Andre Grever (22) aus Cloppenburg unterstützt die Praxis im Kreishaus in Ahaus. © Jenny Kahlert
Praxismonat für Allgemeinmedizin

Praxismonat für Allgemeinmedizin lockt junge Medizinstudenten nach Ahaus

Dem Aufruf „Rauf aufs Land!“ und dem damit verbundenen Praxismonat für Allgemeinmedizin sind auch in diesem Jahr vier junge Medizinstudenten gefolgt, einen davon haben wir in der Praxis besucht.

Andre Grever ist 22 Jahre jung, Medizinstudent im achten Semester und kommt eigentlich aus Cloppenburg in Niedersachsen. Über den E-Mail-Verteiler an seiner Universität Münster hat er von dem Angebot „Praxismonat für Allgemeinmedizin“ erfahren, eine Initiative des Weiterbildungsverbundes „Hand aufs Herz – bist du noch ein Landei?“.

„Das Angebot und das damit verbundene Programm hat sich sehr interessant angehört, ich wusste vorher gar nicht, dass es so was gibt, dann habe ich Regina Kasteleiner eine E-Mail geschrieben und mich beworben“, berichtet der 22-Jährige gegenüber der Redaktion.

Zum 18. Mal haben sich Studenten beworben

Regina Kasteleiner vom Kreis Borken ist die Ansprechpartnerin für die jungen Studenten und begleitet das Projekt seit 13 Jahren. „Entstanden ist das Ganze im Jahr 2003 aus der Politik heraus, da damals ein großer Ärztemangel herrschte“, so Regina Kasteleiner. Jedes Jahr bewerben sich circa 55 bis 60 Medizinstudenten bei ihr.

Vier Medizinstudenten sollen nun innerhalb von vier Wochen die Vorzüge des Westmünsterlandes als künftiger Wohn- und Arbeitsort nähergebracht werden.

Die Einsatzorte sind verschiedene Hausarztpraxen in Legden, Gronau und Ahaus.

Andre Grever ist in den vier Wochen in der Praxis von Dr. Akin Yilmaz-Neuhaus in Ahaus tätig.

Hier ist er unter anderem in den Sprechstunden dabei und führt auch Erstgespräche mit den Patienten. „In den meisten Fällen bin ich dann auch bei einer Nachbesprechung mit den Ärzten dabei, über all das, was gemacht wurde. Das finde ich richtig gut, weil man so mit den Kollegen auch diskutieren kann wie: ‚Ich hab das so im Studium gelernt, warum machen wir das jetzt anders?‘, und ich finde, durch diesen Austausch kann man sehr profitieren.“

Besuch bei den Flamingos und Ausflug nach Enschede

Neben der Arbeit in den Praxen haben die angehenden Mediziner in den vergangenen Wochen auch Teile des Münsterlandes besucht. „Wir waren schon in Enschede und in Vreden bei den Flamingos. Das Schöne ist, dass wir alle die Region nicht kennen und somit alles gemeinsam erkunden“, berichtet Andre Grever.

Er selbst kennt die Vorurteile, die das Leben auf dem Land oft mit sich bringt, kann diese aber nicht bestätigen. „Dass manche sagen, in ländlicher Region wäre nie was los, das finde ich, stimmt überhaupt nicht“, so der 22-Jährige. Ganz im Gegenteil, häufig ist sogar von Vorteilen des ländlichen Lebens zu hören, besonders wenn es um eine medizinische Ausbildung geht.

„Erfahrungen zeigen auch, dass häufig in kleineren Krankenhäusern und Praxen die Ausbildung eine andere Qualität hat. Das kommt daher, dass viele dort mehr Zeit haben, sich mit den Auszubildenden zu beschäftigen und Dinge ausführlicher zu besprechen, aber weil auch der Wille besteht, die Menschen hierzubehalten“, erklärt Regina Kasteleiner.

Lebens- und liebenswert: Das ist das Münsterland

Ob es Andre Grever am Ende seiner medizinischen Ausbildung ins Münsterland führt, kann er nicht sagen. „Solche Entscheidungen haben bei mir immer etwas mit dem Bezug zur Region zu tun und das ist hier schwierig, zumal das ja auch die erste Berührung mit der Region ist“, so der 22-Jährige.

Regina Kasteleiner kann das nachvollziehen. „Es ist ja nicht das Ziel, dass alle hier bleiben sollen, sondern das Münsterland als lebens- und liebenswert zu präsentieren, mit Vorurteilen aufzuräumen und generell, dass die Ausbildung auf dem Land in nichts schlechter ist als die in großen Städten“.

In seiner Zeit in Ahaus hat er unter anderem im Rahmen des Programms mit den anderen Studenten an einem Naht- und Knotenkurs in Ahaus sowie an einem Echokardiographie-Seminar in Stadtlohn teilgenommen und den DaVinci-Simulator für simulierte Operationsvorgänge kennengelernt.

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