Filiale eines Schuhgeschäfts: „Wenn die irgendwann rausgeht, werden an dieser Stelle keine Schuhe mehr verkauft. Das Einzige, was man dort dann noch anbieten darf, sind zum Beispiel Matratzen oder Sportgeräte.“ Bei diesem sehr eingeschränkten Angebot werde es schwer werden, für die Immobilie einen neuen Mieter zu finden. „Und dann droht Leerstand“, fürchtet van de Maat.

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