Prognose sieht CDU-Kandidaten deutlich vorn

Vorsprung weiter ausgebaut

Noch gut vier Wochen bis zur Bundestagswahl. Im Wahlkreis 124 Steinfurt I hat CDU-Kandidat Jens Spahn seinen Vorsprung weiter ausgebaut. Das sagt eine Wahlkreisprognose des Hamburger Datenanalytikers Matthias Moehl.

AHAUS/HEEK/LEGDEN

von Christiane Hildebrand-Stubbe und Thorsten Ohm

, 24.08.2017, 18:42 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sein Unternehmen election.de sieht den Christdemokraten bei 53 Prozent der Erststimmen, Ingrid Arndt-Brauer (SPD) bei 31 Prozent. Auf Rang 3 liegt Bernhard Lammersmann (Grüne) mit 5 Prozent, vor Dietmar Lütkemeyer (FDP), Hannes Draeger (Die Linke)  und Mario Mieruch (AFD) mit je 4 Prozent der Erststimmen.

Unschärfe drei Prozent

Zwischen den beiden Spitzenkandidaten liegen deutliche 22 Prozent. Die „Unschärfe“ liege für jede Prognose „bei plusminus 3 oder 3,5 Prozentpunkten“, so Moehl. Heißt also: Das Erststimmen-Rennen im Wahlkreis 124 scheint bereits jetzt gelaufen. Was sagen die Kandidaten dazu? Jens Spahn (CDU) äußert sich auf Anfrage der Münsterland Zeitung zu den Zahlen der Prognose nicht direkt. Dementsprechend kurz fällt sein Statement aus: „Am 24. September wird gewählt. Und bis dahin kämpfen wir um jede Stimme.“

Ingrid Arndt-Brauer (SPD) ist von der aktuellen Prognose wenig überrascht, beobachtet aber auch ständige Schwankungen: „Alle paar Tage ändert sich da etwas.“ An ihrer Strategie will sie gleichwohl festhalten: „Unsere Termine stehen fest, Podiumsdiskussionen, Infostände und andere Aktivitäten.“ Gegenüber ihrem Gegenkandidaten von der CDU sieht sie sich aber durchaus im Nachteil: „Herr Spahn ist ständig im Fernsehen, ich werde nicht eingeladen, bin aber stattdessen vor Ort, versuche dort die Dinge zu transportieren.“

Bei den noch anstehenden Diskussionsrunden im Wahlkreis sei Jens Spahn nämlich persönlich nicht anwesend. Es fehle daher die direkte Auseinandersetzung der beiden Spitzenkandidaten. Resigniert sei sie nicht, aber durchaus realistisch.

Klare Verhältnisse

Klare Verhältnisse sieht die Umfrage auch für den Wahlkreis 126 Borken II: Die Prognose weist dort für Johannes Röring (CDU) einen Stimmenanteil von 60 Prozent aus – das tatsächliche Ergebnis lag vor vier Jahren bei 57,4 Prozent. Ursula Schulte (SPD) käme demnach auf 26 Prozent (2013: 27,1 Prozent). Die weiteren Prognosen: Holger Lordiek (Grüne) sechs Prozent, Karlheinz Busen (FDP) vier Prozent und Rolf Kohn (Die Linke) drei Prozent.

Eher mit Zurückhaltung hat Johannes Röring auf diese Zahlen reagiert. Zur Bewertung der Prognose von election.de erklärte er: „Umfragen sind keine Wahlergebnisse.“ Er werde seine bisherige Wahlkampfstrategie weiterverfolgen, erklärte der CDU-Abgeordnete. Seine Vredener Bundestagskollegin Ursula Schulte (SPD) bekräftigte mit Blick auf die Prognose, bis zum Wahltag weiter um jede Stimme kämpfen zu wollen, sowohl für sich, ebenso für ihre Partei. Sie führe viele Gespräche mit den Wählern. Dabei stünden vor allem soziale Fragen im Mittelpunkt.

 

Fragen und Antworten

Wer steckt hinter Election.de? Matthias Moehl (50) ist Diplom Informatiker. Seit 2002 arbeitet er als Politikberater und Wahlanalyst. Unter dem Firmennamen election.de bietet er Erststimmen-Vorhersagen für jeden der insgesamt 299 Bundestagswahlkreise an. Der Hamburger füllt damit eine Nische, die die großen Meinungsforschungsinstitute nicht besetzen. Die müssten, um eine Prognose abgeben zu können, im jeweiligen Wahlkreis Umfragen durchführen. Der Aufwand käme zu teuer.

Worauf stützt sich die Prognose? Die Erststimmen-Prognosen von election.de beruhen nicht auf eigenen Umfragen. Moehl ist kein Meinungsforscher. Er ist das, was man neudeutsch „Data-Miner“ nennt: Der Datenberg, den Moehl mit seinem Algorithmus durchforstet, besteht aus den Ergebnissen bisheriger Bundestags-, Landtags- und Europawahlen im jeweiligen Wahlkreis, aus den aktuellen Ergebnissen von repräsentativen Wählerbefragungen der großen Demoskopie-Institute, aus Daten über die zur Wahl stehenden Kandidaten und den Zuschnitt des jeweiligen Wahlkreises sowie aus Erkenntnissen über Stimmen-Splitting (unterschiedliche Abgabe von Erst- und Zweitstimmen) und Wählerwanderungen.

Welche Bedeutung haben die Kandidaten? „Der Faktor Individuum ist sehr überschaubar. Nur bis zu fünf Prozentpunkte kann ein Kandidat selbst bewegen“, so Moehl. Also: Wenn die SPD in einem Wahlkreis 30 Prozent der Zweitstimmen bekommt, schafft ein sehr guter Bewerber vielleicht 34 Prozent der Erststimmen, ein eher schwacher Kandidat muss sich mit 27 Prozent begnügen.

Was ist die Prognose wert? Kritiker monieren, das Umrechnen bundesweiter Zweitstimmen-Trends auf Erststimmen in einzelnen Wahlkreisen könne nur mit Unsicherheiten behaftet sein. Matthias Moehl kontert mit dem Hinweis auf eine hohe Treffsicherheit. Bei der Bundestagswahl 2013 sagte election.de das Erststimmen-Ergebnis in 279 der 299 Wahlkreise richtig voraus.

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