Rambo-Fahrt führte in den Tod

Ein Jahr Jugendstrafe auf Bewährung

AHAUS/HEEK. Die notorische Raserei des heute 20-jährigen D. aus Schöppingen hat einen 18-jährigen Heeker das Leben gekostet. Am Dienstag verhandelte das Jugendschöffengericht in Ahaus den tödlichen Unfall, der sich kurz vor Weihnachten in Wüllen ereignet hatte. Am Ende fehlten selbst der Staatsanwältin die Worte: „Ich bin ein wenig hilflos. So ein krasses Rambo-Verhalten im Straßenverkehr habe in 20 Berufsjahren noch nicht erlebt.“

01.04.2014, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
22. Dezember 2013: Ein junge Heeker Beifahrer stirbt, nachdem ein PKW mit überhöhter Geschwindigkeit in einen Wüllener Vorgarten gerast war.

22. Dezember 2013: Ein junge Heeker Beifahrer stirbt, nachdem ein PKW mit überhöhter Geschwindigkeit in einen Wüllener Vorgarten gerast war.

Am 22. Dezember 2013 hatten sich acht junge Leute im Alter von 16 bis 22 Jahren am Jugendhaus Zak in Heek getroffen, um gemeinsam in Winterswijk Kart zu fahren. Auf dem Rückweg am Abend kam es unterwegs zu Provokationen: Der Mitangeklagte S. (22) aus Heek fuhr mit seinem Audi A8 hinter dem Angeklagten D. im schwarzen VW Golf. Der 22-jährige Fleischereifachverkäufer-Azubi betätigte mehrfach die Lichthupe. Nach eigenen Angaben wollte er D. damit signalisieren, er solle vernünftig fahren. D.s Mitfahrer sendeten derweil Handy-Nachrichten in das nachfolgende Auto: „D. regt sich mega auf, weil es in den Augen weh tut.“ Gestern sagt D. im Prozess: „Ich habe Kopfschmerzen bekommen. Dann sind mir die Sicherungen durchgebrannt. Ich bin immer schneller gefahren.“

Zu schnell für den Straßenschwenk am Wüllener Ortseingang. Mit 75 bis 95 km/h, so der Gutachter, habe D.‘s Golf die dortige Verkehrsinsel passiert. D. verlor die Kontrolle, der Wagen durchbrach einen Zaun und schleuderte in einen Vorgarten. Dabei zog sich der 18-jährige Beifahrer D.S schwerste Kopfverletzungen zu, denen er einen Tag später in Enschede erlag.

Nicht einmal ein Woche zuvor war es zwischen D. und S. bereits zu einem dramatischen Wettrennen auf der L 579 zwischen Heek und Schöppingen gekommen. Mit voll besetzten Autos rasten beide in der Dunkelheit mit bis zu 180 km/h über die relativ schmale Landstraße. D. verhinderte Überholmanöver durch mehrfachen Spurwechsel. Am Ende raste S. geradeaus über einen Kreisverkehr. Dabei wurde zwei Mitfahrer leicht verletzt. Nur mit Glück, so der Jugendrichter, habe es bei diesem Unfall keine Toten gegeben. „Sie haben ein äußerst verwerfliches Verhalten gezeigt.“ Die beiden Angeklagten gaben sich vor Gericht kleinlaut und schuldbewusst, rechtfertigten aber ihre Raserei mit den Provokationen des anderen. In einer Verhandlungspause flossen bei D. auch Tränen. Der 22-jährige S. wurde nach dem Erwachsenenstrafrecht zu einem halben Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung, 1000 Euro Geldbuße und zweijähriger Führerscheinsperre verurteilt.

Dass ein junger Mann am 22. Dezember sein Leben verlor, „ist nicht einem Augenblicksversagen geschuldet“, betonte am Dienstag der Jugendrichter. „Das war ein Unfall mit Ansage. Es gab eine lange Kette von Fehlverhalten. Eigentlich hätten bei allen Beteiligten die Warnleuchten angehen müssen.“

D. fällt vielfach als rasender Pizzalieferant in Schöppingen auf. Anwohner beschweren sich bei der Polizei.

Der Bezirksbeamte in Schöppingen ermahnt D. wegen der Tempovergehen.

D. wird innerorts in Coesfeld mit 91 km/h geblitzt.

D. erhält aus Coesfeld einen Bußgeldbescheid über 200 Euro. Gleichzeitig wird eine vierwöchige Führerscheinsperre verhängt, die aber nicht sofort wirksam wird.

D. hat einen Unfall nach waghalsigen Schleudermanövern (Driften) in der Heeker Bauerschaft Bült. Es bleibt beim Blechschaden.

D. liefert sich ein Wettrennen auf der Landstraße 579 zwischen Heek und Schöppingen mit Spitzengeschwindigkeiten von 180 km/h. Es endet mit einem Unfall – und nur mit Glück ohne Tote und Schwerverletzte. Eine Mitfahrerin redet den beiden Fahrern ins Gewissen: „Ihr müsst mit der Raserei aufhören. Sonst landet noch einer auf dem Friedhof“.

WhatsApp-Nachricht  aus dem nachfolgenden Auto an die Mitfahrer in D.’s VW Golf: „Fahrt mal gescheit!“

D. rast viel in die Ortschaft Wüllen, verliert die Kontrolle über den Golf und rast in einen Vorgarten. Sein 18-jähriger Beifahrer stirbt einen Tag später an schwersten Kopfverletzungen.  

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