Ratsherr kritisiert: „Es reicht definitiv mit Mehrfamilienhäusern in Wüllen“

mlzNeues Baugebiet

Gibt es in Wüllen zu viele Mehrfamilienhäuser? Ratsherr Hermann Josef Haveloh sieht es so. „Es reicht“, erklärt er. Ihn ärgert, dass die Stadt in Wüllen den Bau weiterer Mehrfamilienhäuser plant.

Ahaus

, 15.06.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch mehr Mehrfamilienhäuser in Wüllen? Das ist mit WGW-Ratsherr Hermann Josef Haveloh nicht zu machen. Der Kern seiner Kritik gipfelte in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung in der Feststellung: „Ich fühle mich von der Verwaltung verarscht.“ Für seine Wortwahl kassierte Haveloh vom Ausschussvorsitzenden Andreas Dönnebrink (SPD) einen Rüffel.

Grund für Havelohs Ärger: Teile des städtebaulichen Vorentwurfs für das Neubaugebiet Wüllen-Nord, zweiter Abschnitt. Die Fläche liegt zwischen Vredener Dyk, Friedmate und Kaikhoffs Weg.

Rund 20 Einfamilienhäuser

Geplant sind dort unter anderem rund 20 Einfamilienhäuser, zwei Doppelhäuser, Kleinwohnhäuser und Mehrfamilienhäuser. Vor allem der Plan, Mehrfamilienhäuser zu bauen, stieß Hermann Josef Haveloh sauer auf.

Der städtebauliche Rahmenplan Wüllen-Nord stammt aus dem Jahr 2012. „Er wurde damals beschlossen und man sollte sich darauf verlassen können und nicht einfach ein paar Jahre später wieder anders planen“, erklärte Haveloh in einer Stellungnahme.

Jedes Mehrfamilienhaus werde über einen Investor gebaut und nehme Wüllener Bauwilligen Möglichkeiten zum Hausbau. Hermann Josef Haveloh: „Entlang der ehemaligen B 70 wird in Wüllen ein Mehrfamilienhaus nach dem anderen gebaut. Es reicht definitiv.“

In Wüllen gebe es seit 26 Jahren ein Wohngebiet mit einem sehr großen Anteil an Mehrfamilienhäusern, zum Teil mit bis zu 18 Wohnungen. Hermann Josef Haveloh: „2012 wurde klar gesagt, dieser Fehler mit den Mehrfamilienhäusern sei leider nicht mehr zu ändern, werde aber nicht wieder vorkommen. Jetzt plant die Verwaltung wieder so. Warum?“

Stadtplaner Walter Fleige versuchte sich an einer Antwort: „Da ist so einiges – aus welchen Gründen auch immer – aus dem Ruder gelaufen. Aber daraus kann man ja lernen.“

Der Technische Beigeordnete Thomas Hammwöhner sagte, dass er die Vergangenheit nicht so gut kenne wie Hermann-Josef Haveloh. Aber: „Die Planungsphilosophie ist heute eine andere als 2012. Ich glaube, dass wir für Wüllen etwas Verträgliches hinbekommen.“

„Thema streichen“

Hubert Kersting (UWG) sah keineswegs eine Verträglichkeit. „Das Thema Mehrfamilienhäuser sollten wir an dieser Stelle schlicht und einfach streichen.“ Thomas Vortkamp (CDU) sah es ebenso: „Mehrfamilienhäuser gehören in das Gebiet nicht hinein.“ Herman-Josef Herickhoff (SPD) hingegen sprach sich für den Bau von Mehrfamilienhäusern aus.

Die überarbeiteten Pläne für das Neubaugebiet boten weitere Knackpunkte: Im Gegensatz zu den Plänen von 2012 sollen alte Bäume rund um eine Hofstelle und eine Kopfweidenhecke erhalten bleiben. Es gehe um äußerst vitale alte Bäume und insgesamt um einen wertvollen Grünbestand.

Wolle man die Hecke und die Bäume entfernen, „dann sind die Hürden relativ hoch. Sie müssen sich aktiv damit auseinandersetzen“, erklärte Fleige den Lokalpolitikern. Einfacher werde es bei Wüllen-Nord, Abschnitt 3. „Jenseits der Friedmate ist Acker, da ist einfacher zu planen.“

Knackpunkt Tiny-Houses

Ein weiterer Knackpunkt war ein von der Verwaltung in den neuen Plänen vorgesehener Bereich für Tiny-Houses, sogenannte Kleinhäuser. „Wenn Kleinsthäuser, dann aber bitte in allen Ortsteilen“, sagte Andreas Dönnebrink (SPD).

Der Ausschuss vertagte eine Entscheidung über den städtebaulichen Vorentwurf. Über das neue Baugebiet wird am 17. Juni weiter beraten.

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