„Rund üm denn Kerktoorn“ heißt das Buch, das die gebürtige Wessumerin Annette Winkelhorst jetzt veröffentlicht. Uns hat die Autorin von Tupperware Zigarren und der Liebe zum Platt erzählt.

Ahaus

, 21.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Werden sich Menschen aus Wessum in Ihrem neuen Buch „Rund üm denn Kerktoorn“ wiedererkennen?

Das sind eigentlich alles Geschichten, die sich im Dorf abgespielt haben. Ich habe absichtlich keine Nachnamen genannt, sondern nur Vornamen. Vorher habe ich natürlich mit den Leuten gesprochen. In dem Buch gibt es ein paar alte Geschichten, zum Beispiel von den alten Pastören, dem Hochzeitsnögen, aber immer mit einem modernen Bezug.

Mir ist wichtig, dass die Geschichten einen Spannungsbogen haben. Ich kenne beispielsweise einen syrischen Flüchtling, der mir seine Geschichte erzählt hat und die habe ich auf Plattdeutsch aufgeschrieben. Dem habe ich die Geschichte auch auf Hochdeutsch übersetzt und er fand das ganz toll. Er will jetzt auch versuchen, Platt zu lernen.

Woher bekommen Sie Ihre Ideen?

Das mit der Mondlandung, eine der Geschichten in „Rund üm denn Kerktoorn“, ist mir einfach eingefallen. Sonst ist es so, dass mir einfach einer was erzählt. Ich hatte das Buch schon fertig und dann hat mich mein Schwager gefragt: Hast du denn schon die Geschichte mit den Zigarren da drin?

Dann hat er mir erzählt, wie die Jungs früher immer die Zigarren aufgeraucht haben, die die die Bauern auf die Mauer gelegt haben. Daraus habe ich dann eine Geschichte gemacht. Aber ich muss mir so was sofort aufschreiben, sonst vergesse ich das wieder. Ich mache mir auch immer kleine Notizen in meinem Handy.

Sie sind gebürtige Wessumerin. Was hat Sie aus Ihrer Heimat herausgelockt ins Ruhrgebiet?

Das war beruflich. Ich habe, nachdem ich Rechtsanwaltsfachangestellte gelernt habe, und mir das zu langweilig war, in Ahaus mein Fach-Abi nachgemacht und eine Ausbildung zur Ergotherapeutin gemacht. Und weil es im Münsterland nicht so viele Stellen gab, bin ich ins Ruhrgebiet gegangen.

Woher kommt Ihre Liebe zum Plattdeutschen?

Das ist einfach meine Heimatsprache. Wir haben zu Hause Plattdeutsch gesprochen und tun das teilweise auch heute noch. Ich habe mit meiner Mutter, meinem Vater und meinem Bruder Platt gesprochen, nur mit meiner Schwester spreche ich Hochdeutsch. Die ist sechs Jahre älter als ich und hatte mit Plattdeutsch in der Schule immer Probleme, darum hat sie beschlossen, dass sie mit mir Hochdeutsch sprechen wollte. Wir sprechen eigentlich beide Platt, aber untereinander bis heute immer Hochdeutsch.


Ist es schwer, auf Plattdeutsch zu schreiben?

Ja, es ist schwierig, weil es keine festgelegte Schriftsprache gibt. Ich muss immer darauf achten, dass alle Wörter gleich geschrieben sind. Lektoren für Plattdeutsch gibt es nicht, darum muss ich das alles selber machen. Ich habe mir aber eine Liste mit Wörtern gemacht, die ich alle so schreibe.

Haben Sie literarische Vorbilder?

Nein, überhaupt nicht. Ich will was ganz neues machen. Etwas, was noch niemand gemacht hat und worüber normalerweise niemand schreiben würde. Ich will, dass auch junge Leute darüber lesen. Darum schreibe ich zum Beispiel über Rammstein oder Facebook. Ich erkläre auch auf Plattdeutsch Sachen, die es vor 20 Jahren noch gar nicht gab, so wie Tupperware. Die Geschichte dazu habe ich „Tupperwahn“ genannt.

Haben Sie schon Pläne für Ihr nächstes Buch?

Ich habe schon ein Buch in Planung. Das wird etwas ganz kompliziertes, da will ich komplizierte Krankheitsbilder und die Relativitätstheorie von Einstein auf Platt beschreiben. Der Titel wird irgendwas mit „Krömmelkes“, weil Atome ja auch so kleine Krümel sind.

Da hat mir der Verlag schon gesagt, das liest kein Mensch. Aber ich will das trotzdem versuchen. Das sieht immer so leicht aus, wenn ein Buch dann rauskommt, aber das ist wirklich ein Jahr stramme Arbeit. Da muss man wirklich fleißig sein.

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