Rasenroboter bringen Igel und Co im Garten in Gefahr

mlzIgel im Garten

Eigentlich sind Rasenroboter sehr praktisch, da sie die lästige Arbeit des Mähens übernehmen. Man sollte die Geräte jedoch nicht nachts laufen lassen, da sie dann Igel und Co. gefährden.

von Maximilian Konrad

Ahaus

, 03.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst kaum wahrnehmbar, dann schleicht er sich leise an und auf einmal taucht er plötzlich auf – und dann ist es meistens schon zu spät. Rasenroboter sollen eigentlich dafür sorgen, dass man selbst im eigenen Garten nicht mehr tätig werden muss und der Rasen gepflegt aussieht. Immer öfter sorgen die Grünflächen-Helfer jedoch für Gefahr – besonders für Kleintiere.

Rasenroboter bringen Igel und Co im Garten in Gefahr

Schwere Verletzungen im Gesicht hat dieser Igel nach der Begegnung mit einem Rasenmäherroboter davon getragen. © Herbert Moritz

„Gerade in der letzten Woche hatten wir einen Igel, der zu uns gebracht wurde. Anfang September wurden sogar mal vier Igel bei uns abgegeben. Die Igel wiesen schwerste Gesichts- und weitere Verletzungen auf", berichtet Günter Schmitz vom Tiernotruf Bocholt.

Igel mit Schnittverletzungen bei mehreren Tierärzten

Auch in Ahaus sind verwundete Kleintiere nicht unbekannt. „Wir hatten in den letzten zwei Monaten ein bis zwei Fälle, die auf Verletzungen der Igel durch elektronische Geräte schließen lassen. Die Igel hatten Schnittverletzungen, die seitlich unter dem Bauch entlang liefen", sagt Gina Appelius von der Tierarztpraxis Dr. Malte Appelius.

Im Tierheim Ahaus gab es dagegen noch keine Vorfälle. „Ich hatte in letzter Zeit keinen Igel bei mir. Trotzdem sind die Rasenmäher gefährlich und die Igel können sich nachts schwerste Verletzungen zuziehen", erzählt Julia Rehermann von Julias Tierheim.

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Das Problem: Die Roboter düsen nachts über den Rasen und realisieren nur selten, wenn sie auf etwas stoßen. Eigentlich besitzen die Geräte einen so genannten Überfahrschutz. Dieser soll dafür sorgen, dass der Roboter zurücksetzt, wenn er gegen etwas fährt.

„Die Sache ist, dass der Überfahrschutz bei vielen Rasenrobotern nicht so gut funktioniert, wie oftmals beschrieben wird. Deshalb sollte solch ein Gerät am besten nur unter Aufsicht und keinesfalls nachts fahren", meint Tierärztin Nicole Maneke.

Fachhandel setzt schon beim Verkauf auf Prävention

Das Gute ist, dass die Gartenhelfer selbstständig programmiert werden können. Damit kann die Zeit eingestellt werden, zu der der Roboter laufen soll. Doch vielleicht stellen manche Besitzer unbewusst oder ohne Wissen Zeiten am Abend oder in der Nacht ein, sodass es zur Gefährdung von Igeln und Co. kommt.

„Wer ein solches Gerät bei uns kauft, bekommt die Information, dass die Geräte nachts nicht laufen sollen“, sagt Hermann Betting, Geschäftsführer von Bettings Mühle.

Die meisten Geräte installieren seine Mitarbeiter vor Ort beim Kunden und programmieren sie dann nach Wünschen des Kunden. „Wir haben bei uns drei Mitarbeiter, die nur für Installation, Reparatur oder ähnliche Maßnahmen zuständig sind“, berichtete Betting, der selbst seit 15 Jahren einen Rasenroboter besitzt.

Auch andere Tiere sind durch Haushaltsgeräte in Gefahr

Seit einiger Zeit erfreuen sich auch elektrische Haushaltshilfen großer Beliebtheit. Ob Saug- oder Wischroboter für den Innenbereich oder Rasenroboter für den Garten- die Verkaufszahlen steigen. Das bestätigt auch Hermann Betting. „Grundsätzlich können wir sagen, dass der Verkauf dieser Geräte einen Zuwachs von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hat. Wir haben in diesem Jahr über 200 Rasenroboter verkauft.“

Künftige Besitzer sollten sich dementsprechend gut über die Geräte informieren und sie so programmieren, dass sie nur laufen, wenn jemand zuhause ist.

Auf eine weitere Gefahr, die von vielen Tierbesitzern nicht wahrgenommen wird, weist Nicole Maneke hin: „Viele Hunde und Katzen sind mit dem Geräusch eines Staubsaugers vertraut. Daher nehmen sie den Ton eines elektronischen Rasenmähers nicht wahr und dann kann es passieren, dass der Schwanz in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch für ältere Tiere, die schwer hören oder sehen, wird ein Rasenroboter so zur Gefahr.“

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