Rassismus oder Tradition? Debatte um schwarze Nikolaus-Gehilfen fällt in Ahaus eindeutig aus

mlzDiskussion um „Black Facing“

In den Niederlanden gibt es großen Streit um die Hautfarbe des Nikolaus-Gehilfen „Zwarte Piet“. In Ahaus ist die Diskussion offenbar noch nicht angekommen – das zeigt sich auch bei Facebook.

Ahaus

, 05.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Nikolaus zieht in diesen Tagen von Haus zu Haus. Im Vorfeld hat sich in den Niederlanden eine große Diskussion um den „Zwarten Piet“, einer der Gehilfen des Nikolaus, entfacht. Dabei geht es um die Hautfarbe: Ist es noch zeitgemäß, dass die Helfer des weißen Nikolaus sich schwarz anmalen; in vielen Fällen als Diener des Bischofs auch das Pferd führen? Der Streit um den Zwarten Piet, den Schwarze Peter, führte zu Demonstrationen, Pöbeleien, sogar Gewalt.

Bei den Ahauser Umzügen wird der Nikolaus begleitet von Knecht Ruprecht – der mit der Rute daherkommt. Vom Erscheinungsbild unterschieden sich die beiden deutlich: Der eine mit weißem Bart und weißer Mitra, der andere in schwarzer Montur und dazu im Gesicht schwarz angemalt. Auf dem Weg zum Schlossinnenhof wird der Nikolaus außerdem von zwei Gehilfen begleitet, deren Gesichter ebenfalls schwarz gefärbt sind.

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In Ahaus sind die Diskussionen über das sogenannte „Black Facing“ aber noch nicht angekommen. „Bei uns war die Debatte noch kein Thema. Der Nikolausumzug wird wie gehabt laufen. Alles bleibt wie es ist“, sagt Werner Große-Lembeck, Vorsitzender der Nikolausgesellschaft Ahaus. Die Tradition soll erhalten bleiben – und zwar so wie sie ist.

Auch bei Facebook sind viele Nutzer dieser Meinung. Die Münsterland Zeitung fragte im sozialen Netzwerk. „Schwarze Nikolaus-Gehilfen: Tradition oder Rassismus?“ Dazu schreibt Facebook-Userin Jenny Blocksberg beispielsweise: „Lasst mal die Kirche im Dorf. Das ist Tradition, kein Rassismus. Knecht Ruprecht, bleibt Knecht Ruprecht, oder Schwatten. Ich finde die Diskussionen zu unseren Brauchtumsänderungen völlig irrelevant. Andere Nationalitäten finden es meist gar nicht so schlimm, wie es diskutiert wird.“

Rassismus oder Tradition? Debatte um schwarze Nikolaus-Gehilfen fällt in Ahaus eindeutig aus

Bei den Umzügen sind meist mehrere Figuren als Knecht Ruprecht verkleidet. © Markus Gehring

Ähnlich sieht es auch Nutzerin Lauro Picotto: „Vielleicht sollte man einfach die vermeintlich vom Rassismus Betroffenen selbst fragen. Meistens werden diese Themen aufgebauscht, und die betroffene Bevölkerungsgruppe interessiert es eigentlich null. Ich vermute sogar, dass die meisten Dunkelhäutigen unseren Bräuchen gegenüber toleranter sind als umgekehrt.“

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Facebook-User Oliver Kock spricht von einer „künstlich herbeigeführten Debatte von einer kleinen Minderheit, die aber leider am lautesten schreit.“ Genauso sieht es auch Tom Aalders, der aus Niederlanden kommt und seit langem in Stadtlohn wohnt. „Es ist traurig zu sehen, wie eine kleine Gruppe eine populäre Tradition zerstört.“

„Gewachsene Tradition“

Beim Nikolausverein in Ahaus habe man von den Diskussionen in den Niederlanden etwas mitbekommen – auch eine Zeitung aus dem Nachbarland haben beim Vorsitzenden angerufen. „In den großen Städten wird überlegt, etwas zu ändern. Aber in Enschede beispielsweise bleibt alles beim Alten“, erzählt Werner Große-Lembeck.

Für die Zukunft erwartet der Vorsitzende keine großen Veränderungen bei den Umzügen in Ahaus. Der Verein will die aktuellen Entwicklungen beobachten und schauen, ob bei der Bevölkerung der Wunsch nach Veränderung besteht. „Es handelt sich um eine gewachsene Tradition und so soll es auch bleiben“, sagt Werner Große-Lembeck.

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