Corona sei Dank: Das bargeldlose Bezahlen ist in Ahaus und in Deutschland insgesamt auf dem Vormarsch. © dpa
Geld

Plastik statt Papier: Immer mehr Ahauser verabschieden sich vom Bargeld

Schneller, bequemer und hygienischer: Seit Beginn der Corona-Pandemie verabschieden sich die Ahauser vom Bargeld. Immer mehr von ihnen setzen beim Bezahlen auf EC- und Kreditkarte.

Die Deutschen lieben Bargeld. Das merkt man vor allem im Urlaub – ob in Großbritannien oder Griechenland, das Bezahlen mit EC- oder Kreditkarte wird hier nicht nur bevorzugt, sondern ist Standard. Ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo die Cent-Kramer regelmäßig für Schlangen an den Supermarktkassen sorgen.

Die Corona-Pandemie, sollte man zumindest meinen, hat hier zu einem Umdenken geführt. „Die Anzahl der monatlichen bargeldlosen Transaktionen ist zwischen Januar 2020 und Juni 2021 um 65 Prozent gestiegen“, erklärte Carina Wübbels, Sprecherin der Sparkasse Westmünsterland, im Gespräch mit der Redaktion. „Gerade das kontaktlose Bezahlen hat mit der Corona-Pandemie einen kräftigen Schub erhalten.“ Drei Viertel aller Zahlungen erfolgten kontaktlos.

Auch in Ahaus immer beliebter

Das deckt sich mit den Erfahrungen, die die Ahauser Kaufleute in den letzten eineinhalb Jahren gemacht haben. „Wir haben einen Trend zur Kartenzahlung bemerkt, vor allem wegen der Pandemie und der Hygienerichtlinien“, sagt etwa Philipp Terhaar von Schumoden Held.

61 Prozent der Bürger bezahlen inzwischen kontaktlos, heißt es in einer Erhebung des Marktforschungsinstituts Gfk im Auftrag von Mastercard aus dem vergangenen Juni. Sie führten die Entwicklung auf „veränderte Gewohnheiten und das neue Hygeniebewusstsein der Verbraucher seit dem Beginn der Corona-Pandemie“ zurück.

Damit verstärke sich ein Trend, der schon bei der Untersuchung des Zahlverhaltens im vergangenen Jahr gemessen wurde: Bereits im Herbst 2020 sagten 33 Prozent, sie wollten in Zukunft vermehrt bargeldlos bezahlen. In der aktuellen Untersuchung aus dem Mai 2021 gaben 41 Prozent der Befragten an, künftig noch häufiger bargeldlos bezahlen zu wollen.

Die Verteilung sei aber stark von den Zielgruppen abhängig: Im Hauptgeschäft werden nach der Beobachtung von Philipp Terhaar rund zwei Drittel der Transaktionen unbar abgewickelt. Im Kindergeschäft, wo die meist jüngeren Eltern bezahlen, seien es 90 Prozent.

„Vor sieben, acht Jahren hatten wir 40 Prozent Kartenzahlungen, der Rest in bar“, berichtet Christian Fleer, Mitinhaber des Juweliers Wichelhaus. Vor allem in den letzten Jahren habe sich das geändert, inzwischen zückten rund 60 Prozent der Kunden EC- oder Kreditkarte.

Auch in Bereichen, wo die zu zahlenden Beträge geringer sind, ist die Kartenzahlung auf dem Vormarsch. „Das hat bei uns seit Beginn der Pandemie zugenommen“, sagt Sarah Schah vom Café Extrablatt. Heute zahle jeder zweite Kunde mit Karte, früher sei es höchstens jeder fünfte oder sechste gewesen.

Und noch ein anderer Trend ist zu beobachten: So werden im Durchschnitt laut Sparkasse monatlich mit jeder Karte 430 Euro umgesetzt, Anfang 2020 waren es noch rund 300 Euro.

Der durchschnittliche Betrag pro Zahlung ist von 42 auf 40 Euro gesunken. „Das bedeutet, dass zunehmend kleinere Beträge mit der Karte bezahlt werden“, so Carina Wübbels weiter. Bedeutet im Umkehrschluss: Die Kartenzahlung wird nicht mehr nur bei großen Beträgen genutzt.

Das sieht auch die Volksbank Gronau-Ahaus so: „Es ist mittlerweile schon fast Normalität geworden, die alltäglichen Zahlungen, beispielsweise beim Bäcker, mit der Karte, dem Smartphone oder der Smartwatch zu bezahlen“, sagt Kristin Schepers.

„Wir stellen in allen Altersgruppen Steigerungen in der digitalen Kartennutzung fest.“ Umgekehrt seien die Barabhebungen an den Geldautomaten im vierten Quartal 2020 und dem ersten Quartal 2021 gegenüber dem Vergleichszeitraum der Vorjahre um zwölf Prozent zurückgegangen,

„Bargeld ist nicht immer sexy“

In den vergangenen 18 Monaten machte vor allem der Einzelhandel mehr oder minder zurückhaltend darauf aufmerksam, dass die bargeldlose Zahlung favorisiert wird. Das hat vor allem hygienische Gründe, denn Geld mag zwar nicht stinken, doch schmutzig ist es allemal.

„Bargeld ist nicht immer sexy“, so Christian Fleer. „Wenn sie ein paar Scheine gezählt haben, sieht man das.“

Nicht zuletzt kann der Bezahlvorgang an der Supermarktkasse beispielsweise deutlich beschleunigt werden. Die immer stärker verbreiteten EC-Karten mit der Funktion zur kontaktlose Zahlung ermöglichen dies.

Christian Fleer vom Juwelier Wichelhaus sieht noch weitere Vorteile: „Bargeldloses Zahlen ist für mich als Händler günstiger geworden, die Gebühren für die Dienstleister sind um einiges gesunken.“ Der Vormarsch des Plastik-Geldes dürfte also weitergehen.

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