Der 30-jährige Tischler musste sich am Dienstag vor Gericht verantworten. Auch wenn von den Vorwürfen gegen ihn nicht viel übrig blieb, musste er eine Geldauflage von 300 Euro zahlen. Und zusichern, dass er die beiden Polizisten nicht strafrechtlich verfolgen lassen wolle. © Markus Gehring
Amtsgericht

Polizeigewalt? 30-jähriger Ahauser soll Polizisten angegriffen haben

Ein Polizeieinsatz brachte einen Ahauser am Dienstag vor Gericht. Er soll Polizisten angegriffen haben. Der Richter nannte es „unglücklich verlaufenen Einsatz“, doch vier Zeugen blieben ungehört.

Ziemlich aus dem Ruder gelaufen ist im vergangenen April ein Polizeieinsatz an der Dieselstraße in Ahaus. Wegen Ruhestörung rückte die Polizei in der Nacht dorthin aus. Ein 30-jähriger Ahauser zückte bei dem Einsatz offenbar nicht schnell genug seinen Ausweis – und fand sich deswegen am Dienstag vor dem Amtsgericht Ahaus wieder.

Laut Anklage soll der Mann sich damals erst vehement gegen die Kontrolle und dann gegen die Verhaftung widersetzt haben. Auch habe er den Polizeibeamten ein Bein gestellt und sie so zu Fall gebracht. Später habe er sogar noch versucht, nach ihnen zu treten.

Der heute 30-jährige Tischler verteidigte sich vor Gericht ohne Anwalt und schilderte die Situation grundsätzlich anders: Mit einem Bekannten habe er auf dem Grundstück vor seiner Wohnung seit dem Mittag eine Musik- und Lichtanlage getestet, dabei gegrillt und auch Alkohol getrunken. Freimütig räumte er ein, dass die Musik wohl zu laut gewesen sei und er auch über den Tag viel getrunken habe. „Dann fange ich immer an, zu diskutieren“, erklärte er.

Polizisten sollen direkt herumgebrüllt haben

Die Polizeibeamten jedenfalls habe er erst erkannt, als sie mit Taschenlampen direkt vor ihm gestanden hätten. Die hätten direkt rumgebrüllt. Er habe dann nicht direkt seinen Ausweis zeigen wollen, sondern die Beamten seinerseits nach ihrem Dienstausweis gefragt.

„Ich wollte einfach nicht, dass die so mit mir reden. So aggressiv“, sagte der Tischler vor Gericht. Deswegen habe er sich wohl überhaupt auf die Diskussion eingelassen. Den Ausweis habe er da schon in der Hand gehabt. „Ich habe die Hände allerdings hinter dem Rücken gehalten“, schränkte er ein.

Nach kurzem Hin und Her hätten sie ihn an den Armen gefasst und zu Boden gebracht. Dabei hätten sie ihn über eine Feuerschale gezogen, so dass er gefallen sei. Schließlich hätten sie ihm die Hände auf dem Rücken gefesselt und ihn zum Streifenwagen gebracht.

„Dabei hat einer der Polizisten zu mir gesagt ‚Du stellst mir kein Bein mehr‘“, erklärte er. Dann hätten sie ihn über ihre Beine stolpern lassen, so dass er mit der Schläfe auf die Straße gefallen sei.

30-Jähriger fühlte sich eingeschüchtert

Auch später im Gewahrsam bei der Polizei habe er sich teils von mehreren Beamten eingeschüchtert gefühlt. Einen Videoschnipsel, den er am Anfang des Polizeieinsatzes eher zufällig von den Polizisten gemacht habe, habe er später im Polizeigewahrsam auf Druck der Polizistin wieder gelöscht.

„Darauf war zu sehen, dass die Polizisten sofort rumgebrüllt haben“, erklärte der Ahauser. Das kenne er gar nicht. „Ich weiß, dass man mit Polizisten immer reden kann“, sagte er.

Dass der Einsatz an der Dieselstraße nicht ganz glücklich verlaufen sei, soll demnach auch der Polizei aufgefallen sein: Später am Abend seien andere Polizisten der Ahauser Wache noch einmal zu seiner Adresse gefahren und hätten seiner Freundin gegenüber erklärt, dass die beiden Beamten in einem anderen Einsatz erheblich unter Stress geraten seien und wohl deswegen so reagiert hätten.

„Aber ich bin doch ein neuer Fall gewesen. Mich so anzugehen, nur weil ich meinen Ausweis nicht gezeigt habe, ist doch nicht richtig. Die Polizei muss doch deeskalierend auftreten“, sagte der Mann sichtlich gestresst.

Bei der Vernehmung habe ihm später sogar ein Polizist dazu geraten, selbst Strafantrag gegen die Polizisten zu stellen. „Das hätte der sonst gemacht. Aber ich möchte kein Theater mit der Polizei haben“, sagte er.

Richter spricht von „knackiger Strafandrohung“

Und weiter: „Ich habe keine Polizisten verletzt und das auch nicht versucht. Das würde ich auch nie tun“, beteuerte er. Das was als versuchter Tritt ausgelegt worden sei, könne höchstens eine unwillkürliche Bewegung während des Sturzes gewesen sein.

Auch habe er niemandem ein Bein gestellt. Der Vorfall gehe ihm sehr nahe. Er schlafe schlecht und mache sich Sorgen um die Zukunft.

„Wohl auch wegen der knackigen Strafandrohung“, ergänzt der Richter. Weil dem Angeklagten mit dem versuchten Tritt neben Widerstand auch ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte vorgeworfen wurde, standen bis zu drei Monate Haft im Raum.

Doch auf die weitere Beweisaufnahme ließ es der Richter nicht ankommen. Weder die beiden Polizisten noch die Freundin oder der Bekannte des Angeklagten, der an dem Abend dabei war, mussten aussagen.

Keine Strafverfolgung der beiden Beamten

Im Gespräch mit dem Angeklagten und der Vertreterin der Staatsanwaltschaft stellte er eine Einstellung des Verfahrens in Aussicht. „Ich weiß nicht, wie das hier sonst ausgeht und dränge Sie auch zu nichts. Aber für die Polizisten sei das sicherlich auch eine unangenehme Sache“, machte der Richter deutlich.

Dennoch wäre die ganze Geschichte mit der Einstellung erledigt. Gegen eine Geldauflage von 300 Euro und die Zusicherung des Angeklagten, die Polizisten nicht seinerseits strafrechtlich verfolgen zu lassen.

„Ich will einfach nur, dass die Sache vom Tisch ist und ich wieder ruhig schlafen kann“, machte der 30-Jährige sichtbar bewegt deutlich. Zwischen Angeklagtem und den beiden Polizisten fiel auch nach der Verhandlung kein Wort.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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